RB Leipzig

RB Leipzig: 3:2 - Rangnick-Elf gewinnt Spektakel gegen Nürnberg

Leipzig - Erlösender Applaus in der Red-Bull-Arena: RB Leipzig hat den 1. FC Nürnberg mit 3:2 (3:0) geschlagen. Dass die Leipziger Fans und Verantwortlichen zum Ende dieses Spiels noch einmal zittern mussten, hatte lange keiner geglaubt. Denn RB begann effektiv und wie entfesselt, führt nach einer guten Viertelstunde mit 3:0. Doch die durch eine Rote Karte in der 7. Minute dezimierten Gäste standen in der zweiten Hälfte wieder auf und hatten den Ausgleich auf dem Fuß. Aus der vermeintlichen Torgala wurde eine ...

Von Ullrich Kroemer

Erlösender Applaus in der Red-Bull-Arena: RB Leipzig hat den 1. FC Nürnberg mit 3:2 (3:0) geschlagen. Dass die Leipziger Fans und Verantwortlichen zum Ende dieses Spiels noch einmal zittern mussten, hatte lange keiner geglaubt. Denn RB begann effektiv und wie entfesselt, führt nach einer guten Viertelstunde mit 3:0. Doch die durch eine Rote Karte in der 7. Minute dezimierten Gäste standen in der zweiten Hälfte wieder auf und hatten den Ausgleich auf dem Fuß. Aus der vermeintlichen Torgala wurde eine Zitterpartie.

Ausgangslage
Für beide Teams ging es im Verfolgerduell darum, den Abstand zur Spitzengruppe nicht zu groß werden zu lassen. Mit jeweils 14 Punkte waren beide Teams vor der Partie bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Vor allem RB war nach drei Unentschieden in Serie in der Pflicht. Dementsprechend offensiv formulierte Stürmer Davie Selke: „Wir wollen den zweiten Heimsieg holen.”

Personalien
Comeback für Marvin Compper: Der lange an der Kniescheibe verletzte Innenverteidiger durfte seine erste Partie dieser Spielzeit absolvieren. Der Routinier hatte sein letztes Zweitligaspiel in der Vorsaison am 24. Mai gegen Greuther Fürth absolviert. Für ihn rückte Youngster Lukas Klostermann auf die Rechtsverteidigerposition, wo er Georg Teigl verdrängte. Dazu durfte im Vergleich zum 2:2 bei 1860 München Mittelfeldmotor Diego Demme wieder auf der Sechser-Position ran. Kapitän Dominik Kaiser begann dafür im zentralen Mittelfeld. Yussuf Poulsen hatte sich im Training den Gesäßmuskel gezerrt und musste zunächst auf der Bank Platz nehmen. Emil Forsberg fehlte wegen einer Muskelverletzung.” Bei den Gästen aus Nürnberg stand der zuletzt verletzte Torhüter Raphael Schäfer wieder im Kasten und hatte gleich reichlich zu tun.

Fans
Stimmungsvolle Kulisse im Leipziger Stadion: 28.987 Zuschauer wollten die Partie am Sonntagnachmittag sehen. Zur guten Atmosphäre trugen auch die gut 2000 mitgereisten Gästefans bei, die ihren Block etwa 20 Minuten vor Anpfiff geschlossen und mit wehenden rot-schwarzen Fahnen betraten – ein stimmungsvolles Bild. Die RB-Fans antworteten mit: „Hier regiert der RBL.” Was sich kurz darauf auf dem Rasen auch bestätigte. Übrigens: Die FCN-Anhänger unterstützten ihre Mannschaft auch noch, als das Team in der ersten Hälfte unterging – mit wehenden Fahnen.

Spielverlauf und Analyse
Denn die Hausherren ließen zu Beginn keine Zweifel daran, dass sie die Punkte in Leipzig behalten wollten. Gleich die erste schöne Aktion brachte Gefahr: Massimo Bruno spielte einen perfekt getimten Pass in den Lauf von Stürmer Davie Selke, der in der Strafraum zog und von dem Österreicher Georg Margreitter umgerissen wurde (7. Minute) – berechtigter Elfmeter für RBL. Dass Margreitter auch noch die Rote Karte sah, mag regelkonform sein, da Selke letzter Mann war. Doch die Doppelbestrafung war auch in diesem Fall wieder einmal zu hart. Rasenballsport war es freilich recht; Kapitän Kaiser schnappte sich die Kugel und verwandelte den Strafstoß sicher (8.).

Derart mit Selbstvertrauen ausgestattet nutzte das Team von Trainer Ralf Rangnick den Überraschungsmoment optimal und spielte sich in den folgenden zehn Minuten in einen Torrausch. Die Gastgeber spielten sich direkt und schnörkellos mit wenigen Ballkontakten bis vor das Tor der „Clubberer”. Wenige Minuten nach dem Führungstreffer wurde Lukas Klostermann in den Strafraum geschickt. Der Youngster ließ sich nicht abdrängen, stieß bis zur Grundlinie vor und passte auf Selke, der blitzschnell reagierte, vor seinem Gegenspieler an den Ball kam und aus fünf Metern einnetzte (11.)

RB stand nun mit allen Feldspielern in der Nürnberger Hälfte und führte den „Club” regelrecht vor. Selke wäre bereits in der 13. Minute um ein Haar erneut gefährlich in Szene gesetzt worden und nutzte kurz darauf die Konfusion in der Nürnberger Abwehr. Nach einem verunglückten Abwehrversuch zog der Ex-Bremer aus 20 Metern ab. Der Ball prallte vom linken Außenpfosten ins Tor – Selkes sechster Saisontreffer und erster Doppelpack im Trikot von RB Leipzig.

RB bestimmte auch nach dem frühen dritten Treffer für Nürnberg weiter die Partie, hätte etwa durch Willi Orban (30.) erhöhen können. Doch der Kopfball des Innenverteidigers flog knapp über den Kasten. Nürnberg wirkte überfordert, agierte in der Defensive fahrig und gab in den ersten 45 Minuten keinen einzigen Schuss aufs Tor ab.

Die Partie kippt

In der zweiten Hälfte drückten die wie entfesselt aufspielenden Leipziger weiter gnadenlos auf den nächsten Treffer. Nur mit Mühe kratzte FCN-Keeper Schäfer einen Distanzschuss von Compper aus 35 Metern Torentfernung aus dem Winkel (53.). Kurz darauf jubelte Marcel Halstenberg über sein vermeintliches Traumtor per Fallrückzieher. Doch Referee Christian Dingert pfiff das potenzielle Tor des Monats wegen gefährlichen Spiels ab (56.).

Danach kippte die Partie: Nürnberg nutzte seine bis dato einzige gefährliche Gelegenheit des Spiels und verkürzte auf 1:3. Nach einem Freistoß von Kevin Möhwald aus halblinker Position verlor Compper sein Kopfballduell gegen den eingewechselten Dave Bulthuis (62.). Nürnberg kam nun etwas besser ins Spiel, auch weil RB etwas nervös wurde, da der vierte Treffer nicht gelang. So führte erneut ein Freistoß aus ganz ähnlicher Position wie beim 1:3 zum zweiten Gästetreffer. Der gerade eingewechselte Niklas Füllkrug ließ die RB-Defensive erneut alt aussehen und nickte zum 2:3 ein (76.). Das Spiel stand nun Kopf, die Leipziger Abwehr wankte und Nürnberg hatte zwei riesige Möglichkeiten zum Ausgleich durch Füllkrug (78.) und Hanno Behrens (80.). Plötzlich war das Spiel wieder völlig offen. Der eingewechselte Yussuf Poulsen hätte auf der anderen Seite für die Gastgeber alles klar machen können (70., 81.). Doch so drückten die Gäste und hatten den dritten Torschrei auf den Lippen. Doch Referee Dingert gab den vermeintlichen dritten Treffer durch Füllkrug in der Nachspielzeit wegen Abseitsposition nicht.   

Ausblick
Nach der Länderspielpause und dem Gastspiel der deutschen Nationalmannschaft in Leipzig muss RB am Sonntag in zwei Wochen auswärts bei Tabellenführer VfL Bochum antreten (18.10., 13.30 Uhr). Nürnberg bekommt es daheim mit dem FSV Frankfurt zu tun (17.10., 13 Uhr). (mz)

Statistiken: 

RB Leipzig: Coltorti – Klostermann, Compper (85. Compper), Orban, Halstenberg – Ilsanker, Demme  – Kaiser (C), Sabitzer, Bruno (61. Poulsen) – Selke (61. Quaschner)
1. FC Nürnberg: Schäfer – Brecko (87. Polak), Hovland, Margreitter, Sepsi (35. Bulthuis) – Behrens, Leibold – Schöpf, Möhwald, Burgstaller – Blum (72. Füllkurg)
Tore: 1:0 Kaiser (8., Foulelfmeter, Selke), 2:0 Selke (11., Klostermann), 3:0 Selke (16.), 3:1 Bulthuis (62., Möhwald), 3:2 Füllkrug (76., Möhwald)
Eckenverhältnis: 6:1, Chancen: 8:4
Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)
Gelbe Karten: Selke (2), Bruno (1), Sabitzer (1), Orban (1) - Burgstaller (3), Schöpf (1), Rote Karte: Margreitter (7., Nürnberg/Notbremse an Selke)
Zuschauer: 28.987 in der Red-Bull-Arena in Leipzig