Landschaftspark Altenstein Landschaftspark Altenstein: Mammutbaum und Sommerresidenz von Herzögen

Bad Liebenstein/ddp. - 25 Menschen hat er gerade durch den LandschaftsparkAltenstein in Südthüringen geführt. Er hat heute die kurze Routedurch das 160 Hektar große Areal gewählt. Vorbei am ältestenMammutbaum Thüringens, hin zu der zwischen zwei Felsen hängenden«Teufelsbrücke», dem zehn Meter hohen Wasserfall und der neugotischenRitterkapelle. Höhepunkt der Führung ist jedoch das steinerne SchlossAltenstein - gestaltet im englischen Stil der Spätrenaissance - dasden Herzögen von Sachsen-Meiningen als Sommerresidenz diente.
Hundert Mal im Jahr führt Weinberg Besucher über das Gelände, dasheute zur Stadt Bad Liebenstein gehört. Seit 1994 ist er Vorsitzenderund eines von derzeit 55 ehrenamtlichen Mitgliedern des«Fördervereins Altenstein». Weinberg ist im Nachbardorf großgeworden, schon immer sei er fasziniert gewesen vom Altenstein. Heuteorganisiert er mit seinen Vereinskollegen nicht nur die Führungen,sondern auch Konzerte, Vorträge und Feste auf demgeschichtsträchtigen Gelände.
1798 wurde Altenstein zum herzoglichen Sommersitz, zugleich legteHerzog Georg I. den Grundstein für den Natur- und Landschaftspark.Weg vom barocken Garten, zurück zur Natur, sei dabei das Mottogewesen, sagt Weinberg. «So ein englischer Garten in einerMittelgebirgslandschaft ist einzigartig.» Die Besucher seien vorallem von der Aussicht begeistert, die die verschiedenen Sichtachsenim Park ermöglichen: von den Vorhöhen des Thüringer Waldes in dasWerratal bis hin zu den Bergen der Thüringer Rhön. Ab 1840 wurde dieAnlage zu einem klassischen Landschaftspark umgestaltet. An denPlanungen war laut Weinberg unter anderem Fürst Hermann vonPückler-Muskau, der «Gartenpapst» des 19. Jahrhunderts, beteiligt.
Neben dem Park habe auch das Schloss Altenstein als «englischesSchloss im Thüringer Wald» Seltenheitswert. 1888 ließ Herzog GeorgII. ein 1736 errichtetes, schlichtes Barockschloss umgestalten. AlsVorbild dienten ihm dabei englische Landhäuser, von deren Stil ersich auf seinen Reisen nach England inspirieren ließ. Bis zu ihrerEntmachtung 1918 war das Schloss herzogliche Sommerresidenz. Nachdemdas Land Thüringen den Altenstein 1942 gekauft hatte, diente es unteranderem als Erholungsheim für Offiziere, als Schulungs- undErholungsheim für die Handwerkskammern Thüringen und beherbergte eineForstfacharbeiterschule. 1995 ging Altenstein in die StiftungThüringer Schlösser und Gärten über.
«Unter den 31 Objekten, die die Stiftung verwaltet, spieltAltenstein eine wichtige Rolle», sagt Sprecherin Susanne Rott. Dasliege auch an dem Park, Rott zufolge eine der bedeutendsten Anlagenin Thüringen. «Hier verschmelzen Park und Landschaft zu einem Ganzen,das macht das Besondere dieser Anlage aus.» Derzeit kümmern sich fünffestangestellte Mitarbeiter um den Park, als Landschaftsgärtnerinarbeitet Margret Most seit 2002 auf dem Altenstein. Ihr ganzer Stolzist das sogenannte Teppichbeet direkt vor dem Schloss. Für dieGestaltung wertet sie jedes Jahr alte Postkarten aus, um Beetmusteraus dem Jahr 1900 nachzubilden. Rund 6000 Pflanzen benötigt Mostdafür.
Um Altenstein für Besucher noch interessanter zu machen, laufendie Planungen für die Sanierung des Schlosses, dessen Inneres beieinem Brand 1982 zerstört wurde. In dem Festsaal im Obergeschosssollen künftig Konzerte, Lesungen und Tagungen stattfinden, sagtSusanne Rott. Geplant sei außerdem eine Brahms-Gedenkstätte.«Schließlich ist der Komponist mehrfach auf Altenstein gewesen undhat dort für Herzog Georg II. und seine Ehefrau gespielt.» ImErdgeschoss sei eine gastronomische Einrichtung geplant. Die Kostenfür die Sanierungsarbeiten belaufen sich Rott zufolge auf mindestensfünf Millionen Euro.
Horst Weinberg kann das Ende der Arbeiten kaum erwarten. «JedesJahr kommen etwa 150 000 Besucher nach Altenstein», sagt er. Nach derSanierung werde sich die Zahl hoffentlich verdoppeln. Doch auch wenner bis dahin noch einige Jahre warten muss - langweilig wird ihmnicht. Die nächste Besuchergruppe wartet schon.

