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Heinz Schenk Heinz Schenk: Der «Ebbelwoi-Babbler» wird 85 Jahre alt

Von Thomas Maier 10.12.2009, 10:56
Lia Wöhr und Heinz Schenk als Wirtin und Oberkellner in einer Sendung "Zum Blauen Bock" des hessischen Rundfunks im Mai 1979 (FOTO: DPA)
Lia Wöhr und Heinz Schenk als Wirtin und Oberkellner in einer Sendung "Zum Blauen Bock" des hessischen Rundfunks im Mai 1979 (FOTO: DPA) dpa

Frankfurt/Main/dpa. - Das sprichwörtliche «Schlappmaul» hätte es wohl auch kaum zugelassen, dass einer ihm in seine Sendung dreinredet. Am Freitag (11. Dezember) wird der populäre Wirt der legendären TV-Show 85 Jahre alt.

Mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Abschied vom «Blauen Bock»ist der «Ebbelwoi-Babbler» immer noch gut beieinander. Schenk hat sich aber aus der Öffentlichkeit ganz zurückgezogen und gibt auch keine Interviews. Seinen letzten großen Auftritt hatte er vor zwei Jahren, als sein Haussender - der Hessische Rundfunk - ihn nochmals mit einer eigenen Sendung feierte.

Der «Blaue Bock» ist untrennbar mit der goldenen Ära des deutschen Fernsehens verbunden. 21 Jahre lang und 208 Mal lud Schenk als Wirt und Oberkellner zur Bembel-Sendung zur allerbesten Sendezeit am Samstagabend ein. Mit seiner Fernsehpartnerin Lia Wöhr hat er bis Ende 1987 rund 125 000 Liter Apfelwein aus der traditionellen Äppelwoi-Kanne ausgeschenkt und 6500 «Ehrenbembel» an alle Gäste verteilt. Bis zu 20 Millionen Menschen schalteten damals die Sendungein. Heute erreicht keine Show auch nur annähernd diese Traumquoten.

Schenk war dabei aber nie nur der volkstümliche TV-Babbler. Erlieferte die Ideen für den «Blauen Bock» und schrieb neben den Textenauch fast alle Lieder selbst. Schenks Begabung zum Frohsinnoffenbarte sich in seiner Heimatstadt Mainz, wo er 1924 als Sohneines Drogisten und einer Tänzerin geboren wurde, schon früh. AlsKind funktionierte er in der Fasnachtshochburg den Beichtstuhl im Domzum Kasperletheater um. Fast wurde er vom Bischof der Schuleverwiesen.

Mit kaum zehn Jahren stand Schenk zum ersten Mal in der Bütt. Nachdem Krieg wechselte der gelernte Schauspieler nach Kabarett-Auftritten zum Radio, wo er wie Hans-Joachim Kulenkampff und PeterFrankenfeld Auftritte im «Frankfurter Wekker» hatte, der legendärenkomödiantischen Frühsendung des Hessischen Rundfunks. 1966 folgte erOtto Höpfner im «Blauen Bock» nach.

Als der Hessische Rundfunk 1987 nach drei Jahrzehnten den «BlauenBock» einstellte, widmete sich Schenk wieder der Bühne. Der oftunterschätzte Schauspieler wurde zu einer Stütze am FrankfurterVolkstheater. Zu seinen Paraderollen gehörte 1991 «De Geizhals», diehessische Version von Molières «Der Geizige».

Selbstironie zeigte Schenk 1992 mit einem Auftritt in HapeKerkelings Film «Kein Pardon». Dort spielte er einen alterndenintriganten Showmaster, der seinen Assistentinnen nachstellt. Undnur wenige wissen, dass Hape Kerkelings Kunst- und Kultfigur HorstSchlämmer indirekt Heinz Schenk zu verdanken ist. Der Name Schlämmergeht auf den heute 72-jährigen Horst Klemmer zurück, seit Jahrzehntender Manager von Schenk. Dieser hatte Kerkeling einst mit Klemmerbekanntgemacht.

Der in Wiesbaden lebende Schenk gilt als passionierterSkatspieler, Hobbygärtner und -fotograf. Und er ist - was in seinemAlter eher ungewöhnlich ist - ein Computerfreak. Seinen Geburtstagwill Schenk im engsten Familien- und Freundeskreis feiern. Mit seinerFrau Gerti - einer gelernten Friseurin - ist er seit fast 60 Jahrenverheiratet.