Schatten über Fürstenpalais
Weißenfels/MZ. - Der Schock sitzt nicht nur bei den Mitarbeitern der Firma tief, die am Mittwochmittag verlautete, dass es dem Verunglückten inzwischen den Umständen entsprechend gehen würde und er während eines kurzen Besuchs im Krankenhaus ansprechbar gewesen sei, sich aber an nichts erinnern könne. "Ich bin jetzt elf Jahre bei der Stadtverwaltung Weißenfels beschäftigt, so etwas habe ich noch nicht erlebt", zeigt sich Wolfgang Wloch vom Sachgebiet Hochbau des städtischen Bauamtes geschockt. "Ich wünsche dem Mann und seiner Familie, dass er schnell wieder gesund wird", reagiert Oberbürgermeister Manfred Rauner mit Betroffenheit auf den Vorfall.
Einer der das Geschehen zufällig miterlebt hat, ist Jens Fischer, dem der Schrecken eine Stunde danach noch immer ins kreidebleiche Gesicht geschrieben steht. "Ich bin geschockt. Ich wollte diesen historischen Moment mit der Kamera einfangen, als eine der beiden Sandsteinfiguren am Kran hing", erzählt der Goldschmiedemeister in seinem Geschäft am Markt. "Ich machte also Fotos, legte den Apparat weg. Dann traute ich meinen Augen nicht, als ein Mann das Gerüst verließ, auf den Torbogen stieg, rutschte und nach unten stürzte, wo er regungslos liegenblieb, bis der Unfallwagen mit dem Notarzt eintraf", schildert Fischer wie gelähmt die Schreckensbilder.
Astrid Kühn, Sicherheitskoordinatorin im Auftrag der Stadt, bestätigt die Schilderung des Augenzeugen. "Der Mann ist vom Eingangsportal aus einer Höhe von etwa vier Metern nach unten gestürzt", sagt die Expertin. Und sie bemängelt das Fehlen eines zweiten Gerüstfeldes. Wolfgang Wloch, der die Baustelle seit vergangenen November - solange laufen die Sanierungsarbeiten - seitens der Kommune betreut, schließt sich an. Der Bauingenieur erklärt, dass Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten worden seien. "Ein Gerüst wurde am Dienstag gestellt und bauseitig nicht abgenommen. Schon am nächsten Morgen wurde dort gearbeitet", kritisiert der 51-Jährige. Warum der Verunglückte das Gerüst verlassen hat, sei für ihn völlig unklar, so Wloch weiter. Nach dem Arbeitsunfall sei ein Baustopp verfügt worden, der im Fassadenbereich voraussichtlich bis zum kommenden Mittwoch andauern soll. Die Untersuchungen laufen, inwieweit Sicherheitsbestimmungen vernachlässigt worden seien, gibt Jürgen Cornelius vom Gewerbeaufsichtsamt Halle Auskunft.