1:1 gegen Union Berlin

1:1 gegen Union Berlin: Eigentor rettet RB Leipzig einen Punkt

Berlin - Verdienter Punkt für RB Leipzig: Die Sachsen bestimmten die Partie bei Union Berlin, schafften jedoch erst in der Schlussphase den Ausgleich. Zu wenig, angesichts der starken Partie der Elf von Trainer Ralf Rangnick in dem brisanten ...

Von Ullrich Kroemer

Verdienter Punkt für RB Leipzig: Die Sachsen bestimmten die Partie bei Union Berlin, schafften jedoch erst in der Schlussphase den Ausgleich. Zu wenig, angesichts der starken Partie der Elf von Trainer Ralf Rangnick in dem brisanten Duell.

Ausgangslage

Für beide Teams war in dieser Partie ordentlich „Druck auf dem Kessel”, wie es RBL-Chefcoach Ralf Rangnick formulierte. Der 1. FC Union Berlin ging mit der Bürde von nur drei Punkten aus vier Spielen als Tabellen-13. in das Kontrastduell. Und auch für den Tabellensechsten RB Leipzig war die Begegnung nach der ersten Saisonniederlage gegen St. Pauli am Sonntag wegweisend. In der Vorsaison hatte Union den Leipzigern mit einem 2:1-Sieg an der Alten Försterei die erste Niederlage der jungen Vereinsgeschichte in der 2. Liga beigebracht. Im Rückspiel hatten sich die „Roten Bullen“ mit einem 3:2-Erfolg daheim revanchiert.

Personalien

RB Leipzigs Cheftrainer dokumentierte seine Unzufriedenheit über die letzte Niederlage auch durch seine auf vier Positionen veränderte Startaufstellung. Für den zuletzt schwachen Linksverteidiger Anthony Jung rückte Lukas Klostermann ins Team. Statt Emil Forsberg durfte Stürmer Yussuf Poulsen wieder von Beginn an ran und nahm im 4-2-2-2-System überraschend die Position hinter den Spitzen neben Massimo Bruno ein. Da der etatmäßige Sechser Stefan Isanker für den verletzten Tim Sebastian auf der Innenverteidiger-Position begann und Kapitän Dominik Kaiser erkrankt fehlte, bot Rangnick mit Diego Demme und Rani Khedira ein komplett neues Sechser-Duo auf.

Fans

Da sie bei Kiezklub Union, wo sich die Fans auf die Tradition der Maschinenschlosser aus Oberschöneweide aus den 1920ern berufen, nicht viel mit 2009 gegründeten Marketingklubs anfangen können, war der Protest gegen den Red-Bull-Verein aus Leipzig auch in diesem Jahr besonders deftig. Zu Nina Hagens Vereinshymne dokumentierten die Unioner Hardcorefans auf neun Bannern, was sie an ihrem Kultklub schätzen. Mit weißer Schrift auf schwarzem Grund stand da unter dem Motto „Das höchste Gut der Fans ist die Mitbestimmung!” zu lesen: „Gewollte Mitsprache”, „Fans in Vereinsgremien”, „Stadionteilhabe”, „Publikationsfreiheit”, „Mitgliederversammlung”, „Kommunikation auf Augenhöhe”, „kreativen Spielraum lassen”, „Fan- und Mitgliederabteilung”.

Die komplett in Rot erschienenen Union-Anhänger hatten sich vorgenommen, die ersten 15 Minuten des Spiels aus Protest zu schweigen und hielten das auch durch. Das Ende der Viertelstunde zählten die Anhänger im Countdown herunter und begannen mit ohrenbetäubenden Schlachtrufen. In Hälfte zwei plakatierten die Berliner: „Die Bewegung muss den Bullen reizen, bis er zum erliegen kommt. Am Ball bleiben Fans und Ultras!” Aus Leipzig waren etwa 1500 Unterstützer mit in die Wuhlheide gereist, die die Schweige-Viertelstunde komplett durchsangen. Dem Protest hielten sie ironisch entgegen: „2292 Tage Fußballtradition”.

Spielverlauf und Analyse

Die erste Chance des Spiels gehörte den Gastgebern. Neuzugang Bobby Wood spitzelte den Ball nur knapp am Tor von Ersatzkapitän Fabio Coltorti vorbei (7. Minute). RB begann präsent und kam erstmals in der 12. Minute gefährlich vor das Tor der Hausherren, als Massimo Bruno eine schöne Hereingabe von Davie Selke deutlich über das Tor schoss. Doch obwohl RB spielerische Vorteile hatte, fing sich die Rangnick-Elf erneut ein frühes Gegentor nach einer Unachtsamkeit. Der Treffer zum 1:0 (25.) durch Union-Stürmer Sören Brandy resultierte aus einer einstudierten Standardsituation der Rot-Weißen.

Weder Yussuf Poulsen, noch Lukas Klostermann konnten ihren Gegenspieler Michael Parensen stoppen, der per Kopf auf Brandy vorlegte, der ebenfalls mit einem Kopfball einnetzte. RB blieb zwar dominant, kombinierte teilweise sehenswert und ließ sich in seinem Spielfluss durch den Gegentreffer nicht aus dem Konzept bringen. Doch die Leipziger zogen aus ihren 70 Prozent Ballbesitz bis zur Pause kaum Torgefahr und kreierten in den ersten 45 Minuten viel zu wenig zwingende Torgelegenheiten. Union beschränkte sich auf konsequente Abwehrarbeit und versuchte mit Kontern gefährlich zu werden.

Zu Beginn von Hälfte zwei wurde der Schlagabtausch beider Mannschaften offener. Zunächst erzwangen die leidenschaftlich kämpfenden Unioner einige gefährliche Situationen; in der 54. Minute hatte sich RB endlich einmal zum Torabschluss durchkombiniert. Doch der für Poulsen eingewechselte Emil Forsberg scheiterte an Union-Schlussmann Daniel Haas. In der 71. Minute verhinderte abermals Haas den Ausgleich, als er einen fein gezirkelten Freistoß des Ungarns Zsolt Kalmar parierte. Kurz darauf wurden die Sachsen dann endlich für ihren Aufwand belohnt. Eine Hereingabe von Kalmar beförderte Unions Unglücksrabe Parensen vor dem einschussbereiten Nils Quaschner ins eigene Tor – der verdienten Ausgleich (83.) für die Gäste.

Ausblick

Nach dem Ostduell haben beide Teams in der Länderspielpause genügend Gelegenheit, die intensive Partie aufzuarbeiten. RB testet am kommenden Freitag in Markranstädt gegen einen noch unbekannten Gegner und muss dann in 14 Tagen in der 2. Liga gegen Bundesliga-Absteiger SC Paderborn ran (Freitag, 18.30 Uhr). Der 1. FC Union Berlin muss am Samstag in zwei Wochen beim Karlsruher SC ran.