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Kaufland-Streik Kaufland-Streik: Verkaufsleiter stellt Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs

Von Iris Richter 28.06.2013, 12:38
Bettina Penz gab sich kämpferisch.
Bettina Penz gab sich kämpferisch. Corina Wujtschik Lizenz

zeitz/MZ - Eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs war das Resultat einer Streikaktion, zu der die Gewerkschaft Verdi am Freitagvormittag Mitarbeiter von Einkaufsmärkten der Handelskette Kaufland aufgerufen hatte. Rund 60 Mitarbeiter von Kaufland-Märkten aus Gera und Zeitz haben sich dem Verdi-Aufruf angeschlossen und postierten sich vor dem Einkaufsmarkt in der Zeitzer Friedensstraße. Während Kunden ihre Wochenendeinkäufe über den Parkplatz schoben, tönten dort Trillerpfeifen über das Gelände. „Wir sagen Nein – keine 2-Klassen-Gesellschaft im Handel“ hieß es dabei auf Plakaten.

Bereits am Donnerstag waren viele der Teilnehmer der Zeitzer Streikaktion zur Kaufland-Firmenzentrale nach Neckarsulm gefahren. Sie wollten mit den Aktionen ihren Forderungen Nachdruck verleihen, den ausgesetzten Manteltarifvertrag für den Einzelhandel wieder in Kraft zu setzen. Zudem soll der Stundenlohn um einen Euro pro Stunde erhöht werden, so die Forderung der Streikenden.

Nach den jetzigen Vorstellungen der Arbeitgeber sollen vor allem Zuschläge für die Mitarbeiter gestrichen werden, die teilweise einen großen Teil der Gehälter der Beschäftigten ausmachen. Damit würden sich speziell für Neueinstellungen die Tarifbedingungen drastisch verschlechtern. Für eine Kassiererin, die sechs Stunden am Tag beschäftigt ist, würde das eine Gehaltseinbuße von rund vier Prozent bedeuten. Die Mehrheit der Beschäftigten arbeitet in Teilzeit.

„Wir gehen täglich arbeiten und möchten nicht an der Armutsgrenze leben“, meinte Elke Krugel, Mitarbeiterin im Einkaufsmarkt Gera-Biblach-Ost, die in der Tarifkommission mitarbeitet. Viele Kollegen würden nicht streiken, weil sie Angst haben. So gäbe es bei Kaufland viele, die Verträge über elf Wochenstunden hätten und den Rest ihres Gehaltes über Überstunden verdienen, erklärte sie. „Wir wollen mit dem alten Manteltarifvertrag nur das behalten, was wir uns einmal mühsam erkämpft haben“, bekräftigte Anett Klemm aus dem Kaufland-Markt Gera-Lusan.

Die Leitung des Einkaufsmarktes in der Friedensstraße rief die Polizei, die nach der Strafanzeige die Personalien der Streikteilnehmer aufnehmen sollte. Zudem wurden die Streikenden vom Unternehmensgelände verwiesen. „Das habe ich noch nicht erlebt. So extrem war es noch nie“, meinte Bettina Penz, Verdi-Bezirksgeschäftsführerin für Ost-Thüringen betroffen.