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Sachsen Sachsen: Katarina Witt tanzt ein letztes Mal in ihrer Heimat

Von Carola Benz 15.02.2008, 13:26

Chemnitz/ddp. - Katarina Witt in Chemnitz - und keiner weißBescheid? Jedenfalls weist kein Plakat, keine Internetvorschau derStadt auf den Abschiedsauftritt der erfolgreichsten deutschenEiskunstläuferin am Dienstag (18. Februar) hin. Doch offenbar warkeine Werbung nötig. «Die Arena war innerhalb von drei Tagenausverkauft», sagt eine Sprecherin der Veranstaltungsagentur. DieSportlerin genieße durchaus einen Ostbonus, denn auch in Riesa undMagdeburg seien die Karten schnell weg gewesen.

5500 Plätze in einer eissportverrückten Stadt wie Chemnitz sindnicht viel. Bis mancher mitbekommen hatte, dass es die letzteGelegenheit ist, die Eisprinzessin live zu erleben, war es zu spät.Eine zweite Show passte nicht in den engen Zeitplan.

Zwar ist sie in Staaken bei Berlin geboren, doch gehören KatarinaWitt und Chemnitz auf besondere Weise zusammen. Als die Stadt nochKarl-Marx-Stadt hieß, arbeitete das talentierte Mädchen im Stadion imKüchwald zusammen mit seiner Trainerin Jutta Müller an einerbeispiellosen Erfolgskarriere mit zwei Olympiasiegen, vier Welt- undsechs Europameistertiteln. Und nachdem Kati ins Showgeschäfteingestiegen war, trug sie den Namen Chemnitz über den großen Teich.

«Mit unserer Partnerstadt Akron in Ohio verbinden uns zahlreicheAktivitäten, aber so richtig weiß dort kaum jemand, wo Chemnitz liegtund was die Stadt ausmacht», erinnert sich ein ehemaligerFernsehjournalist. Erwähne man in den USA jedoch, dass Katarina Wittaus Chemnitz komme, dann wüssten die Amerikaner Bescheid.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) jedenfalls würde sich«freuen, wenn sie als Ehrenbürgerin ab und an nach Chemnitz kommenwürde und wir vielleicht gemeinsam Veranstaltungen organisierenkönnten». Immerhin sei Katarina Witt «nach wie vor ein Riesenvorbildfür die jungen Sportler in der Stadt». Das Stadtoberhaupt wird wegeneines Urlaubs die Eisgala nicht sehen können. SportbürgermeisterinHeidemarie Lüth (Linke) wird die Stadt vertreten «und sicherlich auchein Geschenk überreichen», wie es aus dem Rathaus hieß.

«Ein bisschen bescheiden als Abschiedsfeier», meint GünterWeisflog. Der Chemnitzer Lehrer und Bildreporter hat Kati über vieleJahre mit der Kamera begleitet - bei ihren ersten Schritten in derTrainingsgruppe von Peter Meyer ebenso wie beim Empfang der lokalenSED-Parteiführung für Olympia-Asse in den 80ern. In Weisflogs Albenfindet sich Kati, wie sie im Trainingsanzug des SportclubsKarl-Marx-Stadt am 1. Mai demonstriert und wie sie mit strahlendemGesicht und in eleganter Pose das Schaulaufpublikum begeistert.

«Sie war ein hübsches Mädchen und immer nett angezogen», erinnertsich der Fotograf an die frühen Jahre. Eines seiner letzten Bilderzeigt Witt neben Jan Hoffmann, Gaby Seifert, Sonja Morgenstern, AnettPötzsch und anderen: Gratulation der Meisterläufer zum 70. Geburtstagvon Jutta Müller.

Selbstverständlich freut sich die Grande Dame der ChemnitzerEislaufschule auf das Wiedersehen mit Kati, ist aber ebenso gespannt,was Altmeister Brian Boitano noch drauf hat. «Ich schau schon malbeim Training zu», verrät Müller.

Dass ihre erfolgreichste Schülerin nun die Schlittschuhe an denNagel hängt, nimmt die Trainerin gelassen: «Meine Zeit mit Kati warja schon 1988 vorbei. Alles, was sie weiter gemacht hat, fand ichwunderbar, vor allem, dass es ihr vergönnt war, aus ihrem Sport einenBeruf zu machen. Doch Show ist was anderes als der Sport, zu dem ichmeinen Teil beigetragen habe.»

Eigentlich seien ihr alle Sportler gleich wichtig, betont Müller,und insbesondere der internationale Durchbruch mit ihrer Tochter GabySeyfert sei hart erkämpft gewesen. Doch dann kommt doch noch Stolzauf Kati auf: «Wie sie mit meiner Hilfe das Läuferische, unterstütztdurch Musik und Kostüme, umgesetzt hat, und dass das so vom Publikumangenommen wurde, das war etwas Besonderes.» Der Weg dazu sei weitund anstrengend und in Deutschland keine Nachfolgerin in Sicht, sagtdie Meistermacherin.