1:1-Remis gegen Bielefeld

2.Bundesliga: RB Leipzig verpasst gegen Bielefeld vorentscheidenden Schritt zum Aufstieg

Leipzig - RB Leipzig hat den vorentscheidenden Schritt zum Aufstieg in die Bundesliga verpasst. Im drittletzten Saisonspiel kamen die Rot-Weißen gegen Arminia Bielefeld über ein 1:1 (1:0) nicht hinaus.

Von Ullrich Kroemer
Enttäuscht stehen die Leipziger Emil Forsberg (v.l.n.r.), Peter Gulacsi, Torschütze Marcel Sabitzer und Diego Demme in der Leipziger Arena.
Enttäuscht stehen die Leipziger Emil Forsberg (v.l.n.r.), Peter Gulacsi, Torschütze Marcel Sabitzer und Diego Demme in der Leipziger Arena. dpa-Zentralbild

RB Leipzig hat den vorentscheidenden Schritt zum Aufstieg in die Bundesliga verpasst. Im drittletzten Saisonspiel kamen die Rot-Weißen gegen Arminia Bielefeld über ein 1:1 (1:0) nicht hinaus. Dabei hatte Rasenballsport euphorisch, couragiert und spielerisch überzeugend begonnen. Marcel Sabitzer hatte zur frühen Führung getroffen (30.). Doch nach dem Gegentreffer der Bielefelder durch Behrendt (60.) gab es einen klaren Bruch im Spiel der Gastgeber.

Ausgangslage
RB Leipzigs Trainer Ralf Rangnick hatte vor der Partie gegen die Arminen „einen kühlen Kopf und klaren Verstand, aber heiße Herzen und Füße” eingefordert. „Wir dürfen nicht überziehen”, hatte Rangnick gewarnt. Yussuf Poulsen kündigte vor dem vorentscheidenden Duell an: „Wir müssen weniger ausrechenbar sein.” Nach der Niederlage gegen Sandhausen und dem Remis in Kaiserslautern musste Rasenballsport dringend wieder drei Punkte einfahren, um den Vorsprung auf Verfolger Nürnberg zu halten. Aufsteiger Bielefeld war drei Partien vor Schluss zwar schon gerettet, stand nach der Abwehrschlacht im Hinspiel nicht im Verdacht, Punkte zu verschenken.

Personalien
Keine Experimente bei Rasenballsport: Rangnick ersetzte die beiden gesperrten Leistungsträger Willi Orban und Stefan Ilsanker eins zu eins durch Atinc Nukan und Rani Khedira. Sonst vertraute der 57-Jährige seiner eingespielten 4-2-3-1-Formation und ließ Davie Selke zunächst wieder auf der Bank. Bielefeld wechselte ebenfalls auf zwei Positionen: Christoph Hemlein und Andreas Voglsammer rückten in die Startformation.

Fans
Der erste Jubel brandete bereits eine Viertelstunde vor Spielstart in der RB-Arena auf. Der Grund: Ralf Rangnick hatte zum Mikrofon gegriffen und schwor nicht nur seine Mannschaft, sondern auch die Fans auf dieses besondere Spiel ein. „Ich habe heute früh gespürt, dass das heute ein besonderer Tag werden kann und ich möchte, dass ihr Teil davon werdet, was heute hier auf dem Platz passiert”, sagte Rangnick.

Insgesamt 35.112 waren an diesem Freitagabend in die Leipziger Arena gekommen, darunter etwa 700 Anhänger aus Bielefeld – die zweitgrößte Kulisse der Saison. Vor Spielbeginn präsentierten die Fans in Fansektor B eine große Choreografie mit der sie ihr Team per Banner aufforderten: „Weckt den Löwen unserer Stadt, den jeder von Euch in sich hat.” Nach vier Minuten wanderte ein weiteres großes Blockbanner durch die Ränge, das das Konterfei von Willi Orban zeigte.

Der in Kaiserslautern so unsportlich beleidigte und vom Platz geflogene Innenverteidigter wurde minutenlang besungen und freute sich auf der VIP-Tribüne über die herzliche Geste der Leipziger. „Eine eigene Choreo nur für mich, das habe ich noch nicht erlebt, und das ist nicht selbstverständlich”, sagte Orban. Unter den Besuchern war übrigens auch DFB-Sportdirektor Hansi Flick.

Die Gästefans präsentierten sich lautstark, einige Fans formten auf den Unterrängen in einer Choreografie den Schriftzug ANTI RB.

Spielverlauf und Analyse
Derart angeheizt begann Rasenballsport temporeich und stürmisch. Marcel Sabitzer hatte kurz nach Anpfiff die erste Großchance, konnte Arminen-Torhüter Wolfgang Hesl aber nicht umkurven (2.). Da Bielefeld mutiger und offensiver mitspielte, als fast alle anderen Gegner in Leipzig in dieser Saison, entwickelte sich ein packendes Duell mit deutlich mehr gefährlichen Situationen als in den vergangenen RB-Spielen. Demme (11.) und Klostermann (28.) scheiterten zweimal aus spitzem Winkel. Bielefelds Christopher Nöthe schoss über das Tor von RB-Keeper Gulacsi (8.).

 #alleartikel

Die verdiente Führung für die Gastgeber resultierte dann allerdings aus einem Patzer der Bielefelder. Felix Burmeister vertändelte den Ball als letzter Mann im eigenen Strafraum; Marcel Sabitzer nutzte den kapitalen Bock, umkurvte den chancenlos Hesl diesmal besser und traf zur frühen Führung für RB (30.). RB hätte vor der Pause noch erhöhen können, doch Poulsen verfehlte das Tor nach schönem Sabitzer-Pass (31.). Der starke Emil Forsberg schoss einmal volley über den Kasten (38.); seinen Distanzschuss aus 18 Metern kratzte Hesl aus dem Winkel (45.). Bielefeld hatte ebenfalls durch einen Distanzschuss von Brian Behrendt noch eine gute Gelegenheit (39.). „Die Körpersprache unseres Teams gefällt mir sehr, sehr gut”, sagte der gesperrte Willi Orban in der Pause. „Ich hoffe, dass wir nach der Pause schnell nachlegen.”

Bielefelds Ausgleich führt zum Bruch im Spiel
Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Stattdessen wurden die Bielefelder stärker, erspielten sich meist über die rechte Angriffsseite mehr Ballbesitz – ein klarer Bruch im RB-Spiel. Weil RB eine Ecke nicht klären konnte, landete der Ball erneut bei Behrendt, der aus 19 Metern trocken zum Ausgleich traf (60.). Nöthe per Kopf (62.) hatte noch eine weitere große Gelegenheit für die Gäste.

RB erholte sich nur mühsam von dem Gegentreffer und erspielte sich kaum noch zwingende Gelegenheiten. Sabitzer hatte noch die beste Chance; doch sein Distanzschuss ging am Tor vorbei (78.). Erst in der Nachspielzeit hatte Quaschner die große Chance zum Sieg, scheiterte aber an der Latte. Atinc Nukans Nachschuss ging neben das Tor (90.+3).

Ausblick
RB empfängt im Aufstiegs-Showdown vor ausverkauftem Haus den Karlsruher SC (Sonntag, 13.30 Uhr). Die Arminia hat in ihrem letzten Heimspiel der Saison zeitgleich Union Berlin zu Gast.

Statistik

RB Leipzig – Arminia Bielefeld 1:1 (1:0)

RB Leipzig: Gulácsi – Klostermann, Nukan, Compper, Halstenberg – Demme, Khedira (77. Selke) – Kaiser (C), - Forsberg (80. Bruno) – Sabitzer – Poulsen (86. Quaschner)
DSC Arminia Bielefeld: Hesl – Görlitz, Burmeister, Börner, Schuppan – Behrendt, Salger – Hemlein (87. Junglas), Ulm (72. Ryu), Nöthe – Voglsammler (46. Klos)
Tor(e): 1:0 Sabitzer (30.), 1:1 Behrendt (60.) ; Ecken: 3:4, Torchancen: 9:4
Schiedsrichter: Michael Weiner (Ottenstein, ca. 60 Kilometer von Bielefeld entfernt) Gelbe Karten: 62. Poulsen (7) / 53. Salger (8), 56. Burmeister (3) Zuschauer: 35.112 in der Red-Bull-Arena