Downhill-Fahrerin Maria Franke aus Zeitz Downhill-Fahrerin Maria Franke aus Zeitz: Wie immer - allein unter Männern

Sanremeo/Zeitz - Für Maria Franke ging eine Woche Trainingslager in Italien herum, wie im Fluge. Zig Kilometer auf dem Rad den Berg hinunter, über Stock und Stein.
Das war genau das, was sich die junge Frau, die eigentlich bisher immer einen Motor unter ihrem Hintern hatte, vorgestellt hatte. Der italienische Kurort Sanremo war für eine Woche das Übergangszuhause von Maria Franke und ihrem Team Next Generation Racing. Sie ist, wie man es bei ihr nicht anders erwartet, mal wieder die einzige Dame in der Runde. Drei Downhill-Radsportler, ein Mechaniker und Frankes Freund Dustin Frogo machten die Runde komplett. Nein, kein Urlaub, sondern hartes Training stand auf dem Programm.
Teilnahme am deutschen Downhill-Cup
Schließlich hat sich die als Motocross-Fahrerin bekannte junge Frau einiges vorgenommen. „Ich möchte beim Deutschen Downhill-Cup teilnehmen. Dafür muss ich fünf Rennen in Deutschland bestreiten und natürlich vorher noch ordentlich trainieren“, sagt sie. Der Anfang dafür sollte nun also ein Trainingslager mit ihrem neuen Team sein. Unter den Kollegen sind auch Benny Herold und Rick Balbierer, die schon sehr viel Erfahrung mitbringen. „Von denen profitier ich natürlich“, sagt Franke. Auch der vierte Mann im Bunde, Tim Schlüßler ist neu. „Benny und Rick kannten die Strecken in und um Sanremo schon.
Das war optimal“, erklärt sie. Der Tag begann immer um sieben mit einem gemeinsamen Frühstück. Danach wurden die Räder fertig gemacht und ins Auto verladen, um auf den Berg zu fahren. Downhill-Mountainbiking heißt nämlich „nur“ bergab fahren. Über Steine, Wurzeln, durch Matsch, mal extrem steil und mal weniger. Eine anspruchsvolle Strecke, wo Maria Franke als Neuling teilweise ganz schön zu tun hatte. „Die Jungs mussten schon ab und zu auf mich Rücksicht nehmen“, erinnert sie sich. Unten am Fuße des 934 Meter hohen Berges hieß es immer „kurz verschnaufen“, Räder wieder ins Auto und ab nach oben.
Den Trainer sucht man vergebens
Zehnmal am Tag das gleiche Spiel. Pro Trainingseinheit kam das Quartett so auf etwa 30 Kilometer. „Das war schon sehr anstrengend, aber allein durch die tolle Aussicht trotzdem ein schöneres Training als zu Hause“, schwärmt sie und fügt hinzu: „Das hat mir eine ganze Menge gebracht. Ich konnte viel mit nach Hause nehmen und habe eine Menge von den erfahreneren Jungs gelernt. Gerade für die Geschwindigkeit und die Ausdauer hat es was bewirkt.“ Jeden Abend gab es nach den harten Trainingseinheiten ein Eis als Belohnung und auch mal ein Sightseeing-Trip an den Hafen von Monaco. Einen Trainer sucht man im Team vergebens.
Das Quartett coacht sich selbst. Jeder hat seine Erfahrungswerte und Stärken und alle profitieren voneinander. Einmal die Woche treffen sie sich sogar zum Motorradfahren. „Da habe ich dann immer die Nase vorn und muss auf die Männer Rücksicht nehmen“, sagt sie schmunzelnd. Nun ist Maria wieder zurück in Zeitz und dreht hier ihre Runden. Mindestens eineinhalb Stunden investiert sie täglich.
Heute ist Maria ihr eigener Chef
Egal ob Rad- oder Motorradfahren, Ausdauer- oder Krafttraining. Früher hat sie ihr Vater noch ein wenig gepusht, heute ist sie ihr eigener Chef. „Nachdem ich mir 2010 den Wirbel gebrochen hatte, hat er sich etwas von dem Sport distanziert - sicherlich aus Angst“, erklärt sie. Das Motocross-Fahren hat sie jedoch noch nicht ganz an den Nagel gehangen. Sie fährt nach wie vor ab und zu ein paar Rennen oder gibt Lehrgänge. Wie zum Beispiel am kommenden Wochenende in Giersleben. (mz)