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Umfrage im Saalekreis Umfrage im Saalekreis: Wird die Kugel Eis zum Luxus?

Von Michael Bertram und Diana Dünschel 15.03.2017, 06:00
Auch Ingo Ringmann hat nach der Winterpause wieder sein Eiscafé „Domino“ in Kötzschen geöffnet. Bei ihm bleiben die Preise stabil.
Auch Ingo Ringmann hat nach der Winterpause wieder sein Eiscafé „Domino“ in Kötzschen geöffnet. Bei ihm bleiben die Preise stabil. Peter Wölk

Merseburg - Die Temperaturen steigen und mit ihnen die Lust auf ein Eis. Doch nun ließ eine schlimme Nachricht aufhorchen. Der Preis für Vanille hat sich extrem erhöht. Zudem sind auch die Einkaufspreise für Milch, Kakao, Sahne und Pistazien gestiegen. Einige Eisdielen erhöhen daher den Kugelpreis.

Auch der in der Merseburger Gotthardstraße ansässige italienische Eishändler Christian Bianco hat angekündigt, womöglich bald zehn oder 20 Cent pro Kugel mehr zu verlangen. Eine endgültige Entscheidung soll im April fallen. Wird die Leckerei also bald zum Luxus? Nein, solche Befürchtungen muss niemand haben, wie eine Umfrage der MZ zwischen Günthersdorf und Querfurt ergab.

Preise für Eis: Letztlich ist wie immer der Geschmack ausschlaggebend

In der Eisdiele „Domino“ in Kötzschen, dem Eiscafé „Cappuccino“ auf dem Braunsbedraer Markt und im Eiscafé Hesse in Mücheln  haben sich die Inhaber trotz der erhöhten Einkaufspreise für die Rohstoffe entschieden, ihren Preis für eine Kugel Eis gegenüber 2016 nicht anzuheben. Der liegt nach wie vor zwischen 70 und 90 Cent, wobei dieser Preisvergleich hinkt, weil die Kugeln keine Einheitsgröße haben.

Letztlich ist also wie immer der Geschmack ausschlaggebend und ein gutes Gefühl dafür, was der Kunde noch bereit ist, auszugeben.

Eis im Saalekreis: Die Sorten Vanille, Schoko, Erdbeere und Stracciatella dürfen nie fehlen

Dietrich Hesse setzt in Mücheln nach wie vor auf das Eis-Hausrezept seiner Oma und seine fast 40-jährige Erfahrung in der Branche. An Bewährtem hält er fest. Die Sorten Vanille, Schoko, Erdbeere und Stracciatella dürfen nie fehlen. Carmen Stahr hat ihr Eiscafé auf dem Braunsbedraer Markt erst kürzlich nach der Winterpause wiedereröffnet. Fast 20 verschiedene Eissorten gibt es bei ihr täglich, darunter seit 2016 die bei Kunden sofort beliebte Zartbitterschokolade.

Damit liegt Carmen Stahr übrigens voll im Trend: Uniteis, der Verband der handwerklich arbeitenden Speiseeishersteller in Deutschland, hat auf der 57. Internationalen Speiseeismesse Zartbitterschokolade als das Eis des Jahres 2017 für den deutschen Markt vorgestellt.

Eishändler in Merseburg: Die Zutaten machen nur etwa ein Drittel der laufenden Kosten aus

Wer es stattdessen fruchtig und regional mag, ist bei Ingo Ringmann  im Eiscafé „Domino“ in Kötzschen richtig. Wenn er die Sorten Pflaume, Quitte oder Sauerkirsche anbietet, können sich die Kunden sicher sein, dass das Obst in der Umgebung gepflückt wurde.

Doch es sind nicht nur die gestiegenen Preise für Zutaten, die die Eisproduzenten von Saison zu Saison jedes Mal neu kalkulieren lassen, ob ihr Kugelpreis noch stimmt. „Die Zutaten machen nur etwa ein Drittel der laufenden Kosten aus“, erklärt der Merseburger Eishändler Christian Bianco. Deutlich gestiegen seien in den vergangenen Jahren nämlich auch die Kosten für Miete, Strom und Löhne.

Eishändler in Merseburg: Wir finden keine deutschen Mitarbeiter, die auch am Wochenende hinter der Theke stehen wollen

„Wir finden keine deutschen Mitarbeiter, die auch am Wochenende hinter der Theke stehen wollen, deshalb haben wir ausländische Kräfte, die von uns auch Kost und Logis erhalten“, sagt Bianco. Und das treibe die Kosten neben dem Mindestlohn zusätzlich in die Höhe, wie er betont.

Die Sprecherin des Verbandes Uniteis, Annalisa Carnio, nimmt die Eisverkäufer in Schutz. „Echtes italienisches Eis ist ein Qualitätsprodukt - das hat seinen Preis“, erklärt sie.

Vergleiche mit der günstigen Kugel aus der Supermarkt-Tiefkühltruhe verbieten sich ihrer Meinung daher auch. „Außerdem ist das Preis-Leistungs-Verhältnis in Deutschland hervorragend“, meint Carnio und verweist auf Länder wie Frankreich, Spanien oder Italien, wo die Kugel schnell einmal drei Euro oder mehr kostet. (mz)