Tiger-Attacke Tiger-Attacke: «Das war doch ein normales Spielverhalten»
Halle/MZ. - Fast sein gesamter linker Arm ist verbunden, durch einen Schlauch sickert Wundflüssigkeit in einen kleinen Behälter. Mittwochabend hatte das sibirische Tigerweibchen "Seylom" Thomas Hegewald angefallen und ihm auf 20 Zentimetern Länge den Arm aufgerissen. Doch er kann schon wieder lachen. Es ist die Erleichterung, glücklich davongekommen zu sein. Das bestätigt ihm Dr. Lutz Lindemann-Sperfeld, Leiter der Unfallchirurgie: "Der Patient hatte Glück im Unglück."
Der 41-jährige Zwickauer war zu Besuch beim Zirkus Busch, der in Querfurt gastiert - er ist mit dem Direktor befreundet. Er wollte bei Arbeiten helfen, suchte eine Schubkarre - und kam dem Raubtierkäfig zu nahe (die MZ berichtete). "Die Tigerin hat mich mit ihren Pranken gepackt. Ich habe gebrüllt und mich losgerissen - an meinem Arm hing alles blutig runter."
"Weichteilablederung ohne wesentliche Zerstörung der Muskulatur" nennt der Arztbericht, was die Tigerin mit ihren rasiermesserscharfen Krallen anrichtete. Was Lindemann-Sperfeld mit Glück meint: "Es sind keine Arterien, Muskeln, Sehnen oder Nerven verletzt." Hegewald weiß, dass er noch viel mehr Glück hatte. "Normalerweise lassen Tiger nicht los, wenn sie einen haben." Er könne froh sein, dass die Raubkatze ihn nicht weiter an den Käfig zog oder den Arm komplett abriss.
Zudem hätten die Zirkusmitarbeiter schnell reagiert. "Der Tellerjongleur hat mir sofort mit seinem Gürtel den Arm abgebunden." Binnen Minuten sei der Notarzt eingetroffen. In der Querfurter Klinik verwiesen die Ärzte ihn wegen der Schwere der Verletzung nach Halle, ein Rettungshubschrauber transportierte Hegewald ins Uniklinikum. In einer zweistündigen Operation säuberten die Spezialisten die Wunde und zogen die Haut wieder zusammen.
Lindemann-Sperfeld sieht gute Chancen auf eine völlige Gesundung. "Komplikationen sind aber noch möglich." So sei abzuwarten, ob sich die Wunde infiziert - wegen Schmutz und Bakterien an den Tigerkrallen. Derzeit sieht es nicht danach aus. "Jetzt bin ich wieder fit", sagt Hegewald. Was mit dem Tiger passieren solle? Hegewald winkt mit dem unverletzten Arm ab. "Nichts. Das war doch normales Spielverhalten." Den Unfall nimmt er auf seine Kappe. "Ich bin zu nah hingegangen. Das ist so, als ob man sich an einen Hundezwinger lehnt, an dem 'Vorsicht bissig!' steht."