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Zeitzer helfen Kindern der Wüste

Von ANGELIKA ANDRÄS 03.03.2009, 18:52

ZEITZ/MZ. - Die Spenden wurden auf nicht alltägliche Weise gesammelt: Bei einem Konzert der Pigeons du Sable im Sommer 2007. Wahlzeitzerin Juliane Borchert berichtet, was damit geschah, denn sie war beim Aufbau der Schule dabei.

Im Sommer 2007 war Juliane Borchert Praktikantin im Zeitzer Kinderdorf. Die Studentin der Sozialpädagogik war durch Annette Drews von der Hochschule Zittau-Görlitz mit dem Projekt der Association de Khamlia in Kontakt gekommen. Die Professorin hatte das Dorf 2006 entdeckt. Zwei Dinge folgten daraus: Sie lernte die Gemeinschaft der Gnaoua (Gnawa) kennen und erfuhr, was ihnen fehlte: Eine Schule, die für alle Kinder da ist. Zwar gibt es eine Schule, doch dort darf nur lernen, wer das Eingangsexamen besteht. Das schaffen die meisten Kinder der Wüste nicht. Mohamed Oujoaa, einer der Trommler, hatte für die anderen Kinder eine Schule gegründet, in der 75 Mädchen und Jungen aus der Wüstenregion unterrichtet werden. Doch die war zu klein und schlecht ausgestattet. Und die Professorin traf auf die Pigeons du Sable, Musiker der Gnaoua. In den Rhythmen der Trommeln und Terkakaschien (Eisenklappen) drückt sich das Erbe ihrer afrikanischen Vorfahren aus. Ihre gefühlvollen Gesänge zur Heschusch, einem traditionellen Saiteninstrument, sind die arabische Tradition.

Drews holte sie nach Deutschland. Für eine Reihe von Konzerten, bei denen Spenden für das Projekt gesammelt werden sollten. Denn sich einfach Geld schenken lassen, das wollten die stolzen Gnaoua nicht. Natürlich bemühte sich Juliane Borchert auch um einen Auftritt in Zeitz. Und erfuhr Ablehnung. Eigentlich hatte sich auch das Soziokulturelle und Theaterzentrum des Kultur-, Kunst- und Theatervereins Zeitz bereits in die Sommerpause verabschiedet. Doch als sich keine andere Stätte für das Konzert der afrikanischen Musiker zugunsten des Projektes "Afrika macht Schule" in Zeitz fand, wurde im Hof des Franziskanerklosters getrommelt. Gut 40 Besucher kamen und spendeten oder kauften CDs. Am Nachmittag zuvor hatten die Musiker bereits in Hohenmölsen Straßenmusik gespielt.

Nun strahlt Juliane Borchert: Die Schule steht, die Kinder werden unterrichtet. "Es entstand eine Schule mit drei Räumen", berichtet sie, die selbst vor Ort mithalf, "ein Raum als Grundschule, wo drei Lehrer die Kinder unterrichten. Hier gibt es auch Computer." In einem anderem Raum werden Handarbeiten gefertigt. Damit verdienen die Frauen das einzige Geld. Und im dritten Raum schließlich finden die Analphabeten, vor allem alte Frauen, Aufnahme und Unterricht. "Es gibt hier noch sehr viele Analphabeten", so Borchert. Was sie aber vor allem bestätigen kann: Alle Spenden flossen ohne Abzüge in das Projekt. Der Schulbau, die Einrichtung, die Bezahlung der Lehrer, mit denen gemeinsam eine innere Struktur und Organisation aufgebaut wurde und wird. Jedes Jahr sind mindestens fünf Studenten vor Ort. Für sie ist es Praktikum, für das Projekt eine unschätzbare Hilfe. Auch Borchert will wieder nach Khamlia. So eng ist der Kontakt geworden, so gut die Aufnahme in die Gemeinschaft der Gnaoua. Und auch das Zeitzer Kinderdorf ist weiter in Kontakt. Mehrmals im Jahr gehen Pakete auf die Reise. Schulmaterial, Schuhe, Kleidung, Sportsachen - es wird immer etwas gebraucht. Und die Zeitzer können weiter mithelfen. "In Marokko herrscht starker Rassismus gegenüber Schwarzen", erklärt Borchert, "sie leben isoliert von der weißen marokkanischen Gesellschaft, dieses Projekt kann ihnen auch zeigen, dass sie erwünscht und geschätzt sind."

Spenden können unter dem Stichwort "Projekt Afrika macht Schule" an das Kinderdorf Zeitz, Kontonummer 450 226 600, Bankleitzahl 800 400 00 bei der Commerzbank Zeitz überwiesen werden.