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Investition Flugplatz Ballenstedt: Neue Flugzeughalle soll in einigen Jahren von Flugschule genutzt werden

Von Benjamin Richter 08.06.2019, 12:55
Das hölzerne Gerüst steht, in Kürze kommt das Dach drauf: In Ballenstedt baut ein Vater für seinen Sohn - und das Rockharz-Festival - einen Hangar.
Das hölzerne Gerüst steht, in Kürze kommt das Dach drauf: In Ballenstedt baut ein Vater für seinen Sohn - und das Rockharz-Festival - einen Hangar. Richter

Asmusstedt - Schon von Weitem können Autofahrer sehen, dass auf dem Flugplatz Ballenstedt etwas Neues entsteht. Das lässt der mehr als 30 Meter hohe Autokran auf dem Gelände schon von Badeborn aus erkennen. Wer genauer hinsieht, dem fällt darunter auch bereits ein hellbrauner Kasten auf, der in den vergangenen Wochen neben der alten Flugzeughalle entstanden ist.

Bis Ende März wehten hier, wie auf der übrigen Flugwiese bei Asmusstedt, noch die Grashalme im Frühlingswind. Es handelt sich bei dem schon sichtbaren Neubau um das Holzgerüst eines Hangars, der künftig das Angebot des privat geführten Platzes erweitern soll.

„Ende Juli oder Anfang August sollte der Hangar fertig sein

„In dem Hangar wollen wir unsere Flugzeuge unterbringen“, erklärt Sven Eggert. „Wir“, das sind er und sein Sohn Toni. Zwei Flugzeuge besitzen die beiden zurzeit, ein drittes soll wahrscheinlich bald dazukommen, wie der Bauunternehmer verrät. Mit seinem Zimmerei- und Gerüstbaubetrieb stemmt der Ilsenburger einen Großteil des Bauprojekts selbst.

„Deshalb bin ich auch fast jeden Tag mit auf der Baustelle“, merkt der 51-Jährige an und wirft vor der Mittagspause in der Gaststätte „Zum Fliegerhorst“ einen prüfenden Blick auf den Rohbau. Auf dem fertigen Holzgerüst will er nun demnächst das Dach anbringen und die Tore einsetzen.

„Ende Juli oder Anfang August sollte der Hangar fertig sein“, schätzt Sven Eggert. Außer seinem Betrieb sind an dem Bauprojekt eine Tiefbaufirma und ein Asphaltbauunternehmen beteiligt.

Sven Eggert und sein Sohn sind seit rund sechs Jahren in Ballenstedt aktiv

Bisher hatten die Eggerts ihre Flieger in der alten Flughalle nebenan untergebracht. „Aber es ist immer mal vorgekommen, dass beim Rein- und Rausfahren an den Flugzeugen etwas kaputtging“, schildert der Bauherr. Gravierend seien die Schäden zwar selten gewesen, aber es gebe einem noch einmal ein anderes Sicherheitsgefühl, die Flugzeuge in einem eigenen Hangar stehen zu haben.

Seit rund sechs Jahren sind der Vater und sein flugbegeisterter Sohn auf dem Flugplatz aktiv und fliegen etwa bei Veranstaltungen wie dem jährlichen Flugtag zu Christi Himmelfahrt mit. Den Bau des Hangars, der 250.000 Euro plus Steuern kosten soll, verstehen sie auch als langfristige Bindung an den Standort.

Toni Eggert will eine Flugschule in Ballenstedt gründen

Denn Toni Eggert hat in Ballenstedt etwas vor. Der Rennrodler, der 2018 bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang mit Teamkollege Sascha Benecken Bronze im Doppelsitzer holte, möchte nach seiner Karriere auf dem Schlitten ins Flugzeug umsteigen. „Bis zu den nächsten Olympischen Winterspielen in Peking in drei Jahren macht er noch weiter“, erklärt sein Vater.

Der Plan des heute 31-Jährigen: Er möchte von Ballenstedt aus eine Flugschule betreiben. „Das ist die Zukunft, die sich Toni ausgesucht hat“, sagt Sven Eggert. Dass die Familie die Voraussetzungen dafür auf dem Flugplatz bei Asmusstedt schafft, habe praktische Gründe: „Von uns aus ist das hier einfach der nächstgelegene vernünftige kleine Flugplatz.“

An die Zukunft des Start- und Landeareals im Schatten der Gegensteine glaubt auch Uwe Gröschler, Geschäftsführer der Flugplatz Ballenstedt-Harz GmbH. Die Gesellschaft richtete in diesem Jahr erstmals den Flugtag zu Himmelfahrt aus, den zuvor der Motorflugverein Ballenstedt mehr als zwei Jahrzehnte lang organisiert hatte.

„Es ist schön zu sehen, dass sich Leute dafür entscheiden, auf dem Flugplatz zu investieren“, sagt Gröschler. So seien auch in den kommenden Jahren die zahlreichen Veranstaltungen und Flugwettbewerbe auf dem Platz möglich. 15 Events stehen in diesem Jahr auf dem Plan.

Mindestens eine der Großveranstaltungen soll direkt von dem neuen Hangar profitieren: das Anfang Juli stattfindende Rockharz-Festival. „Die Rockharz-Leute wollen die andere Hälfte der Halle nutzen“, sagt Sven Eggert. Tontechnik und Bühnenteile, aber auch Getränke könnten dort Platz finden. Für die diesjährige Ausgabe Anfang Juli wird die Halle zwar nicht rechtzeitig fertig. Ab nächstem Jahr soll die Stellfläche in der rund 44 Meter langen, 22 Meter breiten und 7 Meter hohen Halle das Festival aber bereichern. (mz)