RBL-Star Emil Forsberg im Interview

Emil Forsberg von RB Leipzig im Interview: „Mit Ralf als Trainer war es einfach zu bleiben“

Leipzig - Die erste Frage beim Interviewtermin mit der MZ stellt Emil Forsberg selbst: „Wie geht’s?”, fragt der Schwede freundlich. Der Spielmacher ist nicht nur gut drauf, sondern hat auch was zu sagen. Nach einer Saison voller Missverständnisse geht Forsberg energiegeladen und regelrecht euphorisch in die neue ...

Von Ullrich Kroemer
Nach der WM ist vor der Bundesliga: RB Leipzigs Offensivspieler Emil Forsberg.
Nach der WM ist vor der Bundesliga: RB Leipzigs Offensivspieler Emil Forsberg. imago sportfotodienst

Die erste Frage beim Interviewtermin mit der MZ stellt Emil Forsberg selbst: „Wie geht’s?”, fragt der Schwede freundlich. Der Spielmacher ist nicht nur gut drauf, sondern hat auch was zu sagen. Nach einer Saison voller Missverständnisse geht Forsberg energiegeladen und regelrecht euphorisch in die neue Bundesliga-Saison.

Ein Gespräch über seine Perspektive in Leipzig, hehre Ziele in dieser Saison, die Aura von Trainer Ralf Rangnick und die Faszination vor dem Liga-Auftaktspiel bei Borussia Dortmund.

Emil, wie verändert sich das Leben als Profifußballer, wenn man gerade Papa geworden ist?
Es hat sich alles geändert. Shanga (Forsbergs Frau, Anm.d.Red.) und Fußball waren vorher alles für mich. Jetzt gibt es eine neue Priorität: unsere kleine Tochter. Nach der Länderspielpause kommen beide nach Leipzig, und dann leben wir endlich zu dritt hier.

Gibt Ihnen das ausschließlich Kraft oder raubt das auch Konzentration?
Die Geburt der kleinen Florence (Forsbergs Tochter; Anm.d.Red.) gibt mir alles, Kraft, Energie und Motivation – auch fürs Fußballspielen.

Als Sie zur WM abgereist sind, dachten viele aufgrund Ihrer Äußerungen, dass Sie nicht wieder zurück nach Leipzig kommen würden. Woher kommt der Sinneswandel?
Ich habe in all den Jahren immer gute Gespräche mit Ralf Rangnick geführt. Dass er nun wieder Trainer geworden ist, ist perfekt für mich. Er ist einer der besten Trainer der Welt, wird RB Leipzig wieder nach vorn bringen und auch mich persönlich weiterentwickeln.

Also?
Insofern war es keine schwere Entscheidung für mich, dass ich hierbleibe. Auch wegen Leipzig als Stadt: Ich fühle mich sehr wohl hier. Shanga, Florence, Roffe (Forsbergs Golden Retriever, Anm.d.Red.) und ich haben hier alles, was wir für unsere Familie brauchen und kennen schon alle hier. Auch das war ein Grund, in Leipzig zu bleiben.

Das hört sich alles ganz anders an als noch im Frühjahr, als Sie nach Ihrer Roten Karte twitterten: „Danke für alles”. Wie war das gemeint?
Die Saison war wegen drei Spielen Sperre für mich vorbei. Daher: Danke für alles. Und es war doch so: Ich wollte erst die WM spielen und mich dann entscheiden. Es gab viele Anfragen von renommierten Vereinen, aber mit Ralf als Trainer war es einfach zu bleiben. Dieser Meinung war auch mein Berater. Aber all diese Gedanken habe ich eigentlich schon entsorgt. Ich habe nur die neue Saison im Kopf, viele tolle Spiele für uns.

Sie seien bereit für den nächsten großen Schritt, haben Sie während der WM gesagt. Hat Ihnen Ralf Rangnick aufgezeigt, dass Sie diesen auch bei RB machen können?
Ja, das war mir sofort klar, als er das Traineramt übernommen hat. Ich habe auch selbst den Antrieb, das Team und mich weiterzuentwickeln. Wir wollen beide, dass ich wieder eine Saison spiele wie 2016/17. Ich weiß, dass ich das kann und mit Ralf als Trainer habe ich die Chance, das wieder zu schaffen. Gleiches gilt für die ganze Mannschaft. Wir wollen wieder da oben stehen und haben auch die Qualität dazu.

Welche Chancen und Risiken sehen Sie?
Ich sehe nur Chancen. Wenn Du von Anfang an Probleme siehst, wird es schwierig. Wir haben eine super Mannschaft, viel Potenzial. Ich bin mir sicher, wir werden wieder Erfolg haben. Wir können zusammen etwas Großes erreichen. Ich bin voller Motivation.

Was wollen Sie selbst konkret verbessern?
Jeder hat gesehen, dass mir der Zug zum Tor im vergangenen Jahr abhanden gekommen war. Das will ich wieder finden: wieder mehr gefährliche Bälle vors Tor spielen und selbst Torabschlüsse suchen. Das habe ich selbst ebenso vermisst wie die Fans. Ich will wieder 30 Scorerpunkte schaffen wie 2016/17.

Ist diese Marke überhaupt zu knacken?
Klar, ich muss dafür Topleistungen bringen. Aber ich bin besser in Form, fühle mich sehr gut. Nicht nur ich, auch meine Teamkollegen und die Betreuer sind top motiviert.

Wie konkret profitieren Sie von Rangnick?
Wir wissen genau, was er von uns erwartet und was er will mit der Mannschaft. Das gibt mir Motivation. Ich will immer das Beste zeigen für ihn. So fühlt sich jeder in der Mannschaft. Du musst immer 100 Prozent geben, um sein Vertrauen zu verdienen. Immer am obersten Level agieren zu müssen, macht mich besser.

Ist das anders als unter Ralph Hasenhüttl?
Nein, die ganze letzte Saison war einfach komisch für mich. Erst war ich drei, vier Wochen wegen einer Angina und Infektionen krank. Dann kam die langwierige Bauchmuskelverletzung dazu, nach der ich meinen Rhythmus nicht mehr gefunden habe. Aber ich habe daraus viel gelernt, was ich besser machen muss. Auch deswegen bin ich jetzt voller Zuversicht.

Was haben Sie anders gemacht?
Nach der WM war es wichtig, Fußball mal komplett aus meinem Leben zu werfen. Da habe ich mich auf Shanga und das Baby konzentriert, habe mich gut ernährt und viel geschlafen. Man muss nicht immer mehr und mehr machen, um besser zu werden, sondern manchmal auch einen Gang zurückschalten. So habe ich mich auch mental für die neue Saison aufgebaut. Jetzt spüre ich wieder den Drang in mir, endlich Fußball spielen. Mein Ziel war, zum Bundesligastart und zu den Europa-League-Play-offs richtig stark zurück zu kommen.

Was können Sie aus der WM für die Bundesliga mitnehmen?
Die ganze WM war eine Erfahrung fürs Leben. Wir haben leider Deutschland rausgehauen (lacht), sind Erster in der Gruppe geworden. Wer hätte das von uns erwartet? Das zeigt auch, was alles möglich ist. Das nehme ich mit. Aber natürlich war meine Rolle im Nationalteam eine ganz andere als im Verein. Dort spiele ich fast als defensiver, linker Mittelfeldspieler, hier als Zehner. Aber da ist der Fokus eben defensiv zu spielen, hier offensiv. Ich habe meine Aufgaben zuverlässig erledigt, deswegen bin ich zufrieden.

Welche Art von Fußball stellen Sie sich bei RB vor?
Wir brauchen und wollen auch Ballbesitz, aber im Kern sind wir eine Umschaltmannschaft. Wenn wir den Ball erobern, wollen wir wieder richtig schnell zuschlagen. Mit unseren Stürmern und den Zehnern haben wir dafür richtige Waffen. Die Kunst ist, alle unsere Waffen richtig zu beherrschen und zu kombinieren. Wir brauchen mehr Komponenten und neue Facetten, um zuzuschlagen: manchmal tief stehen, um umschalten zu können, oder wechselnde Grundordnungen.

Wie überraschen Sie Dortmund am Sonntag?
Das verrate ich nicht. Aber Dortmund auswärts im ersten Saisonspiel: Darauf freue ich mich seit Tagen. Gleich zum Auftakt eine Topmannschaft, da sind wir gleich von Beginn an zu 100 Prozent gefordert. Das sind genau wie die Partien gegen Bayern München geile Spiele.

Wie bereiten Sie sich auf diese Topspiele vor?
Ich bin ganz locker, schalte den Computer an und skype mit Shanga und Florence. Direkt vor dem Spiel höre ich R’nB und Hip Hop, um in den Rhythmus zu kommen. Adrenalin und alles andere kommt von allein, wenn man ins Stadion einläuft. Ich werde es genießen, vor 80.000 Fans zu spielen. Durch diese Kombination aus Spitzenmannschaft, Fans und Stadion mit der Gelben Wand ist es etwas Besonderes, in Dortmund zu spielen.

Gerade in diesen Spielen braucht es Führungspersönlichkeiten.
Wir haben einige Spieler, die mehr Erfahrung haben als die anderen: Marcel Sabitzer, Pete Gulacsi, Kevin Kampl, Willi Orban und ich. Wir müssen vorangehen und zeigen, dass es kein Problem ist, in Dortmund zu spielen, dass man keine Angst haben muss, sondern Spaß haben darf. Wir wollen auch diesbezüglich stabiler auftreten als im vergangenen Jahr.

Ralf Rangnick hat klarere Regeln aufgestellt, drohte unter anderen mit harten Sanktionen, wenn Spieler den Sprachunterricht nicht ernst nehmen. Braucht das Team diese Art von Führung?
Ich finde es nicht so hart. Deutsch zu verstehen, ist einfach wichtig. Wir müssen uns auf dem Platz und in der Kabine verstehen. Aber die Jungs machen das gut. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Deutsch zu lernen, scheint am Anfang eine harte Aufgabe. Aber wenn du es einmal kannst, ist das Thema abgehakt. Dann verstehen wir uns, und dann ist das kein Problem mehr.

Sie kommen gerade von einer Schiedsrichterschulung. Worauf müssen Sie künftig besonders achten?
Ich muss einfach auf mein Spiel achten und aufpassen. Ich habe in den beiden vergangenen Spielzeiten sechs Spiele wegen Roter Karten verpasst. Das darf nicht noch einmal passieren.

Sind Sie bereit für das Kapitänsamt?
Das muss der Trainer entscheiden. Schauen wir mal. Mir ist es egal, ich muss nicht Kapitän sein, würde das Amt aber übernehmen. Aber vor allem will ich meine Füße sprechen lassen und auf dem Platz zeigen: Folgt mir!

Und über allem steht das Ziel „Königsklasse”?
Ich will wieder Champions League mit RB Leipzig spielen. Das ist mein Traum, wir wollen das zusammen mit den Fans und der ganzen Stadt wieder erleben.

Das heißt, Sie bleiben auch unter Julian Nagelsmann noch mindestens ein Jahr?
(lacht) Ich habe Vertrag bis 2022 und gehe davon aus, dass ich bleibe. Man hat in Hoffenheim gesehen, dass Julian Nagelsmann ein Toptrainer ist. Ich weiß, er wird auch RB Leipzig nach vorn bringen. Dass er zu uns kommt, ist für alle eine gute Entscheidung. Aber ich lebe im Hier und Jetzt, habe nur die kommende Saison im Kopf.

Was ist Ihre Vision mit RB Leipzig?
Man hat immer Träume. Mein Traum ist irgendwann der Meistertitel. Klar, ist das schwer und aktuell weit weg. Aber als ich nach Leipzig kam, haben wir in der 2. Liga gespielt. Jetzt können wir eine Spitzenmannschaft in der Bundesliga sein, wenn wir gut spielen. Wir müssen Träume haben! (mz)