Internationaler Hansetag Internationaler Hansetag: In Salzwedel ist das Mittelalter allgegenwärtig

Salzwedel/dpa. - In Salzwedel scheint das Mittelalter allgegenwärtig zu sein- genau das passende Ambiente, um während des 28. InternationalenHansetages jenen Städtebund wieder aufleben zu lassen, der im 13. bis17. Jahrhundert das wirtschaftliche Leben in Nord- und Mitteleuropaprägte. 122 einstige Hansestädte aus 15 europäischen Staaten schickenvom 5. bis 8. Juni Vertreter in den Norden Sachsen-Anhalts. Siegehören allesamt zur Hanse der Neuzeit: Seit 1980 bemüht sich derZusammenschluss, auf Basis der gemeinsamen Geschichte neue kulturelleund wirtschaftliche Kontakte zwischen seinen Mitgliedern zu knüpfen.
Für Salzwedel und die Altmarkregion ist der jährlich an einemanderen Ort organisierte Hansetag ein Ereignis der Superlative: Mehrals 100 000 Besucher werden in der 20 000 Einwohner zählenden Stadtim nördlichen Sachsen-Anhalt erwartet, 80 europäische Kulturgruppenmit tausenden Mitwirkenden bieten in der historischen Innenstadt einbuntes Programm. Auf einem «Hansemarkt» stellen sich dieTeilnehmerstädte vor, während ihre Politiker auf einerMitgliederversammlung des Städtebündnisses über gemeinsame Projekteberaten, etwa bei Jugendaustausch, Denkmalschutz oder Tourismus.Bildende Künstler aus halb Europa stellen ihre Werke aus, einhistorischer Handwerkermarkt entführt in die Vergangenheit.
«Die Begegnungen der Menschen aus so vielen Ländern sind dasschönste an Hansetagen», sagt Salzwedels Bürgermeister SiegfriedSchneider (CDU), der in den vergangenen 15 Jahren schon viele solcherTreffen besucht hat. «Wir hoffen aber auch auf Impulse für denTourismus und die Wirtschaft, die über den Juni hinaus wirken und dieAltmark ein Stück nach vorn bringen.» Entsprechend akribisch hat sichdie kleine Stadt, die selbst am 16. Juni 1263 in die Hanseaufgenommen wurde und die Originalurkunde bis heute sorgfältig imRathaus aufbewahrt, vorbereitet.
Seit rund fünf Jahren arbeitet ein achtköpfiges Team um denörtlichen Hansebeauftragten Ulrich Damke an dem Konzept, schob somanche Sonderschicht und nahm sich immer neuer, nicht zuletztlogistischer Herausforderungen an. Die Arbeit scheint sich gelohnt zuhaben. «122 Städte bedeuten einen Teilnehmerrekord bei Hansetagen»,freut sich Damke. «Besonders stolz macht uns natürlich, dass auchBundespräsident Horst Köhler unserer Einladung folgt und nachSalzwedel kommt.»
Die Stadt nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen will bei denGästen vor allem mit ihrem mittelalterlichem Charme punkten, wieBürgermeister Schneider sagt. «Wenn die Besucher weitererzählen, wassie hier erlebt und gesehen haben und ein Teil davon einmal alsTourist wiederkommt, hat sich der Aufwand schon gelohnt.» Auch dieAltmark - ein noch häufig als Geheimtipp gehandeltes Naturparadiesmit immerhin acht Hansestädten - hofft auch eine nachhaltige Wirkungdes Hansetages. «Das Thema Hanse spielt bei uns eine ganz großeRolle», erläutert Manuela Fischer, Geschäftsführerin desTourismusverbandes Altmark. Zahlreiche Angebote seien unter diesemLogo neu entwickelt worden, in Zukunft seien noch mehr geplant.
Mehr Stellenwert als bei den bisherigen Hansetagen - die letztengab es es 2006 in Osnabrück und 2007 in Lippstadt - soll in Salzwedeldie Wirtschaft bekommen. Eine «Straße der Wirtschaft», ein speziellesForum und eine «Unternehmer-Lounge» sollen dazu beitragen, dassFirmen aus der Region neue Kontakte knüpfen und vertiefen können.«Der Hansetag ist eine günstige Gelegenheit, die wir natürlich nutzenwerden», sagt Vize-Hauptgeschäftsführer Siegfried Zander von derIndustrie- und Handelskammer Magdeburg, deren Außenstelle Salzwedelsich hier stark einbringt. «Wir kehren damit zu den Wurzeln der Hansezurück», ergänzt der Hansebeauftragte Damke.