Die Not mit der Notdurft Öffentliche Toiletten: Verlustgeschäft für Kommunen
Für die Thüringer Kommunen sind öffentliche Toiletten ein teures Zusatzangebot. Vor allem kleinere Städte profitieren wenig von Ideen, mit denen sich die Kosten senken lassen.

Eisenach/Gera/Sonneberg/Mühlhausen - Öffentliche Toiletten sind für die Thüringer Städte ein wichtiges freiwilliges Angebot - neben Bau und Sanierung treibt vor allem der Unterhalt die Kosten in die Höhe. „Vandalismus und starke Verschmutzungen stellen die größte Herausforderung dar“, sagt Birgit Schellbach von der Stadtverwaltung Eisenach. Die Reinigung werde angesichts steigender Preise immer teurer: So seien allein für die öffentliche Toilette Johannisplatz im Jahr 2023 Kosten in Höhe von 14.300 Euro angefallen, die Einnahmen aus den Nutzungsgebühren hätten bei 3.000 Euro gelegen.
Reichlich Aufwand, kaum Einnahmen
Wenngleich die Ausgaben nicht überall genau beziffert werden können, klagen auch Erfurt, Mühlhausen, Jena, Gera und Sonneberg über die Probleme: Vandalismus und übermäßige Verschmutzung verursachten hohe Kosten - während in vielen Fällen die Toilettenbenutzung sogar kostenfrei sei.
Daneben sei es teils schwierig, Personal zu finden, heißt es aus den Stadtverwaltungen. Manche Örtlichkeiten würden zu selten genutzt. Auch der Neubau von Toilettenanlagen sei teuer. So habe in Erfurt der Bau der jüngsten Toilettenanlagen in der Gera-Aue und im Nordpark mit jeweils rund 250.000 Euro zu Buche geschlagen, beziffert Sprecher Patrick Weisheit.
Zusammenarbeit mit Lokalen
Einige Thüringer Städte beteiligen sich deshalb am Projekt „Nette Toilette“. Dabei verpflichten sich Gewerbetreibende dazu, ihr „stilles Örtchen“ kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Dafür erhalten sie von den Kommunen eine Aufwandsentschädigung.
„Die Erfahrungen damit sind positiv“, fasst Weisheit für Erfurt zusammen. Für die Gewerbetreibenden brächte das Angebot teils neue Kundschaft und Umsätze. Weil immer Personal anwesend sei, gebe es kaum Vandalismus. Die Gewerbetreibenden hätten ein monatliches Rücktrittsrecht aus der Partnerschaft. Die 100 Euro Aufwandsentschädigung pro Monat und Partner seien für die Stadt deutlich günstiger als der Unterhalt öffentlicher Toiletten.
Zahl öffentlicher Toiletten unterschiedlich
In Mühlhausen wurde die Versorgung einem Sprecher zufolge auf diesem Weg deutlich ausgebaut. Dort gebe es aktuell elf städtisch betriebene Toiletten und zehn „Nette Toiletten“. Damit ist das Angebot größer als in der Landeshauptstadt, in der es Weisheit zufolge 20 öffentliche Toiletten gibt - darunter sechs in Kooperation mit Gewerbetreibenden. In Jena gibt es einer Sprecherin zufolge nur drei öffentliche und drei saisonale öffentliche Toiletten. In Eisenach sei das Projekt „Nette Toilette“ aktuell im Aufbau, dort würden noch Partner gesucht, hieß es.
Keine Lösung für alle Probleme
Doch das Konzept hat auch Schwachpunkte: Grundsätzlich ist die Nutzung von den Öffnungszeiten der Läden und Restaurants abhängig. In Erfurt sei die Nachfrage während wichtiger Stadtevents stellenweise zu hoch, deshalb werde etwa am Domplatz verstärkt nach weiteren Partnern gesucht. Von einem anderen Problem sind besonders kleinere Städte betroffen: So sei etwa in Sonneberg die gastronomische Dichte nicht mit der von Großstädten vergleichbar - daher gebe es dort bisher keine Pläne, auf alternative Angebote auszuweichen, so Sonnebergs Sprecherin Cindy Heinkel.
Weniger soll es nicht werden
Einen Rückbau der bestehenden Toilettenanlagen plant trotz der Kosten keine der befragten Kommunen. „Es ist wichtig, dass wir als Stadt dieses Angebot für Bürger und Besucher mit einem "dringenden Bedürfnis" vorhalten können“, fasst Heinkel stellvertretend für andere Kommunen zusammen. Im Jenaer Paradiespark habe mit dem Aufstellen einer Toilettenanlage das „Wildpinkeln“ deutlich abgenommen, hieß es dort. In fast allen befragten Kommunen werden bestehende Toiletten weiterhin saniert und - teilweise täglich - gereinigt. In Gera gibt es einem Sprecher zufolge aktuell zu wenige öffentliche Toiletten, daher arbeite die Stadt aktuell an der Erweiterung des Angebots.