Palast der Republik von 1976 Am 23. April vor 40 Jahren wurde der Palast der Republik in Berlin eröffnet

Der Jubilar ist tot. Aber immerhin: Er hat ja gelebt, wurde geliebt oder gehasst und 2009 schließlich geschreddert. Da hatte der Palast der Republik 33 Jahre gestanden, aber nur knapp 14 davon als Haus des Volkes und seiner Volkskammer, die ihrem Namen nicht gerecht werden konnte unter den Verhältnissen rings um den Palast.
40 Jahre nachdem Margot und Erich Honecker am 23. April 1976 den Eröffnungstanz aufs Palastparkett gelegt hatten, haben die meisten Volkseigentümer des Palastes verinnerlicht, warum das mit dem Sozialismus in die Hose ging. Viele, die das zeitiger spürten als andere, drängten im Herbst 1989 vor die Tore des Palastes. Da wurde drinnen am 7. Oktober der 40. Jahrestag der DDR gefeiert. „Gorbi, Gorbi!“, rief draußen die Menge. Da begann Gorbatschows berühmter Satz, den er nie genau so gesagt hat, gerade zum geflügelten Wort zu werden: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Nach den ersten freien Wahlen in der DDR zogen die letzten Abgeordneten des verbleichenden Staates in die Volkskammer ein und beschlossen im Palast im Namen des Volkes am 23. August 1990 „den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes“. Deutschland einig Vaterland. Vier Wochen später wurde der Palast nach 14 Jahren für immer dicht gemacht.
Asbest war als Bedrohung fürs Weiterleben ausgemacht worden. Das Ding musste weg. Das gefiel nicht allen, weil sie meinten, hier werde ein unliebsames Kapitel deutscher Geschichte und nicht Asbest entsorgt. Rigoroser Umgang mit dem baulichen Erbe vorangegangener Mächte hat an dieser Stelle Tradition. Der DDR passte das Schloss nicht in ihr ideologisches Konstrukt, also sprengte sie den Bau 1950. Übrig blieb für Jahrzehnte eine Brache, bis dann ab November 1973 der Palast in den Himmel über der geteilten Stadt wuchs.
Nun entsteht wieder ein Riesengebäude am Spreeufer, doppelt so groß wie das vormalige Haus des Volkes. Der Neubau wird von außen anmuten wie das ehemalige Stadtschloss und „Humboldtforum“ heißen. Innen werden 2019 Ideen umgesetzt sein, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft miteinander verbinden. Das neue Schloss teilt schon jetzt sein Schicksal mit dem alten Palast. Es hat nicht nur Freunde, obwohl hier Chancen für neuen Hauptstadtglanz heranwachsen.
Das Schloss ist da, der Palast ist weg. Für die, die ihn vor 40 Jahren hochgezogen hatten, steckt für alle Zeiten ein Stück Lebenszeit drin. Für viele Besucher bis 1990 ein Stück Lebenslust und Lebensfreude, die sie abseits von propagandistischen Großveranstaltungen genossen haben. Karten für Veranstaltungen zu bekommen war oft Glückssache, und wer dinieren wollte, musste sich einreihen. Aber Anstehen war man ja gewöhnt.
Was übrig ist vom Palast, Teller, Tassen, Besteck, Stühle, Lampen, kann man noch heute im Internet kaufen, die Palast-Kunst schmort in Depots. Nach so langer Zeit ist ein wenig Rührseligkeit zum Jubiläum salonfähig: die tollen Restaurants, das Kugellampen-Foyer, die Glasblume, die Disco, das Theater, die Galerie, die Weltstars, die Bowling-Bahn, die Nachtbar, der riesige Saal mit Technik vom Feinsten. Ein Hauch von großem Luxus im kleinen Land. (mz)