Spenden in Zeitz Spenden in Zeitz: Wo geht das Geld eigentlich hin?

Zeitz - Zu keiner Zeit im Jahr wird so viel gespendet, wie vor Weihnachten. Doch wer bekommt das Geld? Umfragen in der Zeitzer Innenstadt und in Zeitz-Ost brachten ein wenig überraschendes Ergebnis: Man unterstützt am liebsten Einrichtungen vor Ort. „Das ist die einzige Möglichkeit, dass ich genau weiß, wo mein Geld hingeht und mir sogar ansehen kann, was damit geschieht“, sagte Karl Winkler. Der Zeitzer unterstützt am liebsten hiesige Kindereinrichtungen und das Tierheim.
Jochen Böttger hält immer weniger davon, an große Organisationen zu spenden. „Man muss sich mal deren Jahresberichte ansehen, wie viel da für Verwaltung weggeht“, meinte er, „und wenn ich Geld für ein Waisenhaus in Russland gebe, kommt es tatsächlich an?“ In seiner Familie ist es zur Tradition geworden, die Aktion Weihnachten im Schuhkarton zu unterstützen.
Zeitzerin spendet an weltweit agierende Organisation
Wenn die Päckchen einmal gepackt seien und auf die Reise gehen, könne man viel sicherer sein, dass sich am Ende tatsächlich ein Kind über die Gaben freut. „Außerdem ist es ein Stück persönlicher, man hat es selbst ausgesucht und gepackt“, sagte er, „überweist man zehn Euro, dann hat man keine Beziehung dazu, man kauft sich nur ein besseres Gewissen, weil man ja auch was gespendet hat.“
Eine Zeitzerin, die nicht genannt werden möchte, spendet gemeinsam mit ihrem Mann nur an eine weltweit agierende Organisation, nämlich an Ärzte ohne Grenzen. „Da konnte ich mich bereits vor Ort davon überzeugen, was geleistet wird. Ich habe aber bei der Gelegenheit in Afrika auch gesehen, wie Vertreter anderer Hilfsorganisationen in den besten Hotels absteigen. Da frage ich dann schon: Wird das etwa auch von den Spenden bezahlt?“
Geld für die Katastrophenhilfe
Deutschlandweit wird vor allem Geld für die Katastrophenhilfe gegeben, dort konnte 2016 die größte Zunahme verzeichnet werden. Und den größten Batzen bekommt immer noch der umfassende Bereich humanitäre Hilfe. Fast 80 Prozent der Bundesbürger spendet in irgendeiner Form dafür. Sechs bis sieben Prozent gehen in die Kultur oder Denkmalpflege, fast genau so viel in den Tierschutz und drei bis vier Prozent in den Umweltschutz.
Allerdings geht die Zahl derer, die überhaupt spenden, in Deutschland kontinuierlich zurück - und es sind ohnehin weniger, als in vielen anderen Ländern. Wer aber etwas gibt, gibt mehr, so gleicht sich die Summe am Ende immer nahezu aus. Aber seit einigen Jahren ist lauft Spendenrat ein Wandel spürbar: Mittlerweile geht fast die Hälfte der Spenden, immerhin sind es jedes Jahr um die fünf Milliarden Euro, an kleinere Organisationen.
Vor allem jüngere Menschen spenden an kleinere Vereine
Vor allem jüngere Menschen spenden nach der Statistik von 2016 lieber an kleinere Vereine, an Organisationen oder Einrichtungen vor Ort. Und wer Geld gibt, will immer genauer wissen, wie und wo es eingesetzt wird und wie hoch in den Organisationen die Verwaltungskosten sind.
In Zeitz profitierten in diesem Jahr die Aktion Weihnachten im Schuhkarton und das Tierheim von der Spendenbereitschaft. Die ist gerade in der Einrichtung des Tierschutzvereins nicht nur ungebrochen, sondern steigt. Warum? „Die Leute wissen, dass das Geld zu 100 Prozent den Tieren zugute kommt“, sagte Leiterin Eva-Maria Bauer, „und sie können sich hier vor Ort jeden Tag und unangemeldet überzeugen.“ (mz)