Österreich Österreich: Jäger findet «Ötzi»-Entdecker Simon tot in einem Bach

Salzburg/dpa. - Er starb rund 150 Kilometer von der Stelle entfernt, wo einst der Steinzeitmensch «Ötzi» sein Leben ließ.
Bereits am frühen Morgen war die Bergrettung von Bad Hofgasteinbei strahlendem Sonnenschein ein weiteres Mal mit fast 40 Helfern undzahlreichen Suchhunden aufgebrochen. Sie wollten «einen letztenVersuch» zur Bergung des verschollenen Deutschen unternehmen. «Wennwir bis zum Abend nichts gefunden haben, stellen wir die Suche ein»,meinte der Leiter des Suchtrupps, Gerald Krainz.
Niemand bezweifelte zu diesem Zeitpunkt, dass der Mann, der durchdie Entdeckung der Gletschermumie «Ötzi» 1991 selbst ein wenigberühmt wurde, nicht mehr am Leben sein konnte. Insgesamt sechs Tagewaren die Helfer - oft viele Stunden und bei klirrendem Frost - imGebiet um den Gamskarkogel unterwegs gewesen. Bis zu 120 Männer,darunter Dutzende Soldaten des österreichischen Bundesheeres, setztedie Bergrettung Hofgastein ein.
Schließlich war es der Jäger Bartholomäus Kranabetter, der dieLeiche Simons entdeckte. Er hatte am Samstagmorgen von seinemHochsitz aus mit dem Feldstecher einen orange-farbenen Fleck in demGebirgsbach entdeckt. Über sein Handy verständigte er die Bergwacht,die sofort zur Unglücksstelle eilte. Mit ihnen kam auch der Sohn vonHelmut Simon, der am Freitag nach Bad Hofgastein geeilt war, um sichan der Suche nach seinem Vater zu beteiligen. Die Leiche Simons wurdesofort ins Tal gebracht.
Eigentlich wollte Helmut Simon, ein erfahrener Bergwanderer, nureine kurze Tour unternehmen, als er am Morgen des 15. Oktober insGebiet des rund 2400 Meter hohen Gamskarkogels aufbrach. Als er amNachmittag nicht zurückkehrte, verständigte seine Frau Erika diePolizei und Bergrettung, die sofort die Suche aufnahmen. Zu diesemZeitpunkt wollte noch niemand glauben, dass der 67-Jährige einähnliches Schicksal finden würde, wie der steinzeitlicheGletschermann «Ötzi». Doch mit jedem Tag und mit jeder erfolglosenSuche schwand die Hoffnung.
Simon und seine Frau hatten die 5300 Jahre alte Mumie am 19.September 1991 auf dem Similaun-Gletscher im Ötztal gefunden.Seither, so meinte er wenige Tage vor seinem Tod, habe sich seinLeben entscheidend verändert.
«Die Umstände, wie wir auf den Ötzi gestoßen sind, das war eine sounglaubliche Kette von Zufällen. Da wurde mir klar, dass mein Lebendurch eine Art göttliche Vorsehung geführt wird», sagte Simon AnfangOktober in einem Gespräch mit den «Nürnberger Nachrichten». Der Ort,an dem der Steinzeitmann den Tod fand, liegt nur rund 150 Kilometervon der Stelle entfernt, wo Simon in den Tod stürzte.
Die österreichischen Bergretter, die Simons Leiche nach tagelangerSuche am Samstag fanden, waren dennoch erleichtert. «DieRettungskräfte sind erschöpft und traurig, obwohl wir gewusst haben,dass wir ihn wahrscheinlich nicht mehr lebend finden», sagteSprecherin Andrea Hinterseer in Salzburg. «Wir sind trotz allemerleichtert, dass wir Herrn Simon gefunden haben. So kann seineFamilie von ihm Abschied nehmen. Wenn die Opfer vermisst bleiben, istdas für Angehörige oft viel schwieriger zu ertragen.»
