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Sprachen lernen Weniger Teilnehmer am Polnisch-Unterricht in den Schulen

Nach Jahren der steigenden Nachfrage nach Polnischunterricht an den Schulen Brandenburgs ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler zurückgegangen. Lernen tun viele nun woanders.

Von dpa 05.04.2025, 11:30
An den Brandenburger Schulen geht die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die Polnisch lernen, zurück. (Symbolbild)
An den Brandenburger Schulen geht die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die Polnisch lernen, zurück. (Symbolbild) picture alliance / Jens Büttner/Zentralbild/dpa

Potsdam - Mehr als zehn Jahre lang stieg die Nachfrage nach Polnisch als Fremdsprache in den Schulen Brandenburgs - doch das scheint vorbei. Für das laufende Schuljahr meldeten sich nur 2.884 Schülerinnen und Schüler für die Fremdsprache unseres Nachbarlandes an - 110 weniger als ein Jahr zuvor. Auch die Zahl der Schulen, die polnischen Unterricht anbieten, ging von 39 auf 34 zurück.

Der Rückgang beim Unterrichtsfach Polnisch deutete sich bereits bei den Anmeldungen für das Schuljahr 2023/2024 an. Doch lediglich sechs Jungen und Mädchen weniger als im Schuljahr zuvor fielen noch nicht ins Gewicht.

34 Schulen Brandenburgs bieten Polnisch an

Gelernt werden kann Polnisch in Brandenburg derzeit an zwölf Oberschulen, neun Gymnasien, sechs Gesamtschulen, fünf Grundschulen und zwei beruflichen Schulen. Eine Schule kann die Sprache mehrmals anbieten, als Pflichtfach, Wahlunterricht, in Arbeitsgemeinschaften oder als Begegnungssprache.

Als Muttersprache wird Polnisch vor allem Kindern aus Familien angeboten, die zu Hause Polnisch sprechen. Durch die anhaltende Zuwanderung wurden Polen die größte Ausländergruppe in Brandenburg. Das änderte sich auch nicht durch die Zuwanderung aus der Ukraine als Folge des russischen Angriffskrieges.

Ende 2023 waren nach zuletzt vorliegenden Zahlen 25.853 Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit in Brandenburg wohnhaft gemeldet. Das waren knapp 1.400 mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der polnischen Kinder unter 15 Jahren stieg im Jahresvergleich um etwas mehr als 100 auf 3.279. 

Wenige Honorarkräfte für Polnisch

Das Bildungsministerium Brandenburgs kann sich den Rückgang der Schülerzahlen im Unterrichtsfach Polnisch nicht gesichert erklären. „Möglicherweise konnten Schulen ihr Angebot kurzfristig nicht aufrechterhalten, weil zum Beispiel keine Honorarkräfte gefunden wurden“, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Brandenburg setze das in der vergangenen Legislaturperiode erarbeitete Mehrsprachigkeitskonzept konsequent um. Es gebe mehrere kurz-, mittel- und langfristig umzusetzende Handlungsempfehlungen zum Erlernen der polnischen Sprache, darunter eine Kooperation von Kitas und Grundschulen, Schulpartnerschaften und den Austausch von Schülerinnen und Schülern beider Länder, hieß es. 

Langweilen sich Kinder aus polnischen Familien im Fach Polnisch?

Eine andere Erklärung für den Rückgang der Schülerzahlen hat der Direktor des Kompetenz- und Koordinationszentrums Polnisch (KoKoPol), Gunnar Hille. „Wie die meisten Bundesländer hat Brandenburg beim Polnischunterricht in der Schule nicht unterschieden, ob im Kurs rein deutsche Kinder ohne Polnisch als Familiensprache oder polnischstämmige Kinder sitzen“, sagt Hille.

Doch die Kinder mit polnischen Wurzeln hätten sich oft gelangweilt und nach Angeboten für „Polnisch als Herkunftssprache“ außerhalb der Schulen gesucht. Daher seien die Zahlen jüngerer Teilnehmer in Einrichtungen wie den Polonika-Organisationen und den Volkshochschulen deutlich gestiegen, so Hille. KoKoPol wird vom Bund und dem Land Sachsen finanziert und fördert in allen Bundesländern außerschulischen Polnischunterricht.