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Kriminalität Kriminalität: Polizei hebt Graffiti-Bande aus

Von KATRIN LÖWE 30.06.2009, 18:46

HALLE/MZ. - Auf die Spur sei man den zehn Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 20 Jahren über langwierige Vernehmungen und die Auswertung von szenetypischen Schriftzeichen gekommen, so Sprecherin Bianca Etzold.

Sprayer schon polizeibekannt

Am Ende der Ermittlungen standen 28 Straftaten auf dem Bahngelände und 77 weitere im Stadtgebiet von Halle. Der Schaden wird mit 45 800 Euro beziffert, es gibt mehrere Geständnisse. Laut Etzold stammen die Jugendlichen aus Halle. Zum Großteil hätten sie einen sozial schwachen Hintergrund. Drei würden derzeit Haftstrafen wegen Raubes verbüßen, auch der Rest sei bereits polizeibekannt gewesen - unter anderem wegen Graffiti.

Die Zahl der illegalen Graffiti auf Bahnanlagen ist laut Etzold gleichbleibend hoch. Im vergangenen Jahr wurden allein in Sachsen-Anhalts Bahnbereichen 800 Taten gezählt. "Graffiti wird immer noch als Kavaliersdelikt abgetan, viele Jugendliche sind sich der Folgen gar nicht bewusst", so die Bundespolizeisprecherin. Neben der Lebensgefahr beim Betreten von Gleisen lägen die sowohl in einer strafrechtlichen Verurteilung als auch in Schadenersatzforderungen, die über 30 Jahre lang durchsetzbar seien. Etzold warnte: "Das Reinigen von Zügen ist teuer, da kommt einiges zusammen."

Die Landespolizei zählte in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr mehr als 7 000 Graffiti-Straftaten. Schwerpunkt war laut Innenministerium der Süden des Landes, besonders Halle und Bitterfeld-Wolfen. Allein in Halle stieg die Zahl der Taten von 1 475 im Jahr 2006 auf 2 216 im vergangenen Jahr an. Im ersten Halbjahr 2009 sei die Tendenz leicht rückläufig, so Reviersprecher Ralf Karlstedt. Seit Ende der 90er Jahre gibt es in der Saalestadt eine eigene Ermittlungsgruppe Graffiti. Die Aufklärung der Taten ist schwierig. In Halle lag die Quote in den vergangenen Jahren bei rund 50 Prozent, landesweit konnte nur jede dritte Tat aufgeklärt werden.

Aktionen für Kunst

"Wir bekämpfen mit allen Mitteln diejenigen, die Sachbeschädigung betreiben", sagte am Dienstag Landeskriminalamts-Sprecherin Evelyn Schiener. Gleichzeitig warb sie auch darum, Jugendlichen Möglichkeiten zu geben, ihre künstlerischen Ambitionen auszuleben. Städte wie Halle und Magdeburg würden sich bereits an Aktionen wie "Bunt statt grau" beteiligen, bei denen jungen Sprayern Flächen zur Verfügung gestellt werden. Damit würden zumindest jene nicht mehr kriminalisiert, denen es nicht um wilde Schmiererei, sondern um künstlerische Verwirklichung geht. Schiener: "Das sind fast alles Gymnasiasten." In Halle läuft seit September 2008 auch ein Präventionsprojekt an Schulen, sagte Polizeisprecher Karlstedt.