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Reitsport Reitsport: Im Trab mit Madonna

Von Ronny Banas 31.08.2012, 18:07

Zeitz/MZ. - Weinstein weiß schon, was auf ihn zukommt. Ein kurzer Pfiff von Sarah Willert reicht. "Hallo Dicker" folgt und jetzt ist es Gewissheit. Der Hengst spitzt die Ohren und schaut über die Box seines Stalls. Sarah ist noch ein gutes Stück von Weinstein entfernt. Er hört sie nur, sehen kann er die 15-Jährige noch gar nicht. "Der weiß genau, wenn wir zu ihm kommen", sagt Sarah. Sie kennt das Pferd in- und auswendig. Und das muss sie auch, denn Sarah Willert ist Dressurreiterin. Eine ziemlich gute, um es genau zu sagen. Bei den diesjährigen Kreismeisterschaften wurde sie knapp Zweite, die Jahre davor waren teilweise noch besser.

Seit 2008 folgt ein Titel auf den nächsten. "Es macht einfach Spaß", sagt die Schülerin. Ohne Spaß daran zu haben geht es ja bekanntlich nie. Wenn man ein Pferd hat und sich tagtäglich darum kümmern muss, gehört eine etwas größere Portion Spaß dazu. Und Geduld. Denn Weinstein will gehegt und gepflegt werden. So wie an diesem Tag. Es braucht dann auch wenig Mühe, um den Hengst aus seiner Box zu holen, ihn auf den Hof der Reitanlage zu führen, ihm den Sattel aufzusetzen und erste Runden auf dem Parcours zu drehen. Reiterin und Pferd verstehen sich blind. "Sie ist jeden Tag nach der Schule hier. Reiten ist ihr ein und alles", sagt Ines Willert, Sarahs Mutter. Bei der Dressur komme es besonders darauf an, dass das Tier seinen Reiter gut kennt, sagt sie noch.

Weinstein ist schon Sarahs zweites Pferd. Als sie sieben Jahre alt war, fing sie mit ihrem Sport an. Damals noch auf einem Pony, Lissy hieß es. "Inzwischen bin ich zu groß für sie geworden. Es würde etwas lustig aussehen, wenn die Beine am Boden schleifen", lacht Sarah. Die großen Erfolge stellen sich mit Weinstein ein. "Er ist ideal für die Dressur, Springen mag er überhaupt nicht", sagt Sarah, als sie nebenbei dem Hengst die Hufe säubert. Aber dafür sei er auch gar nicht dressiert. Für Weinstein und Sarah soll im nächsten Jahr nach dem zweiten Platz der Kreismeistertitel folgen. Weinstein freut sich schon darauf.

Auch Susann Stalive kann es kaum erwarten, dass es wieder losgeht. "Wenn man Vizemeister ist, will man natürlich noch weiter hinaus. Und das werde ich versuchen", sagt sie. Im Vergleich zu Sarah kann sie schon auf ein paar Jahre mehr Erfahrung zurückschauen. Seit zehn Jahren reitet sie, die Erfolge müssen sich hinter denen ihrer Vereinskollegin aber keineswegs verstecken. Nur eben in schwierigeren Kategorien. Die, zu denen Sarah Willert irgendwann noch kommen will. Dort kann man dann so richtig kreativ werden, wie Stalive erzählt. "Man muss zwar auch in der Kür die vorgeschriebenen Elemente zeigen, kann sich aber aussuchen, in welcher Reihenfolge. Außerdem suche ich mir immer die Musik dazu aus." Beim letzten Auftritt, den sie mit Weltina hinlegte, war es Madonna. Mit Erfolg, wie man sieht. "Es ist schön, wenn man merkt, wie alles zusammen passt. Die Bewegungen, die Musik und die Schritte."

Klingt so, als ob die junge Meuselwitzerin im Dressurreiten aufgeht. Ist es eine Bestimmung? "Nein", sagt sie, "aber so lange es geht, mache ich weiter." Kreativität sei entscheidend und, dass Reiter und Pferd perfekt harmonieren. "Der Erfolg wird bei der Dressur nur zur Hälfte vom Menschen gemacht. Das Pferd ist genauso wichtig", sagt die 23-Jährige. Vielleicht lässt es sich so erklären, dass die beiden stundenlang auf der Reitanlage ihres Vereins zubringen. Tag für Tag, Woche für Woche. Weltina und Weinstein jedenfalls scheinen es ihnen mit sehr guten Leistungen zurückzuzahlen. Weinstein etwa weiß jedenfalls: wenn er die Stimme von Sarah Willert hört, geht es ihm wenig später sehr gut.