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Hilfsaktion Hilfsaktion: Mit Schmuckstück wird Coswiger Familie Gens unterstützt

Von Ilka Hillger 11.07.2016, 15:29
Für den behinderten Domenik Gens wurde die Baumbank beim Gewerbefest in Coswig versteigert.
Für den behinderten Domenik Gens wurde die Baumbank beim Gewerbefest in Coswig versteigert. Thomas Klitzsch

Coswig - Die Bank ist ein Schmuckstück, und eigentlich fehlt ihr nur noch der Baum in der Mitte. „Da finden wir einen sehr schönen Platz hinter dem Amtshaus. In den Mittagspausen setze ich mich auch mal hin.“ Doris Berlin ist glücklich mit der kreisrunden Sitzgelegenheit in deren Mitte die Aussparung für den Baum ist. Bis in die Ansprache der Coswiger Bürgermeisterin schaffte es die Bank, als Berlin am Samstag das 11. Gewerbefest der Stadt eröffnete. „Es ist einfach eine tolle Idee, die die Azubis und Lehrmeister da hatten“, sagt Berlin und Michael Brett erklärt die Idee.

Die Baumbank wird beim Fest in einer Mischung aus Versteigerung und Spendenaktion vorgestellt. Zur Mittagszeit, so Brett, Leiter der Metallausbildung am BBZ Elbe, standen schon 800 Euro auf seiner Liste. „Das wird vierstellig“, ist der Ausbilder sicher und hofft auf weitere spendable Unternehmer.

Die Baumbank, für die vor allem Unternehmer eine Spende gaben, ist ein Gemeinschaftswerk. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem BBZ Elbe und der Feldbinder Spezialfahrzeuge GmbH, deren 50 Auszubildende das BBZ besuchen. „Elf Lehrlinge aus allen drei Lehrjahren hatten damit zehn Tage zu tun“, sagt Ausbilder Michael Brett. „Sie haben einen guten Job gemacht, und man sieht, dass es handwerklich hergestellt ist“. Während Feldbinder die Kosten fürs Material trug, finanzierte Schwörer-Haus das Verzinken.

Gedacht, so Michael Brett, ist der Spendenerlös für die junge Familie Gens. „Als Azubi bei Schwörer-Haus kommt Michel Gens auch zu uns ins BBZ und wir wurden auf das Schicksal der Familie aufmerksam“, erzählt Brett.

Der 25-jährige angehende Industriemechaniker beginnt in wenigen Wochen das dritte Lehrjahr; er und seine Ehefrau Jaqueline kümmern sich liebevoll um den dreijährigen Sohn Domenik, der mit einer Behinderung aufwächst. „Das Geld möchten wir für den behindertengerechten Umbau des Autos verwenden“, sagt der junge Mann. „Diese Hilfsaktion hat uns wirklich überrascht und sehr gefreut. Jeder Euro hilft“, meint er und kann sich mit seiner kleinen Familie am Ende über 1500 Euro freuen.

„Das ist eine tolle Geschichte, die in dieser Form gerne zur Tradition werden kann“, findet auch Bürgermeisterin Berlin, als sie zur Mittagszeit den offiziellen Rundgang von Stand zu Stand beim Gewerbefest der Interessengemeinschaft Industrie und Gewerbe absolviert. Um die 50 Stopps müssen sie und die Vertreter der Stadt und des Landkreises dabei einlegen. So viele Aussteller wie diesmal hatte das Gewerbefest noch nie.

Neu in der Runde ist das FPS Service Center von Mathias Hennig. Für seine Maschinen hat er einen Platz an der Wiese gefunden. Da steht der Unternehmer mit seinen Rasenmähern genau richtig und lässt das neueste automatische Modell die Arbeit verrichten. Hennig wurde bei der Wittenberg Messe für die Teilnahme gewonnen und hat seine Zusage nicht bereut. „Es gibt viele Anfragen und Interessenten. Ich bin zufrieden“, sagt er. Neben Rasenmähern in allen Variationen bietet er auch Bewässerungstechnik und Sicherungstechnik für Transporte an.

Annette Hennig hat auf den ersten Blick erkannt, was das Coswiger Gewerbefest ausmacht. „Es ist toll, wie familiär hier alles ist. Das beschränkt sich nicht nur auf das Gewerbe, sondern ist mit all den Angeboten etwas für die ganze Familie. Vereine sind mit dabei, es gibt Unterhaltung für Kinder. Alles für einen schönen Tag“, sagt sie.

Den machen sich die Coswiger wie in jedem Jahr Mitte Juli. Das Polizeifahrzeug wird inspiziert, der Hubsteiger hebt Kleine und Große in die Luft und in perfekte Höhe für ein Erinnerungsfoto vom Gewerbefestgelände. Gleich am Eingang stehen die polierten Autos vom Autohaus Faust, auch ein Neuling unter den Ausstellern. „Wir stehen hier in der ersten Reihe. Das gefällt uns gut“, sagt Franka Faust.

Ein paar Schritte weiter hat Hartmut Siegert seinen Stammplatz mit dem Zelt von Schwörer-Haus. Hier gibt der Betriebsleiter selbst die Infos. Siegert hat Weckgläser auf dem Tisch versammelt. Exklusiv verrät er die Zutaten für Zementspanplatten, die das Coswiger Unternehmen für die Fertighausproduktion herstellt. Sieben Dinge ergeben die Mischung; Holzspäne, Gips und Schnellzement sind mit dabei. „Wir arbeiten an der Leistungsobergrenze“, erzählt er den Besuchern an seinem Stand.

An die eigenen Grenzen kann die Besucher des Gewerbefestes aber auch ein Automat bringen, den die TSV Griebo mit nach Coswig gebracht hat. Der Tischtennis-Roboter des Sportvereins spuckt Ball um Ball auf die Platte und lässt Gegnern keine Verschnaufpause. „Den benutzen wir vor allem fürs Kinder-Jugendtraining“, sagt Dirk Marquardt, der die Abteilung Tischtennis leitet. Dass das Training mit Roboter was bringt, zeigt die Bilanz des TSV, der mit der neunjährigen Laura Bernhard eine Landesmeisterin in den Reihen hat und sich am 31. Juli mit einem Tag der offenen Tür vorstellt.

In Coswig jedoch stellen sich zur Mittagsstunde die Mädchen und Jungen der Stadt mit ihrem Bühnenprogramm vor. Rund ums Rednerpult wird gesungen und getanzt, der Helikopter hebt zu Rundflügen ab und der Hubsteiger schiebt sich auf Aussichtshöhe. Gewerbefest Nummer 11 hat auch nach dem Jubiläumsjahr nicht nachgelassen. (mz)