0:1 gegen VfL Wolfsburg

0:1 gegen VfL Wolfsburg: Mario Gomez schockt RB Leipzig

Leipzig - Mario Gomez erzielte das Tor des Tages beim 0:1 seines VfL Wolfsburg gegen RB Leipzig.

Von Ullrich Kroemer
Wolfsburgs Stürmer Mario Gomez sorgte für das Tor des Tages
Wolfsburgs Stürmer Mario Gomez sorgte für das Tor des Tages imago sportfotodienst

Verkehrte Welt in Leipzig: Der Tabellenzweite der Bundesliga hat verdient gegen den abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg verloren. Die effektiveren, zielstrebigeren und präziseren Gäste gewannen durch ein frühes Tor von Mario Gomez (9.) mit 1:0 (1:0). RBL war wie beim 0:3 gegen den HSV nicht in der Lage zu reagieren – einer der schwächsten Auftritte der Leipziger in dieser Saison.

Ausgangslage

Im Duell zwischen dem Tabellenzweiten RB Leipzig und dem abstiegsgefährdeten Tabellen-15. VfL Wolfsburg scheinen die Rollen klar verteilt. Weil die Niedersachsen viel zu wenig Tore schießen (21 Treffer, nur Darmstadt erzielte weniger), steht der Vorjahres-Viertelfinalist in der Champions League in dieser Spielzeit plötzlich im Bundesliga-Tabellenkeller. Doch der neue Coach Andries Jonker will den „Wölfen” neues Selbstvertrauen verleihen. „Wir werden Respekt vor den Leipziger haben, ja", sagte der Niederländer, „aber Angst nicht!” RB werde zwar „volle Kanne auf drei Punkte spielen”, doch Jonker forderte mutig von seinem Team: „dagegenhalten und ebenfalls drei Punkte wollen”.

Hasenhüttl „legte den Finger in die Wunde” und wünschte sich von seiner Mannschaft, „wieder mal zu Null zu spielen”. Der Österreicher setzt dabei auf eine verbesserte Rückwärtsbewegung bei gegnerischen Kontern, konsequentere Verteidigung bei Standards und eine starke Startphase: „Wir wollen wieder so sehr am Rad drehen, den Gegner so sehr stressen, dass er sich das Ding so wie Köln am besten selbst reinlegt”, forderte der Trainer.

Personal

RB musste auf den gelbgesperrten Stefan Ilsanker verzichten, Kapitän Dominik Kaiser rückte dafür in die Startelf. Nach wie vor fehlten den Leipzigern auch Yussuf Poulsen und Lukas Klostermann, der nach einem kleinen Eingriff am Knie in 14 Tagen wieder ins Training auf dem Platz einsteigen soll. Die Gäste mussten ohne Torhüter Diego Benaglio (Hüftprobleme), Innenverteidiger Jeffrey Bruma (Bänderzerrung) und Philipp Wollscheid (Adduktorenzerrung) auskommen. Die Mittelfeldspieler Ismael Azzaoui (Kreuzbandriss) und Ashkan Dejagah (Muskelfaserriss) fehlten ebenfalls. Josuha Guilavogui, Paul Seguin und Christian Träsch waren zwar wieder einsatzbereit, saßen aber zunächst auf der Bank.

Fans

Das Stadion war zum neunten Mal in dieser Saison mit 42.558 Zuschauern ausverkauft. Unter den Zuschauern war erstmals auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, seit 2011 Mitglied von Dynamo Dresden. RB Leipzig hatte den Landesvater eingeladen. Die 2500 mitgereisten Wolfsburger Fans propagierten per Blockbanner „Arbeit, Fußball, Leidenschaft”. Nun ja.

Der Leipziger Anhang zeigte in dieser Partie keine Choreografie, fiel unter anderem durch Timo-Werner-Sprechchöre auf, um dem viel kritisierten Stürmer Selbstvertrauen zu geben.

1. Halbzeit 

RB-Trainer Hasenhüttl hatte sich einen stürmischen Beginn seines Teams gewünscht – und endlich mal wieder ein Spiel ohne Gegentor. Beide Ziele waren bereits nach neun Minuten passé. RB startete seltsam unsicher in die Heimpartie, leistete sich zahlreiche Fehlpässe im Spielaufbau. Bis auf einen viel zu ungenauen Distanzschuss von Marcel Sabitzer (8.) und einen Flatterball von Diego Demme (15.) hatte Wolfsburgs Keeper Koen Casteels nicht viel zu tun.

Wolfsburg agierte dagegen präziser, zielstrebiger und effektiver. Nach Yannick Gerhardts Schuss in der Startphase (2.) nutzten die Gäste gleich die zweite Gelegenheit. Nach einem Ballverlust im Mittelfeld ließ sich die Leipziger Abwehr zu leicht überspielen. Wie bereits in Augsburg war die Restfeldverteidigung nicht optimal. So rutschte Marcel Halstenberg am Ball vorbei, sodass Daniel Didavi von der rechten Außenbahn durch die Beine seines Gegenspielers Marvin Compper auf Torjäger Mario Gomez servieren konnte, der zur frühen Führung traf (9.).

Auch danach taten sich die Hausherren in den ersten 45 Minuten weiter schwer damit, gefährliche Szenen zu kreieren. Eine verzogene Flanke von Timo Werner auf Emil Forsberg bei einer vielversprechenden Kontersituation blieb die beste Szene für Rasenballsport (39.). Gegen die gut sortierten Viererketten fanden die Rot-Weißen kaum spielerische Mittel.

Wolfsburg agierte robust, clever und überlegen, hatte durch Yunus Malli eine weitere hochkarätige Torgelegenheit. Doch der Ex-Mainzer – im Strafraum herrlich von Gomez freigespielt – schoss nur neben den Kasten von Peter Gulacsi (30.).

2. Halbzeit

Passend zur dürftigen Form seiner Kollegen gab der gelbgesperrte Stefan Ilsanker in der Halbzeitpause am Stadionmikrofon mit versteinerter Miene seine Einschätzung zu den ersten 45 Minuten ab. Der robuste Ilsanker, der auf der Tribüne mitfieberte und den RB in diesem Spiel schmerzhaft vermisste, sagte: „Ich muss aufpassen, dass ich da oben keinen niedergrätsche, aber die Jungs packen das auch ohne mich heute.”

Fast verwundert analysierte Ilsanker: „Wolfsburg ist eigentlich keine Truppe, die über den Kampf kommt – aber das ist Abstiegskampf. Es ist brutal hart heute, und der Schiedsrichter trägt seinen Teil dazu bei. Ich hoffe, dass er in der zweiten Hälfte seine Linie findet.” Weil der junge Referee Benjamin Brand einige umstrittene Entscheidungen bei Fouls und Gelben Karten getroffen hatte, brachte das „Ilse” Applaus ein.

Als hätte Ilsankers Wunsch, das Spiel noch zu drehen, seine Kollegen motiviert, legten die Leipziger nach Wiederanpfiff zunächst leidenschaftlicher und gefährlicher als in den ersten 45 Minuten los. Timo Werner schoss aus halbrechter Position zwar nur über den Kasten (49.), doch die Hasenhüttl-Elf agierte in den ersten Minuten zwingender als zuvor.

Die größeren Chancen – gleich drei in Folge – hatten allerdings wieder die leichtfüßigeren und durch den Trainerwechsel offensichtlich befreiten Niedersachsen, als Didavi zunächst per Distanzschuss den Pfosten traf und dann im Nachschuss den überraschten Gulacsi, ehe Gomez nochmals abzog, Gulacsi die Kugel jedoch endlich sichern konnte (53.).

Das Spiel wogte danach hin und her, RB hatte zwar mehr Ballbesitz (etwa 55 Prozent), der Tabellenzweite war auch drückender als in der ersten Hälfte, aber konnte auch mit den eingewechselten Palacios Martinez, Upamecano und Burke nicht überzeugen. Ähnlich wie beim 0:3 gegen den HSV entstand der Eindruck, dass Rasenballsport an diesem Nachmittag kein Tor mehr erzielen würde. Sabitzer vergab die aussichtsreichste Gelegenheit im Strafraum mit einem Schuss in die Arme von Casteels (73.). Alles in allem ein Nachmittag, an dem dem glücklosen Aufsteiger anzumerken war, was in Richtung Saisonende auf dem Spiel steht.

Ausblick

Die grün-weißen Wochen gehen weiter: Am kommenden Samstag (15.30 Uhr) tritt RB Leipzig beim SV Werder Bremen an. Der VfL Wolfsburg muss zeitgleich daheim im Duell der Abstiegskandidaten gegen Tabellenschlusslicht SV Darmstadt 98 bestehen.

RB Leipzig - VfL Wolfsburg 0:1 (0:1)

RB Leipzig: Gulacsi – Schmitz (68. Upamecano), Orban, Compper, Halstenberg – Keita, Demme – Kaiser (46. Palacios), Forsberg (73. Burke) – Werner, Sabitzer.
VfL Wolsburg: Casteels - Blaszczykowski, Gerhardt, Knoche, Rodriguez (44. Guilavogui) - Luiz Gustavo, Bazoer (63. Seguin) - Didavi (82. Vierinha), Arnold, Malli - Gomez.
Tor(e): 0:1 Gómez (9., Didavi);
Torchancen: 6:7; besondere Vorkommnisse: -; Eckenverhältnis: 7:3;
Schiedsrichter: Benjamin Brand (Bamberg); Gelbe Karten: Schmitz (14.), Orban (19.), Keita (33.) / Luiz Gustavo (21.), Gerhardt (73.), Gomez (78.) Seguin (89.); Zuschauer: 42.558 Zuschauer in der Red-Bull-Arena Leipzig (ausverkauft). (mz)