Hochwasserfolgen Hochwasserfolgen: Umleitung gefährdet Existenz

Schkauditz/MZ - Auf dem großen Bauernhof in Schkauditz ist es ruhiger geworden. Alena Krumbholz hat sich hier eine neue Existenz eingerichtet. Zwölf Pferde stehen im Stall, und der gerade mal zwei Monate alte Hengst Nemo jagt munter über den Platz. Die junge Frau hat jetzt Zeit, zu viel Zeit.„Mir bleiben gut und gerne ein Drittel der Kunden aus“, bedauert Alena Krumbholz. Vor allem die jüngeren Kinder fehlen zum Reitunterricht, denn die Landstraße entlang der Weißen Elster ist nach dem großen Hochwasser noch immer gesperrt. So müssen die Autofahrer weite Umleitungen in Kauf nehmen. Denn an der Böschung an der Roten Wand gab es mehrere Rutschungen, Bäume brachen weg, die Erde rutschte über die Straße. Alle, die jetzt aus Richtung Zeitz nach Schkauditz wollen, müssen einen Umweg von zirka 20 Kilometern pro Tour in Kauf nehmen. Auch aus Richtung Wetterzeube ist die L 193 komplett gesperrt.
Umleitung vergrault Kunden
„Ich habe zahlreiche Absagen“, muss auch Andrea Spengler gestehen. Sie hat sich vor fünf Jahren auf demselben Bauernhof das Fotostudio AS Fotovita eingerichtet. Die große alte Scheune bietet ein ungewöhnlich schönes Ambiente. Doch die Umleitung vergrault die Kunden. Damit nicht genug. In der Zeitzer Werkstraße, genau gegenüber der Berufsschule, hat sie ein kleines Atelier. Gemeinsam mit dem dortigen Kosmetikstudio bietet sie hier Vorher-Nachher-Aufnahmen an.
„Am Sonnabend vor dem Hochwasser hatten wir solch ein Event. Ich habe unglaublich viele Accessoires wie Hüte, Ketten, Federboa, Perücken dort. Und dazu eine komplette Foto-Lichtanlage mit Stativen, Blitzköpfen, Adaptern. . . Allein der technische Schaden beläuft sich auf 20 000 Euro“, sagt die Fotografin. Auch bei Alena Krumbholz hat das Wasser große Schäden angerichtet. Es rauschte quer über den Hof, zeitweise standen Stroh und Einstreu, Kraftfutter und Heu unter Wasser und sind nun nicht mehr zu gebrauchen. Aber die Frauen jammern nicht. Gemeinsam mit ihren Familien und Freunden haben sie die Ärmel hochgekrempelt und aufgeräumt. Mitten im Hof entstand sogar ein neuer Longierplatz.
"Immer mehr Kunden gehen mir verloren"
„Ich komme aus Leipzig und fühle mich in Schkauditz wohl“, sagt Krumbholz. Sie hatte in der Messestadt Tiermedizin studiert und suchte in fahrbarer Nähe einen Hof. Auf diese Weise kam sie mit ihrem damaligen Freund und heutigen Ehemann vor zehn Jahren nach Schkauditz. Schritt für Schritt bauten sie den alten Vierseithof aus, schufen sich ein gemütliches Zuhause und eine eigene Existenz. Doch jetzt ist ihr und der Fotografin um die Zukunft recht bange. „Im Sommer habe ich viele Hochzeiten zu fotografieren. Doch wenn die Umleitung über viele Wochen, gar Monate anhält, gehen mir immer mehr Kunden verloren“, erzählt Andrea Spengler von ihren Sorgen. Doch der Rote Berg an der Weißen Elster sieht nicht gut aus. Das Erdreich ist durch den Regen erneut aufgeweicht. Bäume liegen kreuz und quer auf der Schlammlawine. „Wir haben in der letzten Woche eine große Begehung gemacht“, sagt Hans-Wilhelm Müller von der Straßenmeisterei in Zorbau. Als Erstes müssen die Bäume weg, dann folgen Gutachten über die Böschung, Planungen und Ausschreibungen. Wie lange die Landesstraße gesperrt bleiben wird, darüber gab es vom Landesbetrieb Bau in Halle am Donnerstag keine Angaben.
