Jahrhunderte alte Tradition Streuobstwiese in Bad Dürrenberg: Raimar Ködel belebt Jahrhunderte alte Tradition wieder auf

Bad Dürrenberg - Ein bisschen versteckt, abseits der Straßen und der Stadt liegt in Bad Dürrenberg eine kleine Oase. Zwischen dem satten Grün einer natürlichen Wiese stehen Hunderte Obstbäume - zumeist Pflaumen, Äpfel und Birnen reihen sich dort aneinander, aber auch Mirabellen, Kirschen und Walnuss-Bäume. Seit kurzem wachsen dort Quitten und etwa einhundert neue Obstbäume wurden gepflanzt.
Streuobstwiese in Bad Dürrenberg: Raimar Ködel belebt jahrelang ungenutzte Wiese wieder auf
Seit zwei Jahren betreibt Raimar Ködel als Pächter die Streuobstwiese nahe der Saale auf der Kirchfährendorfer Seite. Der Besitzer Hans Boldt aus Merseburg unterstützt Ködel bei dem Projekt, die 9,5 Hektar große Fläche wieder als Streuobstwiese zu nutzen, nachdem sie lange ungenutzt blieb.
Für den Schkopauer Ködel ist es eine Passion und er wünscht sich, den Lebensraum Streuobstwiese als Teil der Kulturlandschaft zu erhalten. „Die Bäume werden nicht gedüngt und es werden keine Pestizide benutzt“, erklärt er. Vielmehr wolle er den Lauf der Natur nur soweit beeinflussen, wie es nötig ist. „Zweimal im Jahr wird die Wiese gemäht.“
Streuobstwiese in Bad Dürrenberg: Im Herbst werden die Äpfel von Hand gepflückt
Darüber hinaus ist die Fläche beweidet und die über 700 Bäume werden im Herbst zurückgeschnitten. Ködel hat nicht etwa vor zwei Jahren mit jungen Bäumen angefangen, vielmehr stehen einige Bäume dort schon seit vielen Jahrzehnten. Wie alt genau sie sind, sei schwer zu schätzen, da sie auch über einige Zeit nicht gepflegt wurden.
Über das Jahr hinweg soll die Streuobstwiese wenig Arbeit machen, dafür werden die Früchte im Herbst von Hand gepflückt. Und das Obst wird in der Region verarbeitet, so dass am Ende Saft oder Brände entstehen. „Derzeit kann man die Produkte nur über mich direkt kaufen, aber bald sollen sie auch in der Touristinformation angeboten werden“, so Ködel.
Streuobstwiese in Bad Dürrenberg: Geld verdienen kann Raimar Ködel nicht
Für den Handel sei das Obst allerdings nicht gedacht: „Es würde nicht den heutigen Ansprüchen der Optik von Tafelobst entsprechen.“ Auskömmlich ist die Arbeit mit der Streuobstwiese freilich nicht, vielmehr investiert Ködel viel Zeit und Geld in sein Projekt. „Man kann es aber auch mit Patenschaften für einzelne Obstbäume etwas unterstützen“, wirbt er.
Mit der Streuobstwiese führt Ködel eine Jahrhunderte alte Tradition fort, wie ihm anfangs gar nicht bewusst war. Auf historischen Karten ist ersichtlich, dass die Streuobstwiese in Kirchfährendorf bis zum Saaledurchstich im Jahr 1810 rechts der Saale zur Dürrenberger Seite lag. Obst werde dort nachgewiesenermaßen seit mehr als 200 Jahren angebaut, sagt Bürgermeister Christoph Schulze (CDU), der das Projekt befürwortet.
››Informationen online auf der Internetseite: www.obstbaumpatenschaften.de (mz)