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Arbeitsmarkt Risiko für Jobverlust steigt - Mehr als 150.000 Arbeitslose

Die Wirtschaftsflaute trifft viele Betriebe in Sachsen. Daher sind sie derzeit zurückhaltend bei Neueinstellungen. In welchen Branchen entstehen noch neue Jobs?

Von dpa Aktualisiert: 28.02.2025, 12:32
Die Arbeitslosigkeit in Sachsen ist im Februar weiter gestiegen (Illustration).
Die Arbeitslosigkeit in Sachsen ist im Februar weiter gestiegen (Illustration). Sebastian Kahnert/dpa

Chemnitz - Die Arbeitslosigkeit in Sachsen steigt weiter und hat die Marke von 150.000 Menschen überschritten. Zugleich melden Unternehmen weniger freie Stellen als sonst in dieser Jahreszeit. Es wachse das Risiko arbeitslos zu werden ebenso wie das Risiko arbeitslos zu bleiben, konstatierte der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Klaus-Peter Hansen. „Wir werden uns an die 7, was die Arbeitslosenquote betrifft in ganz Sachsen, leider gewöhnen müssen.“ 

Im Februar ist die Arbeitslosigkeit abermals gestiegen: um 969 Menschen oder 0,6 Prozent auf 150.252 Männer und Frauen. Damit lag die Zahl um 5,7 Prozent höher als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote wurde mit 7,0 Prozent angegeben. Das sei der höchste Stand seit 2017, hieß es. Am niedrigsten ist sie im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (5,7), am höchsten in der Stadt Chemnitz (9,4).

Betriebe melden weniger freie Stellen 

Einerseits habe der Anstieg saisonale Gründe, erklärte Hansen. So gebe es weiterhin Entlassungen in witterungsabhängigen Branchen. Zudem hätten junge Menschen ihre Ausbildung abgeschlossen und suchten nun einen Job. „Hinzu kommen die aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheiten, die sich zunehmend am Arbeitsmarkt auswirken.“ Andererseits habe die Grippewelle den Anstieg der Arbeitslosigkeit etwas gedämpft. 

Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Betriebe ist die Zahl der gemeldeten Stellen vergleichsweise gering. Im Februar waren es knapp 6.000. „Das ist der niedrigste Wert seit 20 Jahren für einen Februar“, erklärte Hansen. Die Mehrzahl der Betriebe überlege sich dreimal, ob sie einstelle oder nicht. 

Zugleich sinkt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Im Dezember waren es laut Regionaldirektion knapp 1,644 Millionen - rund 5.100 weniger als vor einem Jahr. Zuwächse gibt es den Angaben zufolge bei Dienstleistungen am Menschen - etwa im Sozial- und Gesundheitswesen; Rückgänge dagegen vor allem im Verarbeitenden Gewerbe. 

Prognose: Kurzfristig kein Rückgang der Arbeitslosigkeit

Es müsse rasch gehandelt werden, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren, mahnte der Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Markus Schlimbach. „Wir brauchen ein klares Signal der Bundes- und Landespolitik für die Stärkung der Wirtschaft und für Investitionen in die Zukunft.“ 

Dazu gehöre, die Energiepreise zu senken, die Schuldenbremse zu reformieren und die Tarifbindung zu stärken. Die Reform der Schuldenbremse sei nötig, um der Politik Spielraum für mehr kreditfinanzierte Investitionen zu geben. „Ansonsten droht, dass die Schuldenbremse zur Investitionsbremse und damit zur Zukunftsbremse wird“, sagte Schlimbach.

Für die nahe Zukunft erwartet die Regionaldirektion keine Trendwende. Hansen verwies darauf, dass schon in den vergangenen beiden Jahren die sonst übliche Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt ausgefallen sei. „Wir werden kurzfristig keinen Rückgang der Arbeitslosigkeit haben.“