Bewerber setzen die ersten Akzente
Zeitz/MZ. - Dr. Ulf Altmann (CDU/Wahlbündnis mit SPD), Ute Kirsten (parteilos/Die Linke), Amtsinhaber Dieter Kmietczyk (parteilos) sowie die Einzelbewerber Bernd Jäger und Ullrich Opler stellten sich den Fragen des Moderators und aus dem Publikum.Die Wahlen um das Amt des Zeitzer Oberbürgermeisters in knapp drei Wochen bewegen die Bürger der Elsterstadt. Etwa 180 von ihnen kamen am Montagabend in den Saal des Hotels "Drei Schwäne". Ein Andrang, mit dem die Organisatoren nicht gerechnet hatten. So mussten einige Besucher die zwei Veranstaltungsstunden stehend verharren, weil sie keinen Sitzplatz mehr ergatterten.
Mit dem Wahlforum auf Einladung des DGB-Ortsverbandes Zeitz gab es das erste öffentliche Aufeinandertreffen von Bewerbern um den OB-Stuhl. Und die befragte Moderator Johannes Krause, DGB-Regionalchef im Süden Sachsen-Anhalts, zu Themen Arbeit und Wirtschaft, Bildung und Freizeit, und auch zu Ordnung und Sicherheit in Zeitz, "damit sich die Bürger ein Bild machen können von Bewerbern und ihren Vorstellungen über die Ausübung des Amtes als Zeitzer Stadtoberhaupt", betonte Krause.
Neben Gemeinsamkeiten waren es vor allem die Unterschiede in den Ansichten der Kandidaten, die Krause mit seinen Fragen herausforderte. Die wurden schon bei den Schwerpunkten deutlich, die Bewerber im Fall eines Wahlerfolges setzen wollen. Ute Kirsten will eine lebens- und liebenswerte Stadt gestalten, in der die Kinder wieder Zukunft haben. Sie forderte, die Kräfte zu bündeln und ein Ende der Grabenkämpfe zwischen Verwaltung und Stadtrat. Kritik müsse wieder als ein Mittel verstanden werden, um vorwärts zu kommen. Bisher sei sie zumeist Mittel zum Stehenbleiben gewesen. Bei der Schaffung von Arbeitsplätzen will Ute Kirsten vor allem auf den Mittelstand bauen und die Stadt nach außen in der Wirtschaft und für Investoren bekannter machen.
Bernd Jäger hat sich neben der Schaffung von Arbeitsplätzen durch Industrieansiedlungen die Revitalisierung der Innenstadt auf die Fahne geschrieben. Er sagt: "Wir brauchen Arbeitsplätze hier in der Region. Denn dort, wo Geld verdient wird, wird es auch ausgegeben." Er will sich zudem der Schul- und Hortentwicklung widmen und strebt an, Elternbeiträge für Schulhorte abzuschaffen. Ullrich Opler nannte Wachstum und Arbeit als seine Prämissen. Bei der Entwicklung, die er anstrebe, wolle er sich auf die industriellen Kernansiedlungen in Zeitz und der Region stützen. Er plädierte für ein "bezahlbares Zeitz" mit stabilen Kommunalabgaben.
Amtsinhaber Dieter Kmietczyk sieht für Zeitz zunächst weiter sinkende Einwohnerzahlen. Dieser demografischen Entwicklung müsse man konzeptionell begegnen. Mit Arbeitsplätzen in der Wirtschaft, mit einem stärker füreinander einstehen und mit einer positiven Außendarstellung der Stadt durch ihre Einwohner. Dr. Ulf Altmann wehrt sich dagegen, Zeitz aufzugeben und eine Einwohnerentwicklung in Richtung 20 000 hinzunehmen. "Ich werde kämpfen für eine Stadt in der es sich lohnt zu leben, zu wohnen und zu arbeiten." Altmann sprach sich für einen engeren Kontakt aus, den er im Fall seiner Wahl als Oberbürgermeister zu den Unternehmen in der Stadt und der Region halten wolle. "Wir sollten nicht selektieren zwischen guten und bösen Investoren. Wir brauchen jeden", sagte er. Und bezüglich der Stadtentwicklung sprach er sich für den Erhalt von Zeitz-Ost aus, einem Stadtteil, von dem sich Kmietczyk Schritt für Schritt verabschieden will. In der Innenstadt will Altmann Kaufhaus und Tiefgarage. Was die Vermarktung von Zeitz und die Außenwirkung der Elsterstadt betrifft, so setzt sich Altmann vehement für die Gründung einer Stadtmarketing GmbH ein, die neben dem Schlosspark auch viele andere Zeitzer Angebote bekannt machen soll.
Kmietczyk bezweifelt, dass eine Stadtmarketing GmbH wirtschaftlich arbeiten könne. Er plädiert dafür, die Aufgaben wie Nachnutzung Landesgartenschau-Gelände bei der Verwaltung zu belassen. Das habe sich bewährt. Der Preis für den Parkbesuch sei mit einem Euro attraktiv, die Angebote würden von Bürgern angenommen. Bei einer GmbH sagt er 3,50 Euro als Eintrittspreis voraus. Zu dieser Erkenntnis komme eine Studie.
Unterschiedlich bewerten die Kandidaten die Zeitzer Haushaltssituation. Deren Entwicklung im letzten Jahr sei zwar erfreulich, aber dennoch halten Ute Kirsten und Ulf Altmann eine Fortschreibung der Haushaltskonsolidierung für notwendig. Altmann will städtische Einnahmen und Ausgaben in Zukunft streng überprüft sehen, Kirsten gemäß Stadt- und Verkehrsentwicklungskonzept künftige Ausgaben planen. Kmietczyk und Opler halten eine Konsolidierung für nicht mehr erforderlich, wohl aber eine strikte Kostenkontrolle.
Unterschiedliche Meinungen hörten die Besucher von den Kandidaten zu den Vorhaben der Mibrag. Kmietczyks "Ja zur Mibrag, nein zum Braunkohlekraftwerk" wurde im Saal anders aufgenommen als Jägers "noch brauchen wir Braunkohle" oder Kirstens "brauchen die Braunkohle als Brückenenergie mit neuem Kraftwerk". Auch Oplers Ja - und darüber hinaus die Forderung nach weiterer stofflicher Verwertung der Kohle kam anders an als Altmanns "rückhaltloses Ja zur Mibrag".
Einig waren sich die OB-Kandidaten in ihren Antworten auf die Frage des Moderators nach ihrer Position zu Rechtsextremismus, Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit. Zeitz sei eine tolerante, bunte Stadt. Braun dürfe hier keine Perspektive haben. Dafür stehe man gemeinsam.