Radsport Radsport: 100 Kilometer pro Tag auf dem Fahrrad
KLOBIKAU/MZ. - Eigentlich wollte Bernd Kessler nur etwas für seine Gesundheit tun. "Vor knapp drei Jahren habe ich fast 130 Kilo auf die Waage gebracht", sagt der Milzauer, der am Mittwoch seinen 60. Geburtstag feiert. Aber auf welche Art die überflüssigen Pfunde loswerden? Anfangen Sport zu treiben, war die Antwort.
Aus dem hintersten Winkel der heimischen Garage kramte er ein altes Mountainbike hervor. An alte Zeiten wollte er mit dem betagten Drahtesel zu dem Zeitpunkt noch nicht anknüpfen. Bernd Kessler hat es nämlich Anfang der 70er zu einigen beachtlichen Erfolgen als Radsportler gebracht. Ein Bild in den eigenen vier Wänden erinnert noch heute an diese Zeit. Ehemalige Radsportgrößen und Weltmeister wie Uwe Unterwalder, Thomas Huschke sowie Klaus Grünke sind auf dem Schwarz-Weiß-Foto zusammen mit Kessler zu sehen.
"Wir vier sind damals für den TSC Berlin DDR-Meister in der Mannschaftsverfolgung auf der Bahn geworden", erklärt Bernd Kessler. Zu jener Zeit gehörte er auch der DDR-Nationalmannschaft an und zählte sogar zum Olympiakader. Bei den Olympischen Spielen von München ging er nicht an den Start, die Erfolgsserie riss im weiteren Karriereverlauf aber nicht ab. 1972 belegte er zusammen mit dem aus Halle stammenden Gunter Hoffmann den dritten Platz bei nationalen Titelkämpfen. Auch auf der Bahn, im Zweier-Mannschaftsfahren - wie man es vom Sechstagerennen kennt -, gelang der Medaillengewinn.
Dem Leistungssport ade sagte Kessler schließlich Mitte der 70er. Sein Weg führte ihn zurück in die Heimat. Familie, Arbeit, Haus und Grundstück beanspruchten fortan seine Zeit. Bis zu jenem erschreckenden Moment auf der Waage. Heute, knapp drei Jahre später, ist aus dem Über- wieder Normalgewicht geworden. "Der Sport hat mir gleich wieder richtig Spaß gemacht. Da habe ich mich schnell dazu entschlossen, mir ein neues Rennrad zu kaufen." Weil alles gut lief, bestritt er im gleichen Jahr die ersten Rennen bei den Senioren.
Mehr als 100 Kilometer pro Tag beträgt das Trainingspensum des Milzauers. Durchs Saaletal in Richtung Friedeburg fährt er regelmäßig, aber auch im Geiseltal findet er mittlerweile seine Lieblingstrainingsstrecken. Dass einem auch im Seniorensport nichts geschenkt wird, stellte Kessler vor allem bei den Seniorenweltmeisterschaften im Österreichischen St. Johann fest. In seiner Altersklasse muss er gleich zwei Mal einen Kilometer langen und bis zu elf Prozent steilen Anstieg bewältigen.
Im Juni wurde Kessler in Tschechien Achter bei den Senioreneuropameisterschaften. Wenige Wochen später gewann er den großen Preis der Stadt Dessau in seiner Altersklasse und konnte dort sogar den Wernigeröder Hans-Peter Grünig abhängen. "Der ist seit Jahren einer der Stärksten und war auch schon Seniorenweltmeister", betont Bernd Kessler, der deshalb noch motivierter die diesjährigen Titelkämpfe im August in Angriff nehmen wird. "Ein Platz auf dem Podium wäre schön."