Kommentar zur BVB-Strafe

BVB-Strafe: Wieso das DFB-Urteil zu hart, die Reaktion aber richtig ist

Halle (Saale) - MZ-Sportchef Christian Elsaeßer findet das Urteil gegen den BVB zu hart, hält die Reaktion des Vereins aber für vernünftig.

Von Christian Elsaesser
Die leere Dortmunder Südtribüne.
Die leere Dortmunder Südtribüne. imago sportfotodienst

Das Urteil ist knallhart ausgefallen. Keine Frage: Borussia Dortmund muss seine Südtribüne, die sogenannte gelbe Wand, beim kommenden Heimspiel schließen. Knapp 25.000 Fans werden das Spiel gegen den VfL Wolfsburg nicht im Stadion miterleben können. Dazu kommen 100.000 Euro Geldstrafe.

Ganz schön heftig, wenn man sich überlegt, dass sich dieses Urteil ja „nur“ an den üblen Plakaten einiger BVB-Anhänger gegen RB Leipzig abarbeitet, die Ausschreitungen mit zehn Verletzten vor der Arena hier aber nicht einmal eine Rolle spielten.

Wieso die Begründung des BVB schlau ist

Umso erstaunlicher mag es auf den ersten Blick sein, dass der Verein dem Urteil am Montag ohne weiteren Kampf zugestimmt hat. Doch in der Begründung fand sich fast versteckt auch dieser Satz: „Wir sehen die Gefahr, dass die Ablehnung des Strafantrages oder von Teilen seiner Inhalte durch den BVB als mangelnde Einsicht des Klubs in das krasse Fehlverhalten von Teilen der Fans fehlinterpretiert werden könnte. Dieser Eindruck wäre fatal!“

Diese Reaktion des Vereins ist schlau und spricht für sich, sie könnte eine Blaupause für andere Klubs sein. Und vielleicht sogar mehr als nur für Fußballvereine. Denn worum geht es hier eigentlich?

Provokationen übertönen die Stimme der Vernunft

Am Ende waren diese Plakate vor allem eines: eine bewusste Provokation. Eine Provokation, wie man sie auch am Wochenende von Fans des FC St. Pauli über die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg erlebt hat. Provokationen, wie sie inzwischen in Sozialen Medien fast schon Gewohnheit sind. Wie sie nicht zuletzt durch die AfD sogar in der politischen Auseinandersetzung inzwischen mehr und mehr Raum greifen.

Ob Sport, Internet oder Politik - das Muster ist dabei immer ähnlich. Es ist eine kleine Gruppe von Handelnden, die in ihrer Lautstärke die Anständigen aber oft übertönt. Denn öffentlicher, auch medialer Widerhall ist ja geradezu garantiert.

Der Umgang mit solchen Grenzüberschreitungen wird mehr und mehr zu einer gesellschaftlichen Gretchenfrage. Und genau deshalb sollte das Beispiel Borussia Dortmund, dem Fall nicht noch größere Tragweite zu geben, Schule machen. Schlimm genug, dass das Beleidigen oder Erniedrigen anderer Menschen überhaupt so viel Echo erhält. Deshalb war es vernünftig, diesem harten Urteil zuzustimmen.

Aufruf an die friedlichen BVB-Fans

Denn es kommt ja noch etwas hinzu: Dieses Urteil kann man in seiner Härte auf gewisse Weise ja auch als Provokation sehen. Als Aufruf an die weit über 20.000 friedlichen Fans der Südtribüne, die hier in Sippenhaft genommen worden sind. Die haben schon unter der Woche beim Pokalspiel gegen Hertha BSC Berlin ihren Protest gegen die Plakate des Leipzig-Spiel vorgetragen. Und genau darum geht es doch: Dass sich die große Zahl Anständiger Gehör verschafft.

Das ist schon auf einer 25.000-Mann-Fantribüne in einem Fußball-Stadion mit ihren vielen Strömungen und Einzelgruppierungen eine Herkulesaufgabe. Sie ist noch viel gewaltiger, wenn es um das grundsätzliche gesellschaftliche Miteinander geht.