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Basketball Basketball: Vom Fünkchen zur Flamme

Von philip thomisch 11.03.2013, 08:24

sandersdorf/MZ - Doch freute er sich in diesem Moment nicht primär darüber, dass seine Basketballer gerade mit 79:66 gegen den Tabellenführer Schwelm führten. Nein, sein Jubeln galt dem Live-Ticker auf seinem Mobiltelefon. Denn dort konnte der mitfiebernde Leuschner sehen, wie die BG Dorsten in letzter Sekunde eine Verlängerung im Derby gegen den BSV Wulfen erzwang.

Letzter Wille erkennbar

Ein Sieg der Dorstener war nötig, damit die Sixers rechnerisch überhaupt noch eine Chance auf die Play-offs haben würden. Dieses kleine Fünkchen der Hoffnung lebte in diesem Moment weiter - und wurde zur Flamme. Denn die Sandersdorfer gaben ihr Spiel vor heimischer Kulisse nicht eine einzige Sekunde aus der Hand. Das lag zum einen an einem sehr guten Start in das Duell mit den Baskets um Trainer Raphael Wilder. Die Sixers führten nach den ersten viereinhalb Minuten gar mit 21:3. Zum anderen muss jedoch festgehalten werden, dass es für Schwelm um nichts mehr ging - der erste Platz war den Baskets schon sicher - als die eigene Ehre. Schon kurz vor dem Ende des ersten Viertels, welches die Hausherren mit 35:15 zu ihren Gunsten entschieden, waren Japhet McNeil und Frieder Diestelhorst in Spiellaune. McNeil legte nach einem Schnellangriff den Ball mit einem Pass über die Schulter auf seinen Teamkollegen ab. Diestelhorst ließ sich sich Chance nicht entgehen und stopfte das Spielgerät unter Applaus in die Reuse.

Ob Tabellenführer hin oder her - der Wille der Sixers um ihren Kapitän Sascha Ahnsehl war über 40 Minuten zu sehen, ja zu spüren. Schon in der Halbzeitpause hatte Maik Leuschner seine Schützlinge gelobt: „Wir haben Schwelm durch ein hohes Maß an Konzentration Paroli geboten“, meinte er zuversichtlich, „wenn wir unsere Trefferqoute jetzt hoch halten, geben wir das Heft nicht mehr aus der Hand. Dass die Motivation bei den Spielern da ist, hat man ja schon gesehen.“ Zu diesem Zeitpunkt konnte der Teammanager noch nicht wissen, wie hoch der Puls in der Ballsporthalle noch gehen würde.

Vom Niveau her spielten die Sixers auf Augenhöhe mit den Schwelmer Baskets und zeigten zusätzlich den berüchtigten letzten Biss. Die Atmosphäre war hitzig, die Partie sehr oft unterbrochen. „Die Schiedsrichterleistung ist nicht auf dem Niveau des Spiels“, ärgerte sich Maik Leuschner auf der Tribüne. Dennoch verwalteten seine Weißen stets eine Führung, die sie sich schon im ersten Spielabschnitt eindrucksvoll herausgespielt hatten. Zwischenzeitlich führten die Sixers - getragen von den späteren Top-Scorern Ralph Schirmer (20 Punkte), Jeremie Simmons (17) und einem sehr beherzt aufspielenden Tom Lipke (15) - mit 22 Zählern. Knapp dreieinhalb Minuten vor dem Ende machte Sixers-Center Nate Gerwig den Sack sogar endgültig zu. Der 2,08 Meter-Hüne versenkte zwei Freiwürfe und schloss im nächsten Angriff per krachendem Dunk ab - setzte neben einem zeichen auch das 85:70 auf die Anzeigetafel.

Doch das alles wäre nichtig gewesen, wenn die BG Dorsten gleichzeitig ihr Spiel verloren hätte. So gingen die Emotionen auf den Rängen hin und her. Die Blicke waren nicht immer auf das Geschehen gerichtet - Zwischenstände machten die Runde.

Entfachte Erleichterung

Exakt um 21:17 Uhr war es dann soweit. Während das Sixers-Spiel sich leicht zerfahren in die Länge zog, schallte ein Aufschrei nach dem anderen durch die Halle. Dorsten hatte mit 75:74 nach Verlängerung gewonnen. Die Sixers führten fast uneinholbar. Über die Ränge legte sich ein Welle des Jubels. Auf dem Spielfeld war es Mannschaftskapitän Sascha Ahnsehl, der es zuerst merkte. „In diesem Moment fühlte ich einfach totale Erlösung. Ich wusste: Das Ding ist gegessen“, meinte er überglücklich nach dem Spiel, welches seine Sixers schlussendlich verdient mit 90:73 gewannen und damit die Teilnahme an den Play-offs perfekt machten. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl nach dieser Saison voller Berg- und Talfahrten“, so Ahnsehl, „endlich hat sich die harte Arbeit im Training einmal ausgezahlt.“

Noch während des Feierns verriet er, wieso er der erste Spieler auf dem Parkett war, der sich so sicher sein konnte. So saß sein Bruder Stefan Ahnsehl, der ebenfalls bereits das Sixers-Trikot trug, auf der Tribüne und gab seinem Bruder ein Zeichen. Und in diesem Moment wurde aus dem Fünkchen Hoffnung des Sixers-Kapitäns überflammende Freude und Erleichterung.