Nach RB Leipzigs 1:1 bei Union Berlin

Nach RB Leipzigs 1:1 bei Union Berlin: Ein Punkt für das Selbstvertrauen

Berlin/Leipzig - Gefühlter Gewinner oder mentale Niederlage? Ein gewonnener Punkt oder zwei verlorene Zähler? Ist das Glas nach dem 1:1 im brisanten Schlüsselspiel bei Union Berlin halb voll oder halb leer? RB Leipzigs Spieler wussten direkt nach dem ungleichen Ostduell selbst nicht so recht, wie sie das Remis einordnen ...

Von Ullrich Kroemer

Gefühlter Gewinner oder mentale Niederlage? Ein gewonnener Punkt oder zwei verlorene Zähler? Ist das Glas nach dem 1:1 im brisanten Schlüsselspiel bei Union Berlin halb voll oder halb leer? RB Leipzigs Spieler wussten direkt nach dem ungleichen Ostduell selbst nicht so recht, wie sie das Remis einordnen sollten.

„Wir haben uns noch mehr vorgenommen, wollten mit drei Punkten nach Hause fahren. Das hätten wir auch verdient gehabt, weil wir über 90 Minuten die bestimmende Mannschaft waren”, sagte Sechser Rani Khedira. Sein Kollege Nils Quaschner, der das Eigentor von Unions Michael Parensen erzwungen hatte, wertete hingegen: „Wir nehmen einen gewonnenen Punkt mit nach Hause.” Und Routinier Fabio Coltorti analysierte: „Wir haben gut gespielt, sind aber nicht belohnt worden. Aber da der Ausgleich so spät gefallen ist, können wir das Spiel mit einem lachenden Auge betrachten. Wir hätten auch verlieren können.”

Natürlich, der Ausgleich für die Leipziger war erst in der 83. Minute durch den von Parensen abgefälschten Ball gefallen. Andererseits hatte RB die gesamte Partie hinweg dominiert, sich auch durch die erst schweigende, dann ohrenbetäubende Kulisse nicht aus dem Konzept bringen und mutig weiter gespielt. Angesichts von 67 Prozent Ballbesitz sagte RBL-Trainer Ralf Rangnick zu Recht: „Wir sind fast im Stile eines Heimteams aufgetreten. Das einzige geradezu Groteske war der Spielstand zur Halbzeit.”

Spielerisch, da waren sich Protagonisten und Beobachter einig, war das Remis im Stadion an der Alten Försterei ein Schritt nach vorn. „Im Spiel mit dem Ball war das unsere beste Saisonleistung”, sagte der kämpferisch starke Khedira. Im Gegensatz zum Auftritt gegen St. Pauli dominierte Rasenballsport nicht nur ein Viertel des Spiels, sondern die gesamte Begegnung hinweg. Doch daran, dass aus der Überlegenheit kaum Torchancen resultierten, muss das Leipziger Millionenteam arbeiten.

Nur drei Torschüsse

Ganze drei Torschüsse stehen für RBL in der Spielstatistik. In der ersten Hälfte hatten die Gäste gar keine echte Chance; in den zweiten 45 Minuten bis zum Ausgleich immerhin durch die eingewechselten Emil Forsberg (54.) und Zsolt Kalmar per gefährlichem Freistoß (71.) zwei Gelegenheiten.

Erleichterter als der Großteil seiner Spieler war Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick. Der 57-Jährige trat nach den bisherigen Partien als größter Kritiker seines Teams auf. Bei der Pressekonferenz in der Wuhlheide bekannte Rangnick: „Natürlich hat der späte Ausgleich gut getan. Die Mannschaft hat auch in den letzten sieben Minuten nach dem Treffer auf Sieg gespielt und wollte gewinnen. Da muss man damit auch mal zufrieden sein.“

Rangnick verschafft die Leistung in der Wuhlheide einerseits Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein; und andererseits etwas Ruhe, in der Länderspielpause ungestört mit der Mannschaft arbeiten zu können.  Als er nach der Partie die Kabine betreten hatte, habe er den enttäuschten Ehrgeiz seines Teams gespürt, das dieses Spiel unbedingt noch gewinnen wollte. „Das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft sich entwickeln wird und sich auch die Ergebnisse einstellen werden.” Der spiritus rector des Red-Bull-Klubs sagte: „Wir sind da ganz entspannt und ruhig.” Doch mit nun acht Zählern aus fünf Spielern liegt RB unter dem angepeilten Zwei-Punkte-Schnitt, der für den Aufstieg nötig ist. Es bleibt also weiterhin viel zu tun für Rangnick und sein Team. Vielleicht zeigt erst die kommende Partie gegen den SC Paderborn in 14 Tagen was der Punkt bei Union Wert ist.