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Game-of-Thrones-Star in Sachsen-Anhalt Game of Thrones: Tom Wlaschiha besucht Filmcamp am Arendsee

Von Nicolas Ottersbach 31.08.2016, 19:11
Game-of-Thrones-Star Tom Wlaschiha (Mitte) steht mit den Teilnehmern des Jugendfilmcamps vor der Kamera.
Game-of-Thrones-Star Tom Wlaschiha (Mitte) steht mit den Teilnehmern des Jugendfilmcamps vor der Kamera. Nicolas Ottersbach

Arendsee - Der Hollywood-Star fährt im 17 Jahre alten Alfa Romeo vor, der Probleme beim Anlassen hat. Im Jugendfilmcamp am Arendsee in der Altmark ist Tom Wlaschiha nicht mehr der unantastbare Filmstar, der als Killer Jaqen H’ghar in der US-Serie „Game of Thrones“ weltbekannt geworden ist. Er isst mit den Jugendlichen auf Bierbänken, putzt sich die Zähne in den Gemeinschaftsduschen und trägt eine Jacke aus der Requisite, weil er nichts anderes dabei hat. Er bietet einem Mädchen, dem es schlecht geworden ist, sein Bett im Wohnwagen an. Im Zelt hat er früher oft geschlafen, als er noch nicht erfolgreich war. „Aber so ein Filmcamp wie hier hätte ich mir damals gewünscht“, sagt Wlaschiha.

Das Jugendfilmcamp wurde 2013 von Schauspieler Norman Schenk gegründet, um junge Leute an die Filmkunst heranzuführen. Zehnmal gibt es im Sommer einwöchige Kurse für angehende Schauspieler, Kameraleute, Drehbuchautoren, Komponisten und Animatoren. Mitten im Wald, direkt am Arendsee. Eine abgeschiedene Insel für Künstler, die in umgestalteten Bauwagen und kleinen Hütten leben. Aber trotzdem auf professionelle Filmausrüstung zurückgreifen können, die es sonst nur gegen teure Miete gibt. Damals in der DDR, als Wlaschiha seine Liebe zum Film entdeckte, war das undenkbar. „Da warst du als Künstler ein Außenseiter, wusstest nicht, wo du hingehörst“, erzählt er.

„Doch selbst jetzt ist man immer noch ein Sonderling“, sagt Annemarie Winter. Die 19-Jährige kommt aus der Nähe von Stendal und verbringt ihre Sommer schon seit drei Jahren im Camp. Früher war das noch nicht in der Altmark, sondern bei Norman Schenk zu Hause.

Hier wurde Tom Wlaschiha entdeckt

Das Handwerk lernten die Jugendlichen von Beginn an bei erfahrenen Dozenten. Zum Beispiel bei Schauspielprofessor Bernd Guhr, der Anfang der 1990er Jahre an der Leipziger Theaterschule Wlaschiha entdeckt und auch Norman Schenk unterrichtet hat. Viele Profis, die im Camp lehren, haben in Leipzig gelernt.

Annemarie Winter will nicht in Leipzig, sondern in Magdeburg studieren. Der Entschluss dazu reifte im Filmcamp. Mittlerweile trägt sie fast immer einen Notizblock mit sich und schreibt ihre Beobachtungen auf. „Aus diesen Eindrücken entstehen dann Ideen für Drehbücher“, erzählt sie. Im Camp hat sie sich zuletzt die Szenerie notiert, als Thomas Wlaschiha ankam. Wie aus dem ehrfürchtigen „Herr Wlaschiha“ nur noch der „Tom“ wurde. „Hier stört es keinen, dass ich immer Notizen mache“, sagt Annemarie. Zu Hause in Stendal beschweren sich Freunde und Familie ständig darüber.

Im Filmcamp ist sie unter Gleichgesinnten. Wer sich die Teilnahmegebühr von knapp 350 Euro nicht leisten kann, bekommt Unterstützung. „Jeder soll mitmachen können“, sagt Norman Schenk. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die zwischen 16 und 26 Jahre alt sind, kommen größtenteils aus Deutschland, aber auch aus ganz Europa. Dieses Mal sind auch 15 Flüchtlinge unter den insgesamt 277 Teilnehmern, die sich in den Kursen auf zehn Wochen verteilen. Das Ergebnis sind 30 Filme, sechs Filmmusiken zehn Drehbücher und verschiedene Animationen aus dem Bereich der Spezialeffekte. Zum Schluss werden die Arbeiten auf einem eigenen Filmfestival präsentiert.

Vom Zeitdruck im Filmcamp

„Die Wochen hier schweißen zusammen und wecken Talente“, sagt Norman Schenk. Er ist jedes Mal begeistert, wenn er die Fortschritte sieht. Viele haben noch keine Erfahrung, gehen dann aber mit gutem Basiswissen nach Hause. Wer besser werden will, kommt wieder.

So wie Nils Walter (17) aus Berlin. Mit Unterbrechungen verbrachte er insgesamt drei Wochen am Arendsee. „Jede hat sich gelohnt“, sagt er. Obwohl er nie ausschlafen konnte und sich beim Videoschnitt die Nächte um die Ohren schlug. Denn auch wenn für die Produktion sieben Tage Zeit ist, gibt es permanenten Zeitdruck.

Ein Tag für das Schreiben des Drehbuchs, dann suchen sich die Autoren ihre Schauspieler aus, Kamerateams bilden sich. Dann müssen die Filme binnen Stunden geschnitten werden. „Sechs Minuten habe ich letztens in acht Stunden hinbekommen“, sagt Nils Walter. Eine gute Zeit mit einem guten Ergebnis, wie ihm seine Lehrer attestierten. Im nächsten Jahr will er noch besser werden. (mz)