Leser auf dem schnellen Weg zum gedruckten Wort
Zeitz/Halle/MZ. - Durchaus gespannt und neugierig sei sie auf diese Entdeckungsreise gegangen, meinte Karin Gentsch vor dem Besuch von Verlag und Druckhaus. Die MZ-Leserin aus Droyßig war mit ihrem Mann Willi bei der Zeitungsnacht dabei. Und in der Stunde vor Mitternacht, als zur Rückfahrt gebeten wurde, betonte die Droyßigerin: "Das hatte ich mir so nicht vorgestellt. Die Technik war schon beeindruckend." Dazwischen lagen drei Stunden voller neuer Eindrücke für die MZ-Leser. Und viele Antworten auf die Frage "Wie kommen die Informationen über Ereignisse aus der Welt und aus meiner Region als Nachrichten, Berichte und Reportagen in der MZ zu mir auf den Tisch?".
Nach einem kurzen Film, der erste Antworten auf diese Frage gab, ging es für die Leserinnen und Leser auf den Weg in die Welt der Mitteldeutschen Zeitungsmacher. Erstes Erstaunen im Papierlager. Dort stapeln sich bis zu zehn Meter hoch hunderte Rollen aus Recycling-Papier, jede davon so schwer wie ein Mittelklasse-Pkw. 55 Tonnen Papier werden pro Nacht als Mitteldeutsche Zeitung gedruckt - eine Strecke, die von Halle bis Venedig reicht. Und die Leser äußerten Fragen. Wie schnell wird gedruckt? Was passiert, wenn das Papier reißt? Wie entstehen die Farben der Bilder?
Sachkundige Antworten gab es von Mitarbeitern der MZ wie Martin Bergholz, Wolfgang Sauer, Wilhelm Gompert und Sabine Schilling, die die Gruppen aus Zeitz und Weißenfels durch eines der modernsten Druckhäuser Europas führten, für das 1991 der Grundstein gelegt wurde und in dem heute nicht nur die MZ, sondern auch Wochenzeitungen und andere Printerzeugnisse gedruckt werden. 70 000 Mitteldeutsche Zeitungen pro Stunde können auf den modernen Offsetdruckmaschinen hergestellt werden, die die Höhe eines dreistöckigen Wohnhauses haben und mehr als 60 Meter lang sind.
Handarbeit gibt es im vollautomatisierten Druckprozess nicht mehr. Gefragt sind Experten, die den Prozess überwachen, eingreifen, wenn Druckplatten gewechselt werden müssen, und die Qualität des Drucks am Leitstand überwachen. Auch ihnen schauten die Leser während der Zeitungsnacht über die Schulter und verfolgten dann den Weg der Zeitung - automatisch transportiert - bis zur Verladung in die Transporter, mit denen sie zu den Verteilstellen und schließlich per Zusteller bis 6 Uhr zu den Abonnenten geliefert wird. Steffen Benkwitz, der mit Vater Erhard Benkwitz aus Zeitz an der Zeitungsnacht teilnahm, hielt die vielen neuen Eindrücke immer wieder mit der Fotokamera fest. Kai-Uwe Schmidt aus Zeitz nutzte dafür die Videokamera. Und alle äußerten: Das waren sehr interessante und neue Eindrücke. Die gewannen auch Dieter und Gundela Schilling. Das Ehepaar aus Breitenbach meinte nach den Stunden im Halleschen Druck- und Verlagshaus: "Wir werden unsere MZ jetzt nicht anders lesen als vor dieser Zeitungsnacht. Sie gehört bei uns dazu. Und das wird so bleiben." Aber vielleicht betrachten sie und viele andere Zeitungsnachtbesucher jetzt ihre Morgenlektüre mit etwas anderen Augen.