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Aufreger Aufreger: Toter Hund, Mist vor Rathaus, Kadaver eines Hirschs - ungesühnt!

Von Michael Hübner 27.05.2016, 09:25
Die Misthaufen wurden direkt vor der Tür des Rathauses abgeladen.
Die Misthaufen wurden direkt vor der Tür des Rathauses abgeladen. Stadtverwaltung Gräfenhainichen

Wittenberg - Die MZ-Leser sind empört:. Da wird ein toter Hund aus der Elbe geborgen - und das zuständige Landratsamt Nordsachsen verzichtet auf das Einschalten der Polizei. Vor dem Gräfenhainichener Rathaus kippen Unbekannte Mist ab und hinterlassen eine politische Botschaft. Das Ordnungsamt aber unternimmt nichts, weil der Bürgermeister auf einem Drei-Tages-Seminar weilt.

Für erhebliches Aufsehen sorgt auch das verwahrloste, vermüllte Haus, das jetzt in Globig entdeckt wurde, darin lebte ein elfjähriges Mädchen mit seiner Oma, die das Sorgerecht für sie besitzt (MZ berichtete). Nicht zuletzt bei Facebook fordern Leser, das Jugendamt möge schnell reagieren.

Nach Auskunft von Vizelandrat Jörg Hartmann (CDU) geschieht das auch: „Ich kann bestätigen, dass die Informationen, die uns erreicht haben, geprüft werden“, sagte er. Das Amt werde nun Informationen sammeln - etwa in Schule oder Nachbarschaft und Hilfsangebote unterbreiten.

Ort: Prettin, Fall: Berner Sennenhund

Das ist ein Schock für die Kameraden der Prettiner Feuerwehr: Sie bergen am Dienstag ein verschnürtes Paket aus der Elbe. Der Inhalt ist ein grauenvoller: ein toter Berner Sennenhund. Auf den ersten Blick wurden dem Vierbeiner die Pfoten zusammengebunden. Der Landkreis Nordsachsen verzichtet auf eine Strafanzeige. Pressesprecher Rayk Bergner hisst die weiße Fahne. Er befürchtet, dass Ermittlungen ins Leere laufen würden.

In Anbetracht des Verwesungszustandes des Kadavers teilt Marcus Benedix diese Auffassung. Wittenbergs Polizeichef sagt aber auch: „Wir hätten ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Tierquälerei eingeleitet.“ Zuständig sind aber eben die Beamten in Sachsen. Die Polizeidirektion in Leipzig bestätigt die Auffassung des Wittenberger Revierleiters. „Wir wurden tatsächlich offiziell nicht informiert“, so Polizeisprecher Alexander Bertram.

Die Beamten haben sich aber trotzdem der Sache angenommen. Ein Amtstierarzt untersucht das Tier. Der Vierbeiner sei „aller Wahrscheinlichkeit an Altersschwäche“ verendet, so sein Urteil. Die Pfoten seien auch nicht zusammen gebunden gewesen. „Das sah nur so aus. Das Fell hat sich um die Pfoten gewickelt “, so Bertram. „Es liegt keine Straftat vor, sondern eine illegale Tierkörperbeseitigung. Das ist eine Ordnungswidrigkeit“, so die Einschätzungen des Leipzigers.

Damit ist wieder der Landkreis Nordsachsen zuständig. Die Befürchtungen der MZ-Leser sind nicht zu entkräften: Wenn nicht ein Wunder geschieht, bleibt der Fall ungesühnt!

Ort: Söllichau,Fall: Hirschkuh

Ein Söllichauer meldet dem Landkreis den Kadaver einer Hirschkuh an der Grenzweghütte - erlegt in der Schonzeit.

Ein Revierförster wird vom Kreis beauftragt, sich der Sache anzunehmen. Doch der Mann findet nichts! Der Vorfall ist im Internet mit Bildern dokumentiert. Auch die MZ hat ein Foto von der - und das ist unstrittig - Straftat veröffentlicht. Doch der Kreis schaltet die Polizei nicht ein. Das Abschlachten des Tieres und das Ablegen an einem Wanderweg bleiben ungesühnt!

Ort: Gräfenhainichen, Fall: Politischer Mist

Gräfenhainichens Bürgermeister Enrico Schilling (CDU) hat am Donnerstag nach der Beendigung seines Kurs mit der Faust aus den Tisch gehauen: „Natürlich ermitteln wir!“

Unbekannte hatten in der Samstagnacht drei Schubkarren Mist vors Rathaus mit der politischen Botschaft „Integration ist...“ abgekippt. „Zum Glück haben wir das rechtzeitig entdeckt. So bemerkte ein Paar an seinem schönsten Tag auf dem Weg zum Standesamt nichts von dem Vorfall“, so Schilling. Der Mist übrigens sei ein ganz spezieller. Mehr wolle er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten. (mz)