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Freitag, der 13. Freitag, der 13.: Pechtag oder Aberglauben?

Von Birgitta Fickers 12.05.2005, 17:01
Ein Mann hat am Dienstag (10.05.2005) in Schwerin ein Kalenderblatt von Freitag, dem 13. Mai 2005 in der Hand (Illustration zum Thema Freitag, der 13. vom 11.05.2005). (Foto: dpa)
Ein Mann hat am Dienstag (10.05.2005) in Schwerin ein Kalenderblatt von Freitag, dem 13. Mai 2005 in der Hand (Illustration zum Thema Freitag, der 13. vom 11.05.2005). (Foto: dpa) dpa-Zentralbild

Hamburg/dpa. - Heute schon was vor? Es ist Freitag, der 13. Etwa ein Viertel der Deutschen bekommt bei diesem Datum Bauchgrimmen. 28Prozent glauben sogar laut einer kürzlich veröffentlichtenAllensbach-Umfrage, dass die Zahl 13 auch ohne Freitag Schlimmesverheißt. Im Jahr 1973 waren es noch 17 Prozent, wie das Institut fürDemoskopie Allensbach mitteilte.

Viele Menschen verlassen an einem vermeintlich unheilschwangerenFreitag, den 13. ungerne das Haus oder fahren aus Angst vor einemUnglück besonders vorsichtig Auto. Aber ist an diesem mulmigenGefühl, das viele beschleicht, tatsächlich etwas dran oder ist es nurdas «Kokettieren mit dem Unglück», wie der Bonner VolkskundlerGunther Hirschfelder, meint?

Beispiele für die Sorge, dass Freitag der 13. Unglück anzieht,gibt es viele. So musste der Stapellauf eines in der Kieler Howaldt-Werft gebauten Öltankers 1953 verschoben werden, weil das Datumnichts Gutes verhieß. In Amerika geriet ausgerechnet an einem solchenSeptembertag 1869 der Goldmarkt ins Schlingern, und 1927 war esebenfalls ein Schwarzer Freitag, an dem die Börse unter Druck kam.

Die Furcht vor Freitag, dem 13. entspringt jedoch nichttraditionellem Aberglauben, sondern ist ein modernes Phänomen des 20.Jahrhunderts. In alten Volkssagen sucht man vergeblich nach diesenkritischen Freitagen. Erst in modernen Erzählungen und Liedern tauchtder angeblich unheilvolle Tag auf, etwa in der Ballade «AnkommeFreitag, den 13.» von Reinhard Mey.

Rein wissenschaftlich betrachtet, ist Freitag, der 13. ein Tag wiejeder andere. Genau 48 Mal in 28 Jahren kommt der als Unglückstagverschriene Tag vor. Insgesamt gibt es in diesem Zeitraum 1471Freitage. 336 Tage sind der 13. eines Monats, wie derMathematikprofessor Eberhard Lanckau von der Technischen UniversitätChemnitz vor einigen Jahren berechnet hat.

Auch die Fachhochschule Aachen hat sich mit dem Phänomenbeschäftigt. Ergebnis: In 400 Jahren fällt der 13. insgesamt 688 Malauf einen Freitag, aber nur 684 bis 687 Mal auf einen anderenWochentag. Mathematisch gesehen ist Freitag, der 13. also ein um eineWinzigkeit größerer Unglückstag als andere Tage, da es einfach mehrTage dieses Datums gibt.

Auch wenn es paradox anmutet: Die Furcht vor Unglücken macht dieMenschen so vorsichtig, dass weniger Verkehrsunfälle passieren.Zumindest liegt dieser Schluss nach einer Untersuchung des LandesMecklenburg-Vorpommern aus dem Jahr 1995 nahe. An den beiden«schwarzen» Freitagen passierten in diesem Bundesland weniger Unfälleals an einem Durchschnittsfreitag. Und ein Heidelberger Soziologe hatrund 147 000 Freitagsunfälle von 1985 bis 1999 untersucht. DieUnglückshäufigkeit war an allen Freitagen ähnlich - egal, ob sie aufden 6., den 13. oder den 20. fielen.

Wer sich von der Wissenschaft mitsamt ihren Untersuchungen undStatistiken nicht beeindrucken lässt, hat in diesem Jahr Glück imUnglück: 2005 gibt es nur einen Freitag, den 13.