Bergwacht in Thale Bergwacht in Thale: Menschenhand zerstört bekannten Wanderweg

Thale - „Ende des Sommers erhielt ich vom Landkreis die Kunde, dass ab 1. Juli 2015 Bergrettungseinsätze nicht mehr abrechnen werden.“ Diese lapidare Mitteilung in der Bilanz vom Leiter Jens Kowalewski zur Jahreshauptversammlung der Bergwacht Thale erregte die Gemüter. Einer sagte: „Statt unsere ehrenamtliche Arbeit zu würdigen, werden immer mehr Steine in den Weg gelegt.“ Michael Funke, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), zu dem die Bergwacht gehört, relativierte die Absage des Landkreises: „Im Katastrophenschutz müssen auch Berg- und Wasserwachten finanziert werden. Was wir brauchen, ist Geld für eine vernünftige Ausstattung, egal woher.“
Als Erfolg des Vorjahres wertete Kowalewski die Garage auf dem Hof der Feuerwehr für den 2013 in Dienst gestellten Mannschaftswagen, durch einheimische Firmen saniert, teilweise sogar als Sponsorenleistungen. Die insgesamt 56 Mitglieder helfen überall, beispielsweise beim Harzlauf, den Sommertagen oder bei der Betreuung von Flüchtlingen, erklärte Kowalewski. „Bei Einsätzen wurden 220, bei der Bereitschaft der Hütte im Bodetal rund 520 Stunden geleistet“, zählte er auf. Hinzu kämen 1 300 Stunden für die Ausbildung, besonders an der digitalen Funktechnik. „Das sichere Bewegen im unwegsamen Gelände und Klettern kann in Stunden gar nicht richtig erfasst werden“, ergänzte der Chef. Darüber berichtete Guido Blaschek, von sportlichen Aktivitäten, die nicht nur im Harz und Elbsandsteingebirge stattfanden, sondern bis nach Frankreich, Norwegen oder Georgien in den Kaukasus führten.
Auch über die Steine auf dem alter Wanderweg vom Bodetal zur Roßtrappe, der „Schurre“, ärgern sich die Bergwachtmitglieder. „Der natürliche Steinschlag richtete den geringsten Schaden an“, sagt Volker Kreibich. Schlimmer wäre das über den Landesforst angeordnete Beräumen durch eine Ilfelder Firma gewesen. „Der Weg ist seitdem gesperrt, alles blieb liegen.“
Die Ignoranz der Bergwacht durch die Behörden habe sich nicht nur dort gezeigt. Auch bei der kürzlich abgeschlossenen Sicherung des Weges zwischen Jugendherberge und Hirschgrund wurde auf die über 60-jährigen Erfahrungen der Bergwachtmitglieder mit den Besonderheiten des Bodetals verzichtet. „Ausgerechnet der Bereich des ursprünglichen Steinschlags wurde nicht mit Sicherungsanlagen versehen“, sagte Kowalewski. (mz)