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Singapur Singapur: Julia Bohl will sich schuldig bekennen

31.05.2002, 13:31
Susanne Bohl, die Mutter von Julia
Susanne Bohl, die Mutter von Julia AFP

Singapur/dpa. - Das Schuldbekenntnis solle dem Gericht Entgegenkommensignalisieren, verlautete aus dem Umfeld des Verfahrens. DieStaatsanwaltschaft habe in einer Vorverhandlung zugestimmt, sichneben dem Konsum und Besitz von Rauschgift auf einen drittenAnklagepunkt zu konzentrieren, wonach die 22-Jährige Drogenhandel inihrer Wohnung zugelassen habe, sagte Anandan. Zum Verlauf desVerfahrens sagte er: «Ich bin weiterhin ziemlich zuversichtlich.» Beieiner Verurteilung werde die Untersuchungshaft angerechnet.

Die junge Frau, die am Freitag erneut in Handschellen vorgeführtwurde, lächelte, als sie ihre Mutter im Gerichtssaal sah. «Sie istsehr gefasst», sagte Susanne Bohl, die sich erstmals vor Journalistenausführlich zum Schicksal ihrer Tochter äußerte. Außer an Wochenendenkönne sie Julia jeden Tag für 20 Minuten im Frauengefängnis vonChangi besuchen. In ihrer zehn Quadratmeter großen Zelle liege ihreTochter auf einer Bastmatte am Boden; immer wieder riefen die WärterKommandos, nach denen die Insassen zu stehen oder sitzen haben. Allezwei Wochen erhielten sie ein oder zwei Blatt Briefpapier.

Julia gehe es gut, allerdings dürfe sie die Zelle kaum verlassen,Sport sei verboten. Die Gefängniskleidung habe bei ihrer Tochter, dieam 18. Juni 23 Jahre alt wird, inzwischen Hautausschlag ausgelöst.Auch leide sie nach wie vor unter Asthma. «Von der medizinischenSeite her ist sie aber gut versorgt», betonte Susanne Bohl, die schonseit Wochen in Singapur ist, um Julia beizustehen.

Nach ihrer Verhaftung Mitte März hatte der 22-Jährigen zunächstdie Todesstrafe wegen Drogenhandels in einem schweren Fall gedroht.Wenig später nahm das Gericht diese Anklage zurück, nachdem eineAnalyse der in ihrem Umfeld sichergestellten 687 Gramm Cannabis nur281 Gramm reines Rauschgift enthielten. Erst ab einer Menge von 500Gramm ist der Tod durch den Strang zwingend vorgeschrieben. Mitte Mailieß das Gericht dann sämtliche Vorwürfe des Drogenhandels fallen.

Zu ihren Gefühlen, als die Todesstrafe noch denkbar war, sagteSusanne Bohl: «Als Mutter konnte ich das nicht akzeptieren, nur sowar ich in der Lage, zu funktionieren.» Sie sei sich aber sicher,«dass da noch was kommt, das ist ein Trauma». Julia habe ihr gesagt,dass die Todesstrafe für sie nicht in Frage komme, weil sieunschuldig sei. «Das wichtigste ist aber, dass das alles bald vorbeiist», sagte Susanne Bohl, die am Freitag nach der Umarmung ihrerTochter in einem Nebensaal des Gerichts in Tränen ausbrach.

Ihr selber habe es sehr geholfen, dass viele Menschen, auchUnbekannte, sich in Faxen und Briefen nach ihrer Tochter erkundigtenund der Familie alles Gute gewünscht hätten. Und für dem Fall, dassJulia zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wird, sagte SusanneBohl: «Wenn dem so sein sollte, muss man das akzeptieren.»