1. MZ.de
  2. >
  3. Panorama
  4. >
  5. Fernsehen: Fernsehen: Superstar für eine Saison

Fernsehen Fernsehen: Superstar für eine Saison

Von Dorit Koch 14.05.2008, 11:54
Die Kombo zeigt die Kandidaten Thomas Godoj (l.) und Fady Maalouf während ihrer Auftritte beim Halbfinale von «Deutschland sucht den Superstar» in Köln (Archivfoto). Zum dritten Mal hintereinander machen zwei Männer unter sich den Sieger im RTL-Castingwettbewerb «DSDS» aus. Thomas Godoj (30)tritt an diesem Samstag (17.05.2008) gegen Fady Maalouf (29)an. (Foto: dpa)
Die Kombo zeigt die Kandidaten Thomas Godoj (l.) und Fady Maalouf während ihrer Auftritte beim Halbfinale von «Deutschland sucht den Superstar» in Köln (Archivfoto). Zum dritten Mal hintereinander machen zwei Männer unter sich den Sieger im RTL-Castingwettbewerb «DSDS» aus. Thomas Godoj (30)tritt an diesem Samstag (17.05.2008) gegen Fady Maalouf (29)an. (Foto: dpa) dpa

Hamburg/dpa. - «DSDS»-Veteran Alexander Klaws hätte keinentreffenderen Titel für sein aktuelles Album wählen können: «Waswillst du noch?!» fragt der 24-Jährige darauf. Vor fünf Jahren wussteer genau, was er wollte: Als erster Sieger bei der RTL-Show«Deutschland sucht den Superstar» träumte er von der großen Karriereals Sänger. Im Fernsehen war er für einen Abend tatsächlich derSuperstar, im Musikgeschäft ist er weit davon entfernt. Dabei gehörtKlaws noch zu den erfolgreichen Kandidaten, immerhin gelang ihm mit«Take Me Tonight» ein Nummer-Eins-Hit und im Anschluss ein Platin-Album. Längst traut kaum jemand Castingstars einen anhaltenden Erfolgzu - sie gelten als «Modeerscheinung» und «Helden für einen Tag».

Vergeblich hat Klaws bislang versucht, an den damaligen Erfolganzuknüpfen. Seinen Sieg gegen Juliette Schoppmann verfolgten 2003noch zwölf Millionen Zuschauer - schließlich war es das erste «DSDS»-Finale. Wie ein Superstar muss er sich auch in den Wochen und Monatendanach gefühlt haben, als er sich mit Single und Album an dieChartspitze setzte. Doch der Ruhm über Nacht war nicht von Dauer,irgendwann gehörte auch Klaws zu den Casting-Altwaren, landete beim«International Idol»-Contest, bei dem die Gewinner ausländischerPendants gegeneinander antraten, auf den hinteren Rängen. Er sang imMusical «Tanz der Vampire» und spielt in den Medien inzwischenhauptsächlich bei jeder neuen «Superstar»-Staffel eine Rolle.

Um mindestens vier neue Superstars müsste die Musikszene reichersein, würde «DSDS» nicht nur als TV-Show funktionieren, sonderntatsächlich Sangeskarrieren etablieren. Nach Klaws folgte RockröhreElli Erl. Die heute 28-Jährige verfehlte in den Charts zwar knapp dieSpitze, landete mit «This Is My Life» aber auf dem dritten Platz.Doch als sie ihr jüngstes Album «Moving On» herausbrachte, fand siedafür gerade mal einen Bruchteil der Aufmerksamkeit, die sie noch alsShow-Kandidatin genoss. Schnell ruhig wurde es um Tobias Regner,Gewinner der dritten Staffel und inzwischen ohne Plattenvertrag. DieEcho-Nominierung des Sängers («I Still Burn») ist die letzte «News»auf seiner Internetseite - das war vor einem Jahr.

Längst gab es wieder eine Echo-Verleihung, bei der Mark Medlock,Sieger der vierten Staffel und Liebling von Juror und MusikproduzentDieter Bohlen, die Trophäe als Newcomer sogar gewann. Mit «SummerLove» landete der 29-Jährige rechtzeitig zur Finalphase der fünften«DSDS»-Ausgabe gleich vor Madonna auf Platz eins der Single-Charts.Bleibt abzuwarten, wie sehr seine Fan-Gemeinde schrumpft, wenn ThomasGodoj oder Fady Malouf den Thron bestiegen haben. Für die meisten Ex-Teilnehmer interessiert man sich zumeist nur vor einer neuen Show,selbst für solche wie Paradiesvogel Daniel Küblböck, dessen Unfallmit einem Gurkenlaster einst der «Tagesschau» eine Meldung wert war.Oder Gracia Baur, die Deutschland beim Eurovision Song Contest alsLetztplatzierte blamierte.

Was für «DSDS» gilt, trifft auf andere Castingstars nicht wenigerzu, ob Nu Pagadi, Bro'Sis, die Preluders, Overground oder Monrose.Lediglich die ersten «Popstars»-Gewinner (damals noch auf RTL II,später auf ProSieben) No Angels, inzwischen nach einer Pause wiederzum Comeback angetreten und Deutschlands Vertreter beim EurovisionSong Contest am 24. Mai in Belgrad (Serbien), konnten sich langebehaupten. Kritiker werfen den Sendern vor, dass sie ihre Starsverheizen und die vermeintliche «Superstar»-Suche nur eine«musikalisch verpackte Soap-Opera» («Spiegel») sei. Dass inDeutschland anders als etwa in den USA Castingstars per se einenschweren Stand haben, macht es nicht leichter. «Das ist echt absurd:Die Radiostationen lästern über Castingstars und im Hintergrundlaufen Kelly Clarkson oder Leona Lewis», sagte Klaws im «DSDS»-Magazin. Clarkson gewann in den USA bei «American Idol», Lewis siegtein Großbritannien bei «The X Factor».