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Kleintierzüchter gefällt die Ruhe und Einsamkeit

Von KLAUS-DIETER KUNICK 20.10.2008, 17:14

KAYNA/MZ. - "Ich wusste zuvor überhaupt nicht, wo der Hof liegt", erinnerte sich der 46-Jährige.

Dass die älteren Besitzer Charlotte und Heinrich Sänger weiterhin Wohnrecht genossen, störte die Familie Lihs nicht. Ganz im Gegenteil, man arrangierte sich. Sängers arbeiteten viele Jahre in der Landwirtschaft und versorgten Tiere auf ihrem Hof. Und auch Hagen Lihs war gleichfalls ein Tierfreund, brachte seine Schweine, Rinder, zwei Ponys sowie seine Kaninchen mit. Viel Arbeit wartete auch im großen Garten. Alles, was dort wuchs, wurde verarbeitet. Eigenversorgung hieß zu jener Zeit das Stichwort. Erleichtert zeigte sich Familie Lihs, dass Tochter Katja 14 Tage später geboren wurde und nun ihr eigenes Zimmer hatte. "Es war höchste Zeit, dass wir umgezogen sind. Bei meinen Eltern zu Hause war es doch ganz schön eng." Nachdem Heinrich Sänger verstarb, zog seine Frau in ein Altersheim nach Halle. Sie feierte dort ihren 100. Geburtstag. Ein Jahr später verstarb auch sie.

Einen kleinen Wermutstropfen auf dem Hof gab es schon: Es fehlte ein Auto. Um ins rund ein Kilometer entfernte Kayna zu gelangen, musste das Fahrrad herhalten oder die Strecke gelaufen werden. "Da musste man sich schon zusammennehmen und genau überlegen, was einzukaufen ist", so Lihs, der als Anlagenfahrer arbeitet. Die Kinder Katja und Marcel konnten sich hingegen nach Herzenslust austoben. "Wir haben hier wunderschöne Kinderjahre erlebt", sagte Marcel Lihs (20). Überall habe man die Nase reinstecken können, es war spannend, als Kinder die Natur und die Tiere zu erleben. "Oftmals kamen auch Schulfreunde zu Marcel und bauten mit ihm Buden", ergänzte sein Vater. Etwa 300 Meter vom Grundstück entfernt befuhr früher die Eisenbahn die Strecke Gera / Pforten - Wuitz / Mumsdorf. Auch das Gelände galt als Anziehungspunkt. Für Marcel steht fest, dass er im Thomas-Müntzer-Hof auch künftig wohnen bleiben will.

Mittlerweile ist die Familie mobil, mit dem Auto ist alles kein Thema. Geblieben ist die Einsamkeit. Aber die hat Lihs noch nie gestört. "Es gibt hier keinen Nachbarschaftsstreit." Die Ruhe tut gut. Geblieben ist auch die Liebe zu den Tieren. Nach wie vor leben Kaninchen, Gänse, Enten, Tauben und Schafe auf dem Hof. Bei der Fütterung wird ihm Unterstützung zuteil - er wechselt sich mit seinem Sohn ab. Hagen Lihs leitet darüber hinaus seit 1991 den Kleintierzuchtverein Kayna und Umgebung, der 43 Mitglieder zählt. Wenn in der nur wenige Meter entfernten ehemaligen Hopfentrocknungsanlage, dem Sitz des Vereins, Ausstellungen stattfinden, ist Hagen Lihs dort meistens zu finden.