Burgenlandkreis Burgenlandkreis: Gartenvorstände sind sich nicht grün
ZEITZ/MZ. - Es gibt Ärger im Kleingartenverein "Freie Gewerkschaften". Mitte Mai schied der 1. Vorsitzende aus gesundheitlichen Gründen überraschend aus, schickte eine entsprechende Mitteilung ans Vereinsregister, teilte seinen Rücktritt mittels Aushang mit und benannte die 2. Vorsitzende als Stellvertreterin. Das war Sigrid Hübner. Sie stieg nahtlos in diese Funktion ein, auch wenn es nach ihrer Erinnerung keine schriftliche Rücktrittsmeldung an den Vorstand gab.
Vereinsmitglied Jörg Kölbel stößt sich nun daran, dass Hübner auf Aushängen in den Vereinskästen als amtierende 1. Vorsitzende unterschrieb, obwohl der Vorstand sie gar nicht als Ersatzmitglied für den Rest der Amtszeit des 1. Vorsitzenden gewählt hatte. Der Vorstand hatte nämlich gar nicht gewählt, was er laut Vereinssatzung hätte tun müssen. "Amtsanmaßung und mehrfache Verstöße gegen die Vereinssatzung", sagte Kölbel, der als einer von drei Beisitzern selbst Vorstandsmitglied war.
Er verlangte eine außerordentliche Mitgliederversammlung, um einen neuen Vorstand zu wählen und legte sammelte dafür auch die nötigen fünf Prozent Unterschriften von den 180 Mitgliedern. Stattdessen jedoch gab es erst einmal eine außerordentliche Vorstandssitzung, in der gegenseitig viel schmutzige Wäsche gewaschen wurde. Kölbel und die Schriftführerin verließen die Sitzung und traten aus dem Vorstand aus. Vor diesem Schritt stand zunächst auch der Restvorstand. Doch dann wurden zwei neue Vorstandsmitglieder kooptiert, womit der Vorstand wieder arbeitsfähig war. Er bestimmte Sigrid Hübner, den Verein weiter zu leiten, bis im März 2011 sowieso wieder Vorstandswahlen sind. Und die außerordentliche Mitgliederversammlung findet nun doch statt: am 18. September, 10 Uhr im Vereinsheim.
Die Kleingartenanlage "Freie Gewerkschaften" wurde im Februar 1946 auf Ackerflächen am Zeitzer Stadtrand und entlang der Gleinaer Straße mit großen Gärten angelegt. Der Verein ist Mitglied im Regionalverband der Gartenfreunde "Weiße Elster & Umgebung". Dessen geschäftsführender Vorsitzender Herbert Hedrich kam Montag aus dem Jahresurlaub. Die Konflikte im Vorstand der "Freien Gewerkschaften" schienen ihn nicht wirklich zu überraschen. Ihre Zuspitzung aber doch. Statt sich gegenseitig Knüppel zwischen die Beine zu werfen, hätte man im Interesse des Vereins versuchen sollen, miteinander auszukommen, findet er. Darüber, dass ihm Kölbel vorwarf, hinter Sigrid Hübner zu stehen, schüttelte er den Kopf. "Die Vorstände der Kleingartenvereine arbeiten alle ehrenamtlich. Dass der Regionalverband sie bei ihrer schwierigen Arbeit unterstützt, ist ja wohl das Mindeste, was man von uns verlangen kann", sagte er. Die außerordentliche Mitgliederversammlung musste nach dem Stand der Dinge einberufen werden, das sei richtig. Und richtig sei auch, dass der Verein im März nächsten Jahres wieder Vorstandswahlen durchführt.