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DDR-Baukultur in Berlin DDR-Baukultur in Berlin: DDR-Häuser und Weltzeituhr am Alex unter Denkmalschutz

Von Uwe Aulich 14.07.2015, 09:49
Der Alexanderplatz mit dem Alexanderhaus (l-r), der Weltzeituhr, dem Bahnhof Alexanderplatz, dem Fernsehturm und dem Berolinahaus.
Der Alexanderplatz mit dem Alexanderhaus (l-r), der Weltzeituhr, dem Bahnhof Alexanderplatz, dem Fernsehturm und dem Berolinahaus. dpa Lizenz

Berlin - Nach dem Mauerfall sah sich Berlin als neue Weltmetropole, und derart euphorisiert wollten Stadtplaner und Architekten auch gleich sämtliche Zeugnisse der DDR-Baukultur entsorgen. Vor allem am Alexanderplatz, den die Staatspartei SED Ende der 1960er-Jahre zu einem „Vorzeigeplatz des Sozialismus“ gestaltet hatte. 25 Jahre später wird diese architektonische Leistung nun als schützenswert anerkannt.

Das Landesdenkmalamt hat das frühere Haus des Reisens an der Alexanderstraße, das Haus des Berliner Verlages an der Karl-Liebknecht-Straße – Sitz der Berliner Zeitung und des Berliner Kuriers – sowie die Weltzeituhr auf dem Alex unter Denkmalschutz gestellt.

Sie seien „Zeugnisse von künstlerischer, städtebaulicher und geschichtlich überragender Bedeutung“, sagt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Doch bis zu dieser Erkenntnis war es ein langer Weg. Denn bisher beschränkte sich die Wahrnehmung schützenswerter DDR-Bauten auf das Haus des Lehrers mit Mosaikfries und Kongresshalle, errichtet 1961–64 von Hermann Henselmann, sowie auf den Brunnen der Völkerfreundschaft, gestaltet 1969 von Walter Womacka. S-Bahnhof, Stadtbahn, Berolina- und Alexanderhaus waren vorher als Baudenkmale eingetragen. Weitere Denkmale soll es laut Senat am Alex nicht geben.

Mit dem nun geltenden Denkmalschutz ist ein Abriss dieser Gebäude fast unmöglich. Bisher wollte der Senat das Haus des Reisens und das Verlagshaus opfern, um seine Hochhausidee von 1993 zu verwirklichen. Bis zu zehn 150 Meter hohe Türme sollten nach der Planung von Architekt Hans Kollhoff entstehen. Alle Investoren ließen aber verabredete Baufristen verstreichen. Nur über zwei Hochhäuser wird diskutiert: Neben Saturn will das US-Unternehmen Hines bauen, die Planungen stocken wegen Bedenken der BVG. Am Alexa ist ein zweites Hochhaus von russischen Investoren geplant.

Obsolet ist die Kollhoff-Planung auch deshalb, weil viele Gebäude saniert wurden. Darauf hatte Lüscher hingewiesen. Das Parlament zog die Konsequenzen und verpflichtete den Senat im Mai 2014, sich bei der Entwicklung des Alexanderplatzes an den bestehenden Gebäuden zu orientieren. Um die Planungen anzupassen, läuft bis 2016 beim Senat ein Workshopverfahren.

Die Hermann-Henselmann-Stiftung ist zufrieden. „Wir haben lange für den Denkmalschutz gekämpft“, sagt Vorstandschef Thomas Flierl. Das zeige Einsicht und Respekt vor der Ost-Moderne. Er sieht den Denkmalschutz aber auch als „moralische Wiedergutmachung“, um Fehler der Alex-Planung zu kompensieren: Das Alexa-Hochhaus verstelle den freien Blick auf den Fernsehturm.