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Nach Affäre um Sportwetten  Lotto-Affäre: Nach Sportwetten-Affäre: Lotto-Chefs in Sachsen-Anhalt müssen gehen

In der Sportwettenaffäre um die Lotto-Chefs in Sachsen-Anhalt gibt es Neuigkeiten.

Von Hagen Eichler
Wurden wegen einer „Summe von Vorwürfen“ abberufen: die Lotto-Manager Maren Sieb und Ralf von Einem.
Wurden wegen einer „Summe von Vorwürfen“ abberufen: die Lotto-Manager Maren Sieb und Ralf von Einem. Foto: Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt

Magdeburg. - Die Geschäftsführer der landeseigenen Lottogesellschaft, Maren Sieb und Ralf von Einem, müssen ihre Posten räumen. Das hat der Aufsichtsrat beschlossen. Er zieht damit Konsequenzen aus einer seit Monaten schwelenden Affäre um Sportwetten. Bereits am Donnerstag erhielten die Manager ihre Abberufungsurkunden.

Unregelmäßigkeiten bei Lottoverkaufsstelle in Zerbst

Im Januar hatte eine MZ-Recherche aufgedeckt, dass um die Inhaberin einer Lottoverkaufsstelle in Zerbst (Kreis Anhalt-Bitterfeld) eine Gruppe von Spielern aktiv war, die bei der Sportwette Oddset extrem hohe Summen setzte und Wettgewinne in Millionenhöhe kassierte. Es besteht der Verdacht auf illegale Spieler-Absprachen. Die Führung im Magdeburger Lottohaus hatte die Geschäfte durch das Heraufsetzen des Limits gefördert.

Lotto-Aufsichtsratschef kritisiert mangelnde Informationen

Der Aufsichtsratschef von Lotto, Verkehrsminister Thomas Webel (CDU), begründete die Abberufung mit einer „Summe von Vorwürfen“. Die Vorkommnisse um die Großspieler von Zerbst wögen dabei am schwersten.

Webel warf der Lotto-Spitze vor, den Aufsichtsrat, die Glücksspielaufsicht sowie das Finanzministerium über die Vorkommnisse nicht informiert zu haben. Zudem hätten die Spieler von einem höheren Limit profitiert, „das so gar nicht vorgesehen war“.

Aufsichtsrat verzichtet auf fristlose Kündigung

Allerdings verzichtet der Aufsichtsrat auf eine fristlose Kündigung. Durch die Abberufung dürfen Sieb und von Einem zwar ihre Geschäftsführerfunktion nicht mehr ausüben. Allerdings laufen die Arbeitsverträge bis zu einer einvernehmlichen Vertragsaufhebung weiter. Bis dahin beziehen beide auch weiterhin ihr Gehalt: Sieb 175.000 Euro, ihr Kollege 139.000 Euro im Jahr.

Das Vertrauen des Aufsichtsrats zu den beiden sei weg, sagte Finanzstaatssekretär Rüdiger Malter, der den erkrankten Minister Michael Richter (CDU) im Aufsichtsrat vertreten hatte. „Es gibt aber nicht einen solchen Grad vertrauenszerstörender Handlungen, dass eine fristlose Kündigung in Frage kommt.“ Von der kommenden Woche an will das Finanzministerium über die Vertragsauflösung verhandeln. Dabei geht es vor allem um eine Abfindung.

Sieb und von Einem sollen Abfindungen erhalten

Diese werde sich auch an der Dauer der Betriebszugehörigkeit orientieren, sagte Staatssekretär Malter. Sieb ist seit 2012 Geschäftsführerin der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt, von Einem seit 2018.

Die Abfindung werde und könne das Unternehmen zahlen, sagte Malter: „Lotto ist eine ziemlich wohlhabende Gesellschaft.“ Allerdings räumte er ein, dass Mehrausgaben indirekt auch den Steuerzahler träfen. Lotto zahlt Steuern und Konzessionsabgaben an das Land.

Lotto sucht neuen Geschäftsführer

Der Aufsichtsrat hat zudem entschieden, dass die Lotto GmbH künftig von nur noch einem Geschäftsführer geleitet werden soll. Von dieser jahrelangen Praxis war der Aufsichtsrat 2012 abgewichen, als er mit Sieb eine Marketing-Fachfrau ohne kaufmännische oder juristische Ausbildung installierte und ihr einen Ökonomen als zweiten Geschäftsführer zur Seite stellte.

Ein Personalberatungsunternehmen soll demnächst mit der Suche nach einem neuen Geschäftsführer beauftragt werden. Kommissarisch wird die Lottogesellschaft weiterhin von Marko Ehlebe geführt, einem Mitarbeiter des Finanzministeriums und Diplomkaufmann.

AfD kritisiert späten Rauswurf

Der Vorsitzende des Lotto-Untersuchungsausschusses, Andreas Steppuhn (SPD), begrüßte die Abberufung. Vom Unternehmen werde dadurch weiterer Schaden abgewendet, sagte er. Auch könnten die Mitarbeiter wieder ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen.

Die AfD, die den Untersuchungsausschuss wegen Filzvorwürfen in die Wege geleitet hatte, nannte den Rauswurf richtig, aber zu spät. „Schon seit Januar ist bekannt, dass die Lotto-Führung über die Vorgänge in Zerbst im Bilde war“, sagte der AfD-Abgeordnete Jan Wenzel Schmidt. Zudem müsse auch der Vertrag des zuständigen Lotto-Bezirksleiters unverzüglich gekündigt werden. (mz)