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Stahlindustrie IG Metall: Thyssenkrupp will Liefervertrag mit HKM kündigen

Thyssenkrupp will sich vom Gemeinschaftsunternehmen HKM trennen. Einen Käufer gibt es bislang nicht. Die Schließung droht. Jetzt soll schon mal der Liefervertrag gekündigt werden, sagt die IG Metall.

Von dpa 03.04.2025, 14:02
Thyssenkrupp Steel will sich von seiner Beteiligung am Stahlhersteller HKM trennen. (Archivbild)
Thyssenkrupp Steel will sich von seiner Beteiligung am Stahlhersteller HKM trennen. (Archivbild) Christoph Reichwein/dpa

Duisburg - Das Stahlunternehmen Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) will laut IG Metall den Liefervertrag mit den Hüttenwerken Krupp Mannesmann (HKM) kündigen. Dies soll der TKSE-Aufsichtsrat am Freitag bei einer außerordentlichen Sitzung beschließen, teilte die IG Metall Duisburg-Dinslaken mit. Ein TKSE-Firmensprecher bestätigte, dass eine Aufsichtsratssitzung geplant sei, äußerte sich jedoch nicht zu den geplanten Inhalten.

Nach Angaben der IG Metall soll der Vertrag zum Jahresende gekündigt werden. Auslaufen würde er dann nach sieben Jahren, also Ende 2032.

HKM produziert jährlich 2,5 Millionen Tonnen Stahl für TKSE

Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) ist zu 50 Prozent an dem ebenfalls in Duisburg beheimateten Stahlhersteller HKM beteiligt. Die übrigen Anteile gehören dem Stahlkonzern Salzgitter (30 Prozent) und dem französischen Röhrenhersteller Vallourec (20 Prozent). HKM stellt Stahl-Vorprodukte für die drei Firmen her und beschäftigt rund 3.000 Menschen. TKSE bezieht jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen Stahl von HKM. 

Hintergrund der möglichen Liefervertragskündigung ist die geplante Neuaufstellung von TKSE. Deutschlands größter Stahlhersteller gehört zum Industriekonzern Thyssenkrupp und beschäftigt rund 27.000 Menschen. In der Zahl enthalten sind rund 1.500 HKM-Beschäftigte. TKSE will seine Kapazitäten zur Stahlerzeugung verringern und dabei 5.000 Stellen abbauen. Weitere 6.000 Stellen sollen ausgegliedert werden.

Thyssenkrupp will HKM-Anteil verkaufen - sonst Schließung

Den Kapazitätsabbau will das Unternehmen vor allem durch eine Trennung von HKM erreichen. Kommt kein Verkauf zustande, will Thyssenkrupp mit den anderen Gesellschaftern über eine Schließung sprechen. Im Februar hatte laut TKSE ein Kaufinteressent Gespräche über einen Erwerb abgebrochen. 

Nach dem Scheitern der Verkaufsgespräche rede man mit Thyssenkrupp nun über Alternativszenarien, hatte Salzgitter-Chef Gunnar Groebler im Februar gesagt. Ohne Weiteres könne man einer Schließung nicht zustimmen, so Groebler damals. Denn HKM sei ein wichtiger Zulieferer für Salzgitter, der sich nicht so einfach ersetzen lasse. Für Salzgitter allein sei HKM, so wie es heute dastehe, aber viel zu groß. Laut IG Metall laufen derzeit noch Gespräche mit möglichen Investoren.

Protest vor Stahl-Hauptverwaltung in Duisburg

Die IG Metall kündigte für Freitag vor der TKSE-Zentrale in Duisburg eine Protestveranstaltung von mehreren Hundert HKM-Beschäftigten gegen die Kündigung des Liefervertrages an. Eine Kündigung des Liefervertrages bekunde, dass es Thyssenkrupp nicht um einen Verkauf, sondern vorrangig um die Schließung der Hütte im Duisburger Süden gehe, erklärte die Gewerkschaft. Mit der Kündigung solle Druck auf die anderen Anteilseigner in Richtung Schließung ausgeübt werden, sagte der Geschäftsführer der IG Metall Duisburg-Dinslaken, Karsten Kaus.

Die Gewerkschaft forderte den TKSE-Aufsichtsrat auf, den Liefervertrag nicht zu kündigen, „sondern vielmehr aktiv den Verkaufsprozess der Hütte, abgestimmt mit dem weiteren Gesellschafter, der Salzgitter AG, zu fördern“. Dies erfordere aber Zeit und dürfe nicht durch überstürzte Handlungen des größten Gesellschafters der HKM negativ beeinflusst werden.