MBC-Trainer Jovovic im Interview MBC-Trainer Igor Jovovic im Interview: "Wir können stolz sein"

Weißenfels - Hinter Igor Jovovic liegen 16 Partien, die zu den anspruchsvollsten seiner Karriere als Basketball-Trainer gehörten. In seiner Heimat Montenegro war er Serienmeister und führte sein Team international zum Erfolg, auch in seiner ersten Saison beim Mitteldeutschen Basketball Club (MBC) gab es viel zu jubeln, am Ende stand der Aufstieg.
Doch die Zeit in der höchsten deutschen Spielklasse brachte für den jüngsten Bundesliga-Trainer neue Herausforderungen. Vor dem Spiel am Sonntag in Leipzig gegen den FC Bayern München sprach Daniel George mit Jovovic.
Herr Jovovic, haben Sie sich schon an das Verlieren gewöhnt?
Igor Jovovic: Auf keinen Fall. Daran werde ich mich nie gewöhnen. Zumindest nicht in dem Sinne, dass ich die Niederlagen akzeptiere. Aber ich weiß sehr wohl, in welcher Situation sich der MBC befindet und mit welchen Möglichkeiten hier gearbeitet wird. Trotzdem sind manche Niederlagen hart zu verdauen. Zum Beispiel zuletzt gegen Oldenburg und Jena, da hätten wir auch gewinnen können.
Das muss ein komisches Gefühl für Sie sein. In den vergangenen Jahren haben Sie sich mit ihren Teams immer mehr Siege als Niederlagen erspielt.
Stimmt, das ist jetzt schon ein Unterschied. Ich sehe das aber als Herausforderung und nicht als etwas Negatives. Wenn wir realistisch sind, stehen wir gemessen an unseren Möglichkeiten mit fünf Siegen zum jetzigen Zeitpunkt sehr gut da. Wir haben mit Topmannschaften wie Alba Berlin, Ludwigsburg, Oldenburg oder Frankfurt lange mitgehalten und hätten sogar gewinnen können. Wer die Dinge negativ betrachten will, sieht dann natürlich nur, dass wir am Ende die mögliche Siegchance oft aus der Hand gegeben haben. Aber überhaupt so lange am Leben zu bleiben, ist für uns gegen solche Teams ein großer Erfolg.
Was war sportlich die größte Herausforderung?
Als wir zwischenzeitlich fünf Spiele in Folge verloren haben, mussten wir anschließend eine Reaktion zeigen. Und die haben wir gezeigt, indem wir dann gegen Braunschweig und Bremerhaven gewonnen haben. Zwei direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Wir haben fokussiert trainiert. Wir haben an uns geglaubt. Großartig, wie die Mannschaft mit diesem Druck umgegangen ist.
Die Mannschaft ist in einem großen Lernprozess.
Definitiv. Wir haben im Sommer keine Stars verpflichtet. Das war bei unseren finanziellen Möglichkeiten nicht drin. Unsere Jungs sind größtenteils unerfahren. Jetzt durchlaufen sie die Schule der BBL. Und keine gute Ausbildung ist umsonst, oder? Also müssen wir unseren Preis bezahlen in Form von Niederlagen. Aber wir werden auch belohnt.
Indem sich die Spieler entwickeln und Siege einfahren.
Genau. Ich weiß, dass ich viel von den Jungs verlange und alles aus ihnen herauspresse. Zweimal am Tag so intensiv zu trainieren, sich so detailliert auf die Gegner vorzubereiten, das ist für manche von ihnen neu. Aber das ist notwendig, damit wir wettbewerbsfähig sein können. Und sie ziehen toll mit. Ich bin sehr zufrieden, wie viel Energie sie investieren. Wäre das nicht der Fall, hätten wir noch keine fünf Siege auf dem Konto. Wir können stolz sein.
Die Erwartungshaltung bei manchen Fans scheint allerdings noch größer zu sein.
Diesen Eindruck habe ich manchmal auch. Dazu haben wir aber auch unseren Teil beigetragen. Wenn die Partien so knapp sind, erwarten die Leute natürlich auch, dass wir am Ende gewinnen. In der vergangenen Saison haben wir unsere Fans mit den vielen Siegen auch verwöhnt. Aber das ist jetzt ein anderes Level. Eines können wir aber jedem Fan versichern: Wir wollen die Siege noch viel mehr als sie.
Wie sehen Sie der zweiten Saisonhälfte entgegen?
Wir haben noch 18 Partien. Und angesichts unserer Leistungen der vergangenen Wochen können wir vor jedem Spiel in den Spiegel sehen und uns sagen, dass wir das packen können. Wir haben eine gute Position, drei Siege mehr als Bremerhaven, das Team auf dem ersten Abstiegsplatz, und vier Siege mehr als Schlusslicht Tübingen. Aber sie wollen nach oben. Wir dürfen nicht schlafen und müssen so hart arbeiten, als wären wir diese Mannschaft, die ganz unten steht.
Am Sonntag treten Sie in der Arena Leipzig gegen den FC Bayern München und dessen Trainer Sasa Djordjevic (50 Jahre alt) an. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit ihm?
Er war einer der Helden meiner Kindheit. 1992 hat er mit Belgrad die Euroleague gewonnen, 1995 dann mit Jugoslawien in Athen die Europameisterschaft. Seine Leistung im Finale gegen Litauen war atemberaubend: 41 Punkte, neun von zwölf Dreiern. Er war einer der besten Aufbauspieler überhaupt. Ich habe großen Respekt vor dem, was er als Spieler und auch als Trainer geleistet hat.
Wie wollen Sie ihn und die Bayern schlagen?
Viel hängt von München ab. Wenn sie mit ihrem großartigen Team ihr Maximum spielen, wird es sehr schwer für uns. Aber wenn sich eine Chance bieten sollte, müssen wir da sein.
MBC gegen Bayern München in Leipzig: Große Kulisse wird erwartet
Der MBC rechnet für das „Heimspiel“ auf fremdem Parkett am Sonntagnachmittag gegen den FC Bayern München mit einer großen Kulisse: Mehr als 4.000 Tickets wurden bereits verkauft. Am Sonntag wird für den Aufsteiger also ein neuer Saison-Zuschauerrekord aufgestellt.
Neben dem Spiel gegen den Tabellenführer der Basketball-Bundesliga werden den Fans weitere Höhepunkte geboten. So soll es in den Pausen eine Dunkingshow geben. Die Partie steht unter dem Motto „Care for Climate“, soll auch für den Klimaschutz sensibilisieren.
(mz)
