Landluft stört in Wildenborn seit kurzem den Dorffrieden
Wildenborn/MZ/kdk. - Konsequenz: Laut Anweisung des Landesverwaltungsamtes Halle muss der holländische Landwirt Sander Hendriks in seinem Stall abends die zehn Gebläse, die dazu dienen, den Kühen frische Luft zu verschaffen, abstellen. "Bei den Temperaturen von über 30 Grad Celsius ist es für die Tiere unerträglich warm", erklärte Hendriks.
Bürgermeisterin Daniela Hofmann (parteilos) bestätigte, dass es eine Unterschriftenaktion im Dorf gab. "Bei mir hat die Frau nicht vorgesprochen. Erst in der Gemeinderatssitzung kam das Thema auf den Tisch." Sie sehe allerdings keinen Handlungsbedarf. Auf einem Dorf herrsche nun einmal Landluft vor. Gemeinderatsmitglied Werner Hötzel ergänzte, dass sich Bürger im Dorf wohlfühlen sollen und dass Kritik an Missständen ernst genommen werden. Es könne jedoch nicht sein, dass eine Frau, die für den Staat arbeitet, ständig mit anderen Vorwänden auf sich aufmerksam macht. "Die Frau wohnt auf dem Dorf und nicht in Berlin."
Von den 168 Einwohnern unterschrieben sechs Bürger, informierte die Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte. Bis ein Uhr nehme sie ein "lautes Rauschen" wahr, dass von den Lüftern und einer Vakuumpumpe stamme. Sie führe Buch, wann die Gebläse ausgeschaltet werden. Tagsüber nerve, dass ständig Maschinen auf dem Gelände fahren. Da der Stall keine Wände hat, werde bei jedem Windzug Stall- und Gülleluft zu ihrem Haus herübergeweht. Die Luft hänge wie ein Glocke über ihrer Straße.
Für ihn und die meisten Anwohner sei die Unterschriftenaktion nicht nachvollziehbar, erklärte Transportunternehmer Rainer Apel. Schon deswegen nicht, weil die Frau erst nach Wildenborn gezogen sei als die Stallanlage schon bestanden habe.
Frank Schröder, er ist persönlicher Referent des Landrates in der Kreisverwaltung Naumburg, meinte, dass es an dem Betrieb in Wildenborn nichts auszusetzen gebe. Es sei nun einmal ein Dorf. Er sehe keinen Grund für Beanstandungen.
Hendriks hat eine Messung des Lärmpegels durchführen lassen, die ihn 2 500 Euro kostete. Das Ergebnis besagt, dass die Werte unterhalb des erlaubten Lärmpegels liegen. Außerdem will der Holländer von sich aus vorsorglich einen circa drei Meter hohen und 75 Meter langen Lärmschutzwall bauen und mit Sträuchern bepflanzen.