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Gemeinsames Projekt mit Hochschule Gemeinsames Projekt mit Hochschule: Stadtwerke wollen ins Hanfgeschäft einsteigen

Von Torsten Gerbank 31.08.2020, 07:00
Besuchten gemeinsam das Industriehanffeld auf Mibraggelände bei Profen: Christoph March, Dietmar Bendix, Marcel Schmidt, Geschäftsführer der Gala MIbrag GmbH, und Stadtwerkechef Matthias Deus (von links).
Besuchten gemeinsam das Industriehanffeld auf Mibraggelände bei Profen: Christoph March, Dietmar Bendix, Marcel Schmidt, Geschäftsführer der Gala MIbrag GmbH, und Stadtwerkechef Matthias Deus (von links). Renè Weimer

Zeitz - Die Zeitzer Stadtwerke wollen ins Hanfgeschäft einsteigen. Konkret geht es bei den Bestrebungen darum, Restprodukte, die bei der Verarbeitung von Industriehanf anfallen, so weiter aufzuarbeiten, dass sie verfeuert werden können. Dabei gehe es zunächst allerdings nicht um die Stängel der Pflanze.

Gehen alle Pläne auf, dann, so Stadtwerkegeschäftsführer Matthias Deus, könnte das kommunale Unternehmen in der Zukunft Partner beim Vertrieb von Hanfpellets und dazugehörigen Verbrennungsanlagen sein und auch Partner bei der Betreuung eben dieser Anlagen. Eine Testanlage, in der Hanfpellets als Heizmaterial verfeuert werden, könnte vielleicht schon im kommenden Jahr auf Kloster Posa in Zeitz errichtet werden. Eine sogenannte Projektskizze solle bis Ende des kommenden Monats bei der Staatskanzlei in Magdeburg abgegeben werden.

Beim Hanfprojekt arbeiten Stadtwerke eng mit Hochschule Merseburg zusammen

Beim Hanfprojekt arbeiten die Stadtwerke eng mit der Hochschule Merseburg zusammen. Grundlagenuntersuchungen seien bereits gelaufen. Die besagen unter anderem: Das Verbrennen an sich funktioniert. Ein nächster Schritt wäre der Bau einer Testanlage. Letztlich gehe es nun unter anderem darum herauszufinden, welche Schadstoffe in welcher Konzentration bei der Verbrennung anfallen, wie das beeinflussbar ist, welche Technik verwendet wird und wie sie für dieses spezielle Heizmaterial angepasst werden kann.

Für das Projekt, das in absehbarer Zeit beginnen soll, veranschlagt Christoph March, der dafür Verantwortliche bei den Stadtwerken, einen Zeitraum von etwa drei Jahren. Die Projektkosten werden mit etwa 400.000 Euro veranschlagt. Zur Finanzierung sind die Stadtwerke und die Merseburger Hochschule auf der Suche nach Fördermittelprogrammen. Am Ende des Projektzeitraums könnte es eine „marktreife Anlage“ geben, so March.

Stück rekultiviertem Tagebau auf dem Gelände der Mibrag

Auf einem Stück rekultiviertem Tagebau auf dem Gelände der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag) bei Profen ist in den vergangenen Monaten bereits Industriehanf gewachsen. Angebaut wurde er von der Garten- und Landschaftsbaufirma der Mibrag, der Gala Mibrag Service GmbH.

Das Areal, auf dem der Hanf mit einem sehr niedrigen THC-Gehalt angebaut wurde, ist etwa doppelt so groß wie die Grundfläche des Petersdoms in Rom. Felder wie diese könnte es in der Region künftig viel mehr und vor allem mit größerer Fläche geben. Zum Beispiel dort, wo jetzt noch Mais angebaut wird, der letztlich in Biogasanlagen landet.

Wandel auf den Feldern

Viele Biogasanlagen, so Dietmar Bendix, Professor an der Hochschule Merseburg, sind in den Jahren 2006 bis 2008 in Betrieb gegangen. „Wir wissen, wenn die 20-jährige Förderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz vorbei ist, sind diese Biogasanlagen so wirtschaftlich nicht mehr betreibbar“, so Bendix. Dass bedeute, es werde einen Wandel auf den Feldern geben müssen.

Flächen, auf denen jetzt Mais angebaut wird, werden frei sein für andere Kulturpflanzen, so der Wissenschaftler. Ideal wäre es nach seinen Worten, eine Kulturpflanze zu etablieren, die hier auf dem Markt noch nicht da ist, mit der es keinen Verdrängungswettbewerb gibt. Das könnte im Burgenlandkreis der Industriehanf sein.

Industriehanf kann unter anderem zur Mehlproduktion verwendet werden, er findet in der Kosmetikindustrie und bei der Herstellung von Nahrungsergänzungsprodukten Verwendung. (mz)

Eine Hanfpflanze
Eine Hanfpflanze
Renè Weimer