Auffangstation für Wildtiere Auffangstation für Wildtiere: Viele fleißige Hände nachdem "Herwart" gewütet hatte

Neinstedt - „Das ist hin. Von den Planen kann man nichts mehr verwenden“, stellt Marco Reuschel nach einem Blick auf das große Zelt fest.
Reuschel ist einer von rund einem Dutzend Helfern, die an diesem Nachmittag auf das Gelände der Auffangstation für Wildtiere in Not in Neinstedt gekommen sind.
Sie wollen Jens Rennecke, der sich in der Station um Zwei- und Vierbeiner kümmert, helfen, die Schäden, die Sturmtief „Herwart“ hinterlassen hat, zu beseitigen.
Helfer in Not: Äste flogen umher
Als der Sturm aufzog, sei er wie immer abends in der Station gewesen, um die Tiere zu versorgen, erzählt Jens Rennecke.
Dazu gehören neben dem jungen Dachs-Weibchen „Kumpel“, das hier aufgepäppelt wird, ein Graureiher, zwei Turmfalken, eine Waldohreule und zwei Waschbären.
„An dem Abend flogen schon die Äste umher. Einer ist auf das große Zelt gekracht. Das ist das Hauptlager“, sagt der Thalenser und erklärt: Da das Grundstück im Überschwemmungsgebiet zwischen Mühlgraben und Bode liege, dürften keine massiven Gebäude errichtet werden.
Helfer in Not: Vom Ausmaß der Schäden überrascht
„Die Gehege sind von Beginn an so gebaut, dass herunterfallende Äste kein Problem sind“, erklärt Rennecke.
Den Tieren sei auch nichts geschehen. Dennoch sei er am Morgen nach dem Sturm vom Ausmaß der Schäden überrascht gewesen: „Dass es so schlimm wird, habe ich nicht geahnt.“
Nicht nur das Dach des als Hauptlager dienenden Zeltes sei beschädigt gewesen, der Sturm habe auch die Seitenplanen zerfetzt und ebenso das Zelt, das er zum Übernachten nutze, wenn Tiere rund um die Uhr beispielsweise mit Medikamenten versorgt werden müssten.
Helfer in Not: Über 100 Menschen habe sofort Hilfe angeboten
Er habe Fotos auf Facebook gepostet, „weil ich wegen der Schäden die Notaufnahme von Wildtieren einstellen musste“.
Was dann passiert sei, „das ist schon beeindruckend. Mehr als 100 Leute haben mir Soforthilfe angeboten“, sagt Rennecke.
So habe er zum Beispiel 200 Meter stabilen Zaun erhalten, mehrere Rollen Maschendraht, zwei fabrikneue Großzelte, Maschinen wie einen Rasentraktor und Motorsägen und Spanplatten samt Schrauben.
Hilfe kam und kommt auch vom Förderverein „Wildtierarche Harz“, der sich kürzlich gegründet hat und dessen Mitglieder nun auch beim Aufräumen mit zupacken.
Wie Vereinsvorsitzende Katrin Simstedt erzählt, hatte sie von den Waldkäuzen gelesen, die im Mai an der Post in Quedlinburg gefunden wurden und um die sich Jens Rennecke gekümmert hat.
Sie habe Kontakt zu Rennecke aufgenommen, sich die Tierauffangstation angesehen - und helfen wollen.
Helfer in Not: Einen Förderverein gegründet
„Wir haben uns in der Familie zusammengetan und einen Förderverein gegründet“, erklärt Katrin Simstedt. „Wir wollen die Arbeit von Jens Rennecke unterstützen und alle anderen, die sich um einheimische Wildtiere in Not kümmern.“
Eingerichtet worden sei zunächst ein „Paypal“-Konto, auf das schon Spenden eingegangen seien, und inzwischen auch ein Konto bei der Harzsparkasse.
„Das Wichtigste ist, zwei neue Zelte aufzubauen. Dann kann ich die Station wieder öffnen und Notaufnahmen machen“, freut sich Jens Rennecke. Möglich sei das Dank der Spenden.
„Es tut gut zu wissen, dass man nicht allein ist und bei einer solchen Katastrophe Hilfsbereitschaft und Anteilnahme findet in einer Breite, wie ich sie bisher nicht erfahren habe“, so Rennecke. (mz)