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Existenzgründung im Kunsthandwerk Existenzgründung im Kunsthandwerk: Eigenwillige Formen im neuen Paradies

Von Yvette Meinhardt 03.09.2003, 17:47

Schmerdorf/MZ. - Susan Doege ist in Zeitz geboren und aufgewachsen, fühlt sich bodenständig mit der Region verbunden. Irgendwann einmal träumte sie vom Lehrer-Studium als berufliche Perspektive. Doch es kam anders. "Nach dem Abitur hatte ich Lust, etwas mit meinen Händen zu machen. Ich schwankte zwischen Tischlern und Töpfern", blickt die junge Unternehmerin zurück.

Töpfern erwies sich als erste Wahl. Dabei hatte Susan im Zeitzer Geschwister-Scholl-Gymnasium das Fach Kunst noch abgewählt.

Die Lehre führte sie nach Kahlwinkel. Dort blieb sie als Gesellin und beendete 2001 die Meisterschule. "Als ich mich schließlich für das Kunsthandwerk als Beruf entschied, sah ich das zugleich als Entscheidung für die Selbstständigkeit. Allerdings dachte ich da mehr an die ferne Zukunft", sagt sie. Die Fördermittel des Arbeitsamtes - Susan Doege gründete eine Ich-AG - und der Zufall führte sie und ihren Mann nach Schmerdorf, ein Örtchen mit 65 Seelen. Das Häuschen war Liebe auf den ersten Blick. Die grüne Esche trug ihr schönstes Kleid. Es war irgendwann im Mai, herrliche Dorfidylle, und trotzdem Raum für eigene Kreativität. Der Drei-Seit-Hof besaß die richtige Größe und dazu ein originelles Brunnenhäuschen.

Das junge Paar wurde schnell heimisch und gab dem Hof ein individuelles neues Gesicht. Die monotonen Betonplatten mussten weichen. Neue Wege werden von alten Backsteinen gesäumt, Urlaubssteine im Mosaik verewigt, im Herzen ein Rondell mit herrlich duftenden Lavendel. "Wir fühlen uns hier gut aufgehoben. Aus meiner Werkstatt genieße ich den Blick auf die Wiese und freue mich, wenn gelegentlich ein Pferd zum Fenster hineinschaut", erzählt sie.

Ihren Ideen lässt sie hier freien Lauf. Die Töpferin hat sich für farbiges Steinzeug in goldbraun, creme und taubenblau entschieden. Runde, gefällige Formen überwiegen. Manch überraschende Idee entstand per Zufall, aus Knöpfen wurden Broschen, den Broschen folgten Ketten. Und die Pumpe im alten Brunnenhaus inspirierte sie zu einem kleinen Kunstwerk.

An fast jedem Gefäß entdeckt man ein Stück Ursprünglichkeit. Allmählich wandelt sich der alte Stall. Mit einem Hoffest soll der Laden am 27. September eröffnet werden. Frische Erde in der alten Tränke, hier wächst eine Pflanzenecke mit Gartenkeramik. Gerade rüber Platz für die Küche, für Tassen, Teller, Schalen, Kerzen, Karaffen. . . Hier begegnet uns die lieb gewonnene Spirale wieder, unaufdringlich, originell. Das Markenzeichen einer jungen Künstlerin.

Die Töpferei in Schmerdorf ist dienstags von 14 bis 19 Uhr, mittwochs bis freitags 9 bis 12 und 14 bis 19 Uhr, samstags 9 bis 16 Uhr geöffnet.