Lebensgefahr im Südpark Lebensgefahr im Südpark: Auch andernorts gibt es nun Sperrungen wegen Bäumen

Merseburg/Querfurt - Langsam schreitet Uwe Kowalski, der Chefgärtner der Stadt Merseburg, am Montagmorgen zusammen mit zwei Mitarbeitern einen der Hauptwege im Südpark entlang. Immer wieder richten sie ihre Blicke nach oben, studieren die Bäume und ihre Äste, die teils über den Weg ragen. Mit einem farbigen Spray werden Markierungen gesetzt. Die Gesten des Sachgebietsleiters Grünflächen lassen erahnen, das einiges an Arbeit auf ihn und seine Kollegen zukommt.
Besucher des Südparks können die Männer nur aus der Ferne beobachten, denn diese bewegen sich in einem abgesperrten Bereich. Der Grund dafür ist tragisch: Am Wochenende war in Höhe der Eselanlage ein Baum umgestürzt und hatte zwei Kinder getroffen. Beide erlitten nach MZ-Informationen Frakturen an Beinen und Schädel.
„Unsere Mitarbeiter sind gerade dabei, den umgestürzten Baum näher zu untersuchen“
Kowalski will sich am Montag nicht zu dem Unglück und den Folgen äußern, verweist auf den Leiter des Grünflächenamts, Gerd Heimbach. „Unsere Mitarbeiter sind gerade dabei, den umgestürzten Baum näher zu untersuchen und auch andere Bäume an den Wegrändern auf ihre Sicherheit zu überprüfen“, sagt Heimbach. Bereits kurz nach dem Vorfall vom Wochenende wurde allerdings schon klar, dass der Baum, der bei einer Sturmböe nachgab und umkippte, von einem Pilz befallen gewesen sei.
Dies könnte schließlich auch die Ursache für das Umstürzen gewesen sein. „Der Baum war innen bereits so weich wie Moos“, sagte Heimbach, der jedoch betonte, dass es von außen keinerlei Anzeichen für eine solch akute Gefahr für Besucher des Südparks gegeben hätte.
Jedes Jahr überprüft die Stadt ihre rund 25.000 Bäume
Nicht nur das Grün in den Städten und Gemeinden im Saalekreis leidet unter der Dürre. Auch den Bäumen im größten Waldgebiet, dem Ziegelrodaer Forst, drohen immense Schäden. Zu den bereits abgestorbenen Fichten und Lärchen kommen nun vor allem Buchen hinzu, die verdurstet sind. Wer durch den Wald spaziert oder sein Auto am Rand parkt, der geht derzeit besondere Gefahren ein. Denn jederzeit könnten tote Äste herabfallen und Schäden verursachen. Gerade an windigen Tagen rät das Forstamt, von Waldbesuchen ganz abzusehen.
Eine weitere negative Auswirkung der Trockenheit ist die Ausbreitung des Borkenkäfers. Das Wetter hat die Entwicklung des Schädlings begünstigt. Er konnte sich rasant vermehren. Mehrere Tausend Festmeter Bäume hatte er im Süden Sachsen-Anhalts allein schon im vergangenen Jahr vernichtet. Mit dem Ziel, die Massenausbreitung abzumildern und den vorhandenen Nadelholzbestand zu schützen, haben die südlichen Reviere dem Borkenkäfer den Kampf angesagt. Befallenes Holz wird abtransportiert. Auch werden spezielle Fallen erprobt.
Jedes Jahr überprüft die Stadt ihre rund 25.000 Bäume nicht nur auf Standsicherheit, sondern auch, ob tote Äste herunterfallen und Menschen verletzten könnten. „Da es am Samstag zeitweise stürmisch war, wird an den Schwerpunkten nun auch geschaut, ob Äste vorsorglich entfernt werden müssen, um eine weitere Gefährdung auszuschließen.“ Wie lange Teile des Parks gesperrt bleiben, war unklar.
Am Montagnachmittag hatte sich Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) auf den Weg ins Uniklinikum Halle gemacht, um die verletzten Jungen zu besuchen. In Gesprächen mit ihnen und ihren Eltern sicherte er zu, dass man in Kontakt bleibe. „Ihnen geht es den Umständen entsprechend gut, aber sie müssen wohl noch etwas länger im Krankenhaus bleiben“, sagte Bühligen nach seinem Besuch der MZ.
„Auch am Querfurter Stadtpark ging die Trockenheit nicht spurlos vorbei“
Während in Merseburg ein Pilz womöglich das Unglück ausgelöst hat, sorgt andernorts die anhaltende Trockenheit für Gefahr und weitere Sperrungen. „Auch am Querfurter Stadtpark ging die Trockenheit nicht spurlos vorbei“, erklärte Querfurts Bürgermeister Andreas Nette (parteilos). Schäden seien festgestellt worden, Teile des Parks wurden gesperrt, bis die Gefahren beseitigt sind. „Sicherheit geht vor“, betont er. Auch die Bäume auf dem Friedhof werden beobachtet.
Ein großes Sorgenkind ist zudem der 60 Hektar große Stadtwald Querfurts. Die dort festgestellten Schäden bezeichnete Nette als dramatisch. „Neben Sturmschäden und der darauffolgenden Trockenheit machen auch Krankheiten den Bäumen zu schaffen“, erklärte er. (mz)